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Darlehensverträge mit Kindern

10.09.2001  00:00 Uhr

STEUERTIPP

Darlehensverträge mit Kindern

von Reinhard Garbe, Hannover

Obwohl durch die stufenweise Absenkung des Spitzensteuersatzes in der Einkommensteuer (2001/2002: 48,5, 2003/2004: 47, ab 2005: 42 Prozent) und die Anrechnung der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer die Gesamtsteuerbelastung deutscher Unternehmer erheblich zurückgeführt wird, besteht nach wie vor Bedarf, die persönliche Steuerlast zu optimieren. Dazu eignen sich insbesondere Gestaltungen innerhalb einer Familie. Die Übertragung von Kapitalvermögen auf Kinder unter anschließender Rückgewähr des geschenkten Vermögens als Darlehen ist eine Möglichkeit.

Die Grundidee ist denkbar einfach. Jede in Deutschland lebende natürliche Person ist mit ihrem Einkommen bis zum Grundfreibetrag in jedem Fall steuerfrei. 2001 sind das 14.093 DM. Hinzu kommt ein Sonderausgabenpauschbetrag von 108 DM. Besteht das Einkommen ganz oder zu einem erheblichen Teil aus Kapitalerträgen, kann es bis zu weiteren 3100 DM (Sparerfreibetrag 3000 DM plus Werbungskostenpauschbetrag 100 DM) steuerfrei bleiben. Übertragen also Eltern auf ihr Kind per Schenkung Kapitalvermögen und sind die daraus erzielten Erträge dem Kind steuerlich zuzurechnen. Es bleiben insgesamt 17. 301 DM steuerfrei.

Beispiel

Ein kapitalvermögender, verheirateter Apotheker hat zwei studierende Kinder (22 und 24 Jahre alt), die durch Studentenjobs eigene Einkünfte von je 6000 DM jährlich erzielen. Der Apotheker erhält aus einer Festgeldanlage von 500.000 DM jährlich Erträge von 20.000 DM, die auf Grund weiterer Kapitalerträge und dem Übersteigen des Sparerfreibetrags beziehungsweise Werbungskostenpauschbetrags voll der Einkommensteuer unterliegen. Bei einem Steuersatz von 40 Prozent ergäbe sich eine Steuerbelastung von 8000 DM. Der Apotheker überträgt daher die Festgeldanlage je zur Hälfte auf seine Kinder. Die Kapitalerträge bleiben steuerfrei, da das Gesamteinkommen der Kinder unter dem Betrag von 17.301 DM bleibt. Die unentgeltliche Übertragung löst keine Schenkungssteuer aus, da für Schenkungen von Eltern an Kinder ein Freibetrag von 400.000 DM gilt.

Diese Übertragungsweise wird vom Finanzamt jedoch nur dann einkommensteuerlich anerkannt, wenn das übertragene Vermögen endgültig und unwiderruflich in den Besitz der Kinder übergegangen ist. Das Kind muss Gläubiger der Sparanlage gegenüber dem Kreditinstitut werden. Bei minderjährigen Kindern sollte mit der Bank vereinbart werden, dass die Eltern die Verfügungsbefugnis nur im Rahmen des elterlichen Sorgerechts ausüben. Denn nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs führt eine spätere Verfügung der Eltern über das im Namen der Kinder angelegten Vermögens und der daraus erzielten Erträge für eigene Zwecke - zum Beispiel Unterhalt des Kindes - zur Zurechnung bei den elterlichen Erträgen. Im Beispiel hätte der Apotheker also trotz der Übertragung auf seine Söhne die Erträge zu versteuern.

Besteht im nachhinein wieder Finanzierungsbedarf, etwa für die Anschaffung einer neuen Apothekeneinrichtung, ist es durchaus möglich, sich von den Kindern ein verzinsliches Darlehen gewähren zu lassen. Zu dem Vorteil, dass die Zinserträge bei den Kindern steuerfrei bleiben, käme noch der Betriebsausgaben-Abzug der Schuldzinsen im Rahmen der Gewinnermittlung des Betriebs. Er würde die Einkommen- und Gewerbesteuerbelastung mindern.

Die einzelnen Vorgänge - Schenkung und Darlehensgewährung - müssen wie unter Fremden Dritten vereinbart und auch tatsächlich durchgeführt werden. Darauf achten die Finanzämter sehr genau. Deshalb sind unbedingt folgende Grundsätze einzuhalten: Die Schenkung und die Darlehensgewährung darf nicht in einem einheitlichen Vertrag vereinbart sein. Zwischen Schenkung und Darlehensgewährung sollte einige Zeit liegen. Es darf keine innere Abhängigkeit von Schenkung und Darlehen bestehen. Der Darlehensvertrag muss Mindestvereinbarungen über Laufzeit, Rückzahlbarkeit, regelmäßige Entrichtung der Zinsen, ausreichende Sicherung des Darlehensbetrags beinhalten. Bei minderjährigen Kindern muss ein Ergänzungspfleger mitwirken.

Die Einkünfteverlagerung auf die Kinder kann aber auch zur Versagung anderer steuerlicher Begünstigungen führen, die von den Einkünften und Bezügen des Kindes abhängig sind. Zu beachten ist vor allem das Kindergeld. Überschreiten die Einkünfte eines volljährigen, sich in Ausbildung befindlichen Kindes den so genannten Jahresgrenzbetrag (2001: 14.040 DM), besteht kein Kindergeldanspruch. Während nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs bei der Berechnung des Jahresgrenzbetrags Kapitalerträge bis zur Höhe des Sparerfreibetrags nicht als Einkünfte und Bezüge behandelt werden, sollen wegen ausdrücklicher gesetzlicher Regelung ab 2002 auch diese steuerfreien Kapitalerträge den Bezügen des Kindes zugerechnet werden. Es kann also zu einer Versagung des Kindergeldes kommen.

Im Beispiel erzielten die Kinder jährlich je 6000 DM an Einkünften aus Studentenjobs und weitere Einnahmen von je 10.000 DM aus Kapitalvermögen. Nach heutiger Rechtslage würden die Einkünfte und Bezüge den Jahresgrenzbetrag von 14.040 DM nicht übersteigen, sondern 12.900 DM betragen, da die Kapitalerträge in Höhe des Sparerfreibetrages nicht als Bezüge angesetzt würden. Der Apotheker bekommt den vollen Kindergeldanspruch von 3240 DM pro Kind.

Ab 2002 gelten die steuerfrei gebliebenen Kapitalerträge als Bezüge der Kinder. Einkünfte und Bezüge würden jeweils 15.900 DM betragen und somit den Jahresgrenzbetrag übersteigen. Dem steuerlichen Vorteil der Gestaltung von 8000 DM stünde nunmehr ein Verlust des Kindergeldes von circa 3612 DM pro Kind gegenüber (das Kindergeld beträgt ab 2002 monatlich circa 301 DM).

Anschrift des Verfassers:
Reinhard Garbe, Steuerberater
Treuhand Hannover GmbH, Stbges.
Hildesheimer Str. 271
30519 Hannover
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