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Gewinne im Pharmamarkt

21.08.2000
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-Wirtschaft & HandelGovi-Verlag

Gewinne im Pharmamarkt

PZ/dpa-Artikel

Von vielen pharmazeutischen Unternehmen sind in den vergangenen zwei Wochen Meldungen über die Halbjahres- und Quartalsergebnisse in der PZ-Redaktion eingetroffen. Insgesamt verdient die Pharmaindustrie nach wie vor recht gut und macht Gewinne. Der Start in die Gewinnzone lässt allerdings bei Biotechnologieunternehmen auf sich warten.

Altana plus 49 Prozent

Der Chemie- und Pharmakonzern Altana sieht nach einem Gewinnsprung im ersten Halbjahr 2000 die Möglichkeit einer deutlichen Dividendenerhöhung. Nach eigenen Angaben legte das Ergebnis vor Steuern im Jahresvergleich um 49 Prozent auf 158 Millionen Euro zu. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 915 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet das Bad Homburger Unternehmen jetzt mit einem Ergebnisplus von 30 (statt 20) Prozent. Dadurch könnte auch die Dividende deutlich erhöht werden.

Zuwachs bei BASF Pharma

Zweistellige Zuwachsraten weist BASF Pharma im ersten Halbjahr aus. Der Umsatz sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12,4 Prozent auf 1,256 Milliarden Euro gewachsen, das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen um 36,6 Prozent auf 56 Millionen Euro gestiegen, was besonders auf die gute Geschäftsentwicklung in Italien und Japan zurückzuführen sei. BASF Pharma konzentriert sich auf neue, verschreibungspflichtige Arzneimittel und auf die Forschungsschwerpunkte in den Kernarbeitsgebieten Immunologie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, nicht aber das Selbstmedikationsgeschäft.

Bayer-Geschäft läuft gut

Das Arbeitsgebiet Gesundheit entwickelt sich für den Chemieriesen Bayer immer mehr zu einer tragenden Gewinnsäule. Im ersten Halbjahr 2000 erzielte die ein Drittel zum Umsatz beisteuernde Sparte beim Betriebsergebnis ein Plus von 68 Prozent auf 726 Millionen Euro. Bereinigt um Verkäufe und Sondereffekte durch den Börsengang der Agfa-Gruppe wurde der Konzerngewinn um 40 Prozent auf eine Milliarde Euro gesteigert. Der Umsatz kletterte um 22 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro. Für das gesamte Geschäftsjahr wird mit weiteren zweistelligen Zuwachsraten bei Umsatz und Ergebnis gerechnet. Ausschlaggebend sei die positive wirtschaftliche Entwicklung gewesen, so die stabile Nachfrage in den USA und Asien bei gleichzeitig verbesserter Konjunktur in Europa.

GPC Biotech mit Verlust

Das Biotechnologieunternehmen GPC in München konnte seine Erlöse zwar um 272 Prozent auf 7,1 Millionen Euro steigern. Doch ist ein Fehlbetrag von 22 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 1 Million Euro) angefallen. Bereinigt um Sondereinflüsse wie akquisitionsbedingte Abschreibungen (17 Millionen Euro) habe sich der Verlust vor Zinsen und Steuern auf 2,4 Millionen Euro verdreifacht. Das Unternehmen entwickelt auf der Genomforschung basierende Therapeutika gegen Krebs, Immunstörungen und Infektionskrankheiten. Der Biotechnologie-Spezialist gab eine Kooperationsvereinbarung mit Bayer bekannt und wird die Wirkmechanismen von bis zu 50 antibakteriellen Medikamentenkandidaten analysieren. Auf diesem Weg solle die Entwicklung neuer Antibiotika beschleunigt werden.

Eli Lilly unterlag bei Prozac

Weltweit steigerte Eli Lilly, Indianapolis/USA, den Umsatz von 12 Prozent auf 2,62 Milliarden Dollar, das Betriebsergebnis stieg ebenfalls um 12 Prozent auf 825,6 Millionen Dollar. Das Ergebnis nach Steuern erhöhte sich um 16 Prozent auf 66,2 Millionen Dollar. Allerdings drückt die Prozac-Entscheidung den Lilly-Börsenwert um 37 Milliarden Dollar. Das Unternehmen unterlag in einem Patentstreit gegen Barr Laboratories, so dass der Aktienkurs am 9. August drastisch um 33,37 Dollar oder 31 Prozent auf 75,19 Dollar fielen. Nach der Entscheidung des Berufungsgerichts in Washington besteht der Eli Lilly-Patentschutz für den Umsatzrenner Prozac nur noch bis August 2001. Die Gesellschaft verwies jedoch auf ihre ansonsten gut sortiertes Angebot.

Fresenius auf Wachstumskurs

Das operative Ergebnis konnte Fresenius im ersten Halbjahr um 29 Prozent auf 355 Millionen Euro steigern. Das Konzernergebnis nach Steuern verzeichnete einen Zuwachs von 38 Prozent auf 121 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 23 Prozent auf 2,86 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Fresenius ein Umsatzwachstum von mehr als 10 Prozent und ein deutlich stärkeres Ergebnis beim Ergebnis.

Weiter ausgebaut hat die Fresenius Medical Care AG (100-prozentige Tochter von Fresenius) im ersten Halbjahr ihre weltweite Führungsposition. Der Umsatz des Anbieters von medizintechnischen Produkten und Dienstleistungen für Patienten mit chronischem Nierenversagen stieg um 9 (wechselkursbereinigt um 12) Prozent auf 2,04 Milliarden Dollar. Das Ergebnis nach Steuern stieg um 20 (28) Prozent auf 95 Millionen Dollar.

Merck-Gewinn verhagelt

Das jahrelange Verlustgeschäft mit Vitamin C hat dem Darmstädter Pharma- und Chemieriesen Merck das zweite Quartal kräftig verhagelt. Die Sparte schreibt seit Jahren keine schwarzen Zahlen und verspricht auch in den kommenden Jahren keine Gewinne. Kurzfristig waren erhebliche Sonderabschreibungen fällig, die den Gewinn vollständig aufgezehrt haben. Insgesamt werden die Belastungen mit 57 Millionen Euro (111 Millionen DM) beziffert. Unter dem Strich schrumpfte damit das Ergebnis nach Steuern im ersten Halbjahr um knapp 22 Prozent auf 112 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis vor Sondermaßnahmen legte allerdings um knapp 15 Prozent auf 366 Millionen Euro zu; im zweiten Quartal allein lag das Plus bei rund 20 Prozent. Der Umsatz sprang um 40 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Dafür waren Zukäufe maßgeblich.

Roche-Rekordergebnis

Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat im ersten Halbjahr 2000 Rekordergebnisse erzielt. Der Konzerngewinn nahm im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent auf knapp 3 Milliarden Franken zu. Zu dem guten Resultat trugen auch die bedeutenden Gewinne aus dem Verkauf von Genentech-Aktien bei. Der Umsatz stieg um 11 Prozent auf rund 13,7 Milliarden Franken. Gute Ergebnisse wurden vor allem in den Bereichen Pharma und Diagnostics erzielt.

An der Roche-Spitze kommt es Ende 2000 zum doppelten Führungswechsel: William Burns löst den Pharmechef Franz Humer und Anton Affentranger den Finanzchef Henri Meier ab.

Schwarz Pharma ermutigt

Besser als erwartet verlief das erste Halbjahr bei Schwarz Pharma. Der Umsatz stieg um 2,9 Prozent auf 715 Millionen DM. Das Ergebnis nach Steuern konnte mit 38,9 Millionen DM auf dem bereinigten Vorjahresniveau gehalten werden. Das Unternehmen hatte zuvor einen Umsatzrückgang von 5 bis 7 Prozent prognostiziert und erwartet nun trotz des deutlichen Anstiegs der Forschungskosten einen besseren Jahresüberschuss als im Vorjahr.

Schering hebt Prognose an

Der Berliner Pharmakonzern Schering hat seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das laufende Jahr nach hohen Zuwachsraten in den ersten sechs Monaten angehoben. Für 2000 geht Schering inzwischen von einem Umsatz- und Gewinnwachstum von 20 Prozent aus. Bisher waren ein Umsatzplus von 15 Prozent und eine ähnliche Gewinnsteigerung erwartet worden. Im ersten Halbjahr 2000 stieg das Betriebsergebnis im Konzern gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 361 Millionen Euro (707,56 Millionen DM). Der Gruppengewinn erhöhte sich um 24 Prozent auf 209 Millionen Euro. Vor Steuern wurde ein Ergebnisplus von 31 Prozent auf 390 Millionen Euro erzielt. Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten um 26 Prozent auf 2,217 Milliarden Euro. Vor allem das Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon trug zum starken Wachstum bei. Mit dem Umsatzrenner wurde ein Plus von 35 Prozent auf 289 Millionen Euro erzielt, wovon 116 Millionen Euro auf die USA entfielen (plus 31 Prozent).Top

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