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Nur gemeinsam ins Netz

15.05.2000  00:00 Uhr

-Wirtschaft & HandelGovi-Verlag

Nur gemeinsam ins Netz

von Ulrich Brunner, Berlin

Kein Netz ohne DAV und LAV als zentralen Vertragspartner. So lautete die klare Botschaft des stellvertretenden DAV-Vorsitzenden Heinz-Günter Wolf in einem Seminar zu neuen Versorgungsformen während des Wirtschaftsforums in Berlin. Einzelabsprachen bringt die betroffene Apotheke nicht nur in Konflikte mit der Berufsordnung. "„Sucht sich ein Ärztenetz eine Hofapotheke, wird diese auch unweigerlich ausgequetscht wie eine Zitrone, und bald gegen eine neue ausgetauscht!", warnte Wolf.

Netzinitiativen gehen in der Regel von Ärzten aus. Nur selten seien Krankenkassen federführend, berichtete der Referent. Seit die neue Regierung den § 140 zur Integrierten Versorgung im Sozialen Gesetzbuch (SGB) V ergänzte, habe sich der Wildwuchs noch verstärkt. Die Apotheker stellten sich einer Weiterentwicklung des Systems nicht in den Weg, die flächendeckende und qualitätsgesicherte Arzneimittelversorgung durch freiberufliche und unabhängige Apotheken müsse aber oberstes Ziel bleiben, betonte Wolf.

"Und wie will die beteiligte Krankenkasse denn an ihre Daten kommen, wenn der zuständige Landesapothekerverband nicht zentraler Vertragspartner bleibt?" fragte er. Sei der LAV beteiligt, könnten Kassenärztliche Vereinigung und GKV zeitnah mit Verordnungsdaten versorgt werden. Es ließe sich auch wesentlich leichter ein gemeinsamer heilberuflicher Notdienst organisieren. "Diensthabende Apotheker und Ärzte treffen sich bei Bedarf am Krankenbett", beschrieb Wolf.

Aber auch eine qualitätsgesicherte und preisgerechte Arzneimittelversorgung lässt sich laut Wolf zentral wesentlich einfacher realisieren. Eine Arzneimittelkonferenz könne unter ökonomischen aber auch wissenschaftlichen Aspekten die geeigneten Präparate auswählen. "Schließlich haben die Ärzte einen Anspruch auf pharmazeutische Beratung", betonte er. Durch eine entsprechende Aut-idem-Regelung müsse der Apotheker dafür verantwortlich sein, Generikabereich nach wirtschaftlichen und pharmazeutischen Gesichtspunkten auszuwählen. Beim Arzt bleibe die Verantwortung für die Mengenkomponente, dem Apotheker müsse man aber die wirtschaftliche Verantwortung für die Struktur auferlegen, so Wolf.Top

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