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"Investition in die Zukunft"

19.06.2000  00:00 Uhr

-Wirtschaft & HandelGovi-Verlag

SELBSTMEDIKATIONS-KONGRESS 2000

"Investition in die Zukunft"

PZ-Artikel

Der Selbstmedikations-Kongress 2000 mit dem Titel "Neue Wege in der Selbstmedikation" wird erstmals gemeinsam vom Deutschen Apothekerverband, dem Bundesfachverband der Arzneimittelhersteller und dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie am 29. und 30. Juni in Darmstadt veranstaltet.

Er steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Roland Mattmüller, Marketing-Spezialist der European Business School in Oestrich-Winkel. Wenige Tage vor Beginn der zweitägigen Veranstaltung nahm Professor Mattmüller in einem Gespräch mit den drei Verbänden zu den Zielen des Kongresses sowie dessen wissenschaftlichen Hintergrund Stellung. Auch seine grundsätzlichen Überlegungen zur Selbstmedikation und die Aktivitäten des Apothekers in diesem Bereich standen im Mittelpunkt des Gesprächs.

Mattmüllers Anliegen ist es, diesen Kongress und die Behandlung dieses Themengebiets auf eine abgesicherte wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Das bedeutet, dass die inhaltlichen Zusammenhänge dieses Kongresses für die Teilnehmer nachvollziehbar sein müssen. Mattmüller: "Ein Sammelsurium unterschiedlicher Beiträge zum Thema Selbstmedikation führt am Ziel vorbei. Dieser Kongress orientiert sich am - wie wir sagen - vollständigen und integrativen Marketing-Prozess."

Der speziell von Mattmüller an der EBS weiterentwickelte Prozessgedanke des Marketing zieht sich als roter Faden durch die Veranstaltung. Daran orientieren sich auch die Referenten mit ihren Vorträgen. Wenig hilfreich ist es seiner Auffassung nach, wenn der einzelne Teilnehmer sich aus dem Kongressangebot nur die Themen heraussucht, von denen er glaubt, dass sie "ihm liegen". Der eine mag mehr das Thema "Kommunikation/Werbung", der Zweite würde sich lieber mit der Marktforschung beschäftigen, der Dritte fühlt sich stark im Bereich "Strategien." Mattmüller stellt klar: "Im Ergebnis kommt dabei immer nur etwas Halbes heraus. Wir versuchen deshalb auf dem Kongress darzustellen, dass das komplette Kongressangebot – der durchgängige Marketinggedanke - wahrgenommen werden muss, wenn der Apotheker wirklichen Nutzen daraus ziehen soll."

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Zukunft der Selbstmedikation sieht Mattmüller einen wachsenden Trend auf diesem Gebiet. Vor fünf, sechs Jahren hätte niemand gedacht, dass Aldi in den Bereich Selbstmedikation einsteigen würde. Er schließt nicht aus, dass auf diesem Feld die Entwicklung weitergeht, sieht aber zugleich, dass die Vertriebskanäle außerhalb der Apotheke nur ein kleines Segment im Bereich Selbstmedikation für sich in Anspruch nehmen werden. Mattmüller: "Die Kompetenzvorteile des Apothekers auf Grund seiner umfassenden pharmazeutischen Kenntnisse sind unbestritten. Das wird auch von den Kunden so gesehen."

Neue Wege in der Selbstmedikation sieht Mattmüller vor allem darin, dass der Apotheker zukünftig nicht mehr strikt zwischen fachlicher und unternehmerischer Kompetenz unterscheiden dürfe: "So wird etwa die Verkaufskompetenz von vielen immer noch als etwas Zweitrangiges angesehen - nach dem Motto 'Ich bin ein guter Apotheker, was brauche ich Verkaufskompetenz?' Wenn der Apotheker sich mit dem Thema Selbstmedikation beschäftigt, dann muss er es eben unternehmerisch voll und ganz tun." Und dann gebe es keine Differenzierung zwischen der fachlichen Kompetenz und der Marketing-Kompetenz. Die Vermarktungskompetenz müsse Bestandteil der generellen Kompetenz des Apothekers sein.

Der Kongressbesuch und die anschließende Umsetzung des dort Erlernten seien "eine Investition in die Zukunft. Es funktioniert nicht, an der Veranstaltung teilzunehmen und zu meinen, damit sei es getan. Die Teilnahme kann nur Initialzündung für weitere Aktivitäten in der Praxis sein", betont Mattmüller.

Seiner Auffassung nach bekommt das Thema Selbstmedikation durch die gemeinsame Veranstaltung von Apothekern und Industrie in der Außenwahrnehmung ein ganz anderes Gewicht, als wenn nur einer der Verbände den Kongress veranstalten würde. Er begrüßt, dass auch Industrievertreter in Darmstadt dabei sind, besteht dort doch die Gelegenheit zum regen Meinungsaustausch mit den Apothekern.

Für die Zukunft empfiehlt Mattmüller den Apothekern, vor allem die eigenen Stärken zu erkennen und auszubauen. Schließlich hat der Apotheker ein sehr gutes Image in der Bevölkerung. Bestimmte Bereiche muss er aktiv nutzen. Das heißt aber nicht, sich darauf zu verlassen, dass sich alles von selbst regelt. Vor allem dürfe er sich nicht ausschließlich auf seine "ethische" Kompetenz zurückziehen: "Das ist zu wenig."

Mattmüller weiter: "Der Apotheker ist auch Unternehmer. Wie jeder Unternehmer kann er wirtschaftlich erfolgreich und weniger erfolgreich sein. Und diese wirtschaftliche Verantwortung, diese unternehmerische Verantwortung, die muss er genauso wie seine klassische Verantwortung wahrnehmen und ausführen. Und da gibt es keinen Widerspruch, keinen Zwiespalt, keinen Dissens zwischen fachlicher und unternehmerischer Kompetenz. Das stellt eine Einheit dar." Ohne unternehmerische Kompetenz könne er seine fachlich-apothekerliche Kompetenz gar nicht ausüben. Es seien zwei Seiten ein und derselben Medaille. "Der Apotheker vor Ort muss das erkennen – viele haben es schon erkannt, viele aber auch noch nicht. Wenn der einzelne Apotheker diesen Zusammenhang sieht und auch versucht, diesen aktiv umzusetzen, so wird er sich auch in der Zukunft im Konkurrenzumfeld behaupten können".Top

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