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Wechsel des Stromanbieters

01.07.2002
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Wechsel des Stromanbieters

von Ann Hörath, Berlin

Bislang haben nur 3,7 Prozent aller Haushalte den Schritt gewagt und den Stromanbieter gewechselt. Wissenslücken und Fehlinformationen über vermeintlich unübersichtliche Tarife der Anbieter sind der Grund dafür. Wann lohnt sich der Anbieterwechsel für Apotheken und worauf ist zu achten?

Seit mehreren Jahren ist der deutsche Strommarkt für verschiedene Anbieter offen. Richtig in Fahrt gekommen ist er allerdings nicht. Schuld daran sind unter anderem die etablierten Versorger, die einen fairen Wettbewerb durch hohe Durchleitungskosten ausgebremst haben. Das Bundeskartellamt will dem nun einen Riegel vorschieben: Gegen zehn Netzbetreiber laufen derzeit Missbrauchsverfahren.

Verhandlungsvorteil

Schon jetzt bietet der liberalisierte Strommarkt dem Endverbraucher oft finanzielle Vorteile. Vor allem Großkunden wie Apotheken mit einem Jahresverbrauch zwischen 15.000 und 30.000 Kilowatt die Stunde können verhandeln, ist Martin Könemann vom Internetdienstleister www.stromtip.de überzeugt. "Bei größeren Abnahmemengen räumen Anbieter oft günstige Angebote ein."

Dr. Friedel Schubert, Verbraucherzentrale Bundesverband, rät die Angebote zu vergleichen. Apotheken sollten zuerst ihren bisherigen Stromanbieter ansprechen und sich ein neues Angebot einholen. Das sei ein optimaler Richtwert für Vorschläge von anderen Betreibern. Anzugeben ist dazu der Jahresverbrauch der Vorjahre. Falls Nachtstromspeicher oder energieintensive Geräte im Einsatz sind, sollten diese auch angegeben werden. Bei den Konditionen sollte immer auf eine Laufzeit mit kurzen Kündigungsfristen geachtet werden, empfiehlt Könemann. Nur so könnten Verbraucher von veränderten Strompreisen profitieren. Ist ein langfristiger Vertrag unumgänglich, sollte man darauf bestehen, dass Preissenkungen an den Endverbraucher weitergegeben werden.

Ein Anbieterwechsel ist mittlerweile recht einfach. Dafür haben die Verbraucherschützer gesorgt. Stromversorgung und Netznutzung werden in einem Vertrag vereinbart. Ins Leere geht auch das Argument einiger Stromversorger, abtrünnige Kunden im Dunkeln sitzen zu lassen, falls irgendetwas beim Wechsel schief geht. Der Verbraucher ist auf dem deutschen Strommarkt gesetzlich geschützt und damit auf der sicheren Seite. Sollte der Wechsel tatsächlich nicht termingerecht klappen, muss der ehemalige Versorger den Kunden wieder aufnehmen.

In Deutschland gibt es ein allgemeines Netz, in das alle Versorger ihren Strom einleiten. Nach den Energieträgern wird zum Beispiel Atom- und Ökostrom (Wasser, Sonne, Wind) sowie Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung unterschieden. Mit dem Wechsel bestimmt der Kunde also nur, wer "seinen" Strom einspeist.

Auch ein Ökostrom-Kunde bekommt einen Strommix. Lediglich 10 Prozent müssen aus erneuerbaren Energieträgern stammen; nach oben ist die Grenze offen. Bezahlt werden müssen allerdings 100 Prozent. Ein kleiner Trost für Umweltbewusste: Einige Ökostrom-Anbieter, wie die Hamburger Firma Lichtblick, aber auch verschiedene Stadtwerke, investieren einen bestimmten Anteil ihres Gewinns in Umweltprojekte.

Praktische Vorgehensweise

"Unterschreiben Sie keinen Vertrag bei einem Anbieter, den Sie nicht über einen gewissen Zeitraum beobachtet haben", empfiehlt www.stromtip.de auf der Homepage. Leicht gemacht wird dieser Vergleich mit dem Tarifrechner des Serviceunternehmens. Der Interessent erhält eine Anbieter-Übersicht und kann genaue Hintergründe zu einem bestimmten Versorger abfragen. Wird das Nutzerprofil des Unternehmens gespeichert, wird es automatisch über Veränderungen "seines" Anbieters informiert.

Wird ein Liefervertrag unterzeichnet, übernimmt der künftige Anbieter in der Regel alle Formalitäten. Ist dieser Service nicht inklusive, sollte der Wechsel noch einmal überdacht werden. Denn dieses Manko wirft ein schlechtes Licht auf andere Dienstleistungen. Wichtig: Auch muss der Versorger wirklich die gewünschte Region beliefern.

Beim Preisvergleich ist zu beachten, dass nicht jeder attraktive Preis einem kritischen Blick standhält. Häufig finden sich zusätzliche Kosten, wie etwa Durchleitungsgebühren und Konzessionsabgaben. Seit zwei Jahren sind Stromanbieter gesetzlich verpflichtet, alle Preisbestandteile im Endpreis anzugeben. Nicht jeder hält sich daran.

Ein Anruf beim Berufsverband lohnt ebenfalls. Eventuell gibt es Sonderkonditionen bei bestimmten Stromanbietern. Klauseln, nach denen der Lieferbeginn von technischer Machbarkeit abhängt, sollte man auf keinen Fall akzeptieren. Verbindliche Daten, wie Vertragsstart, Kündigungsfristen und Vertragsende, sind ein Muss.

Als Grundregel gilt: Nicht verunsichern lassen! Ein Angebotsvergleich lohnt auf jeden Fall. Mit der richtigen Wahl können bis zu 30 Prozent der Stromkosten eingespart werden.

 

Was bedeutet guter Service? Der Anbieter ist telefonisch leicht zu erreichen, nennt am Telefon alle Kosten, Kündigungsfristen und Mindestlaufzeiten, berät über die in Frage kommenden Tarife, erklärt den praktischen Ablauf des Wechsels, macht den Kunden auf eventuelle Probleme aufmerksam, schickt dem Kunden wenige Tage nach dem Telefonat Informations- und Vertragsunterlagen, kündigt dem alten Versorger, teilt dem Kunden den Liefertermin mit, klärt die Zählerstände und kündigt Termine sowie Beträge für die Abschlagszahlungen an.

 

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