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Asta Medica soll dieses Jahr verkauft werden

16.04.2001  00:00 Uhr

Asta Medica soll dieses Jahr verkauft werden

von Erdmuthe Arnold, Frankfurt am Main

Geht es nach der erklärten Absicht der Konzernmutter Degussa, wird es künftig den Namen Asta Medica nur noch für einen der neu strukturierten vier Pharma-Geschäftsbereiche geben. Das seit Mai 2000 konsequent durchgeführte Restrukturierungsprogramm (die PZ berichtete in Heft 47/00, Seite 70) bescherte dem traditionsreichen deutschen Unternehmen außerordentliche Aufwendungen von 89,1 Millionen Euro.

Allerdings ging dies einher mit erheblichen Wertsteigerungen, sagte Vorstandsvorsitzende Bernd W. Aundrup in der Bilanzpressekonferenz am 10. April. Dieses Jahr rechnet das international ausgerichtete Pharmaunternehmen mit zahlreichen ausländischen Niederlassungen und Beteiligungen mit hohen Einnahmen aus Veräußerungen. So wurde einen Tag nach der Bilanzpressekonferenz der Verkauf der 27,72 Prozent Anteile an der German Remedies an das indische Pharmaunternehmen Zydus Cadila bekannt gegeben. Aus dieser Transaktion, einschließlich Übertragung mehrerer Produkt- und Lizenzrechte, vereinnahmt Asta Medica jetzt 47 Millionen Euro.

Verhandlungen zum Verkauf beziehungsweise zur Weiterführung der AWD Pharma GmbH & Co. KG, Dresden, laufen bereits. Mit 665 Mitarbeitern tätigt sie einen Umsatz von 120 Millionen Euro. Die auf die Märkte Deutschland, Mittel- und Osteuropa ausgerichtete AWD entwickelt, produziert und vertreibt patentfreie Arzneimittel mit eigenem Markennamen und ist Lohnhersteller. Die Produktpalette umfasst neben Präparaten für Herz-Kreislauferkrankungen, Erkrankungen des Zentralen Nervensystems und Schmerz auch Präparate von Asta Medica, wie etwa Katadolon. Die Forschung der AWD soll mit rund 120 Mitarbeitern noch 2001 in eine eigenständige Gesellschaft ausgegliedert werden.

25 Millionen Euro investierte die AG in den neuen Geschäftsbereich Asta Medica Onkologie, Frankfurt am Main und Halle/Westfalen. Gebaut wird eine moderne Anlage für die Sterilkristallisation zur Herstellung parenteraler Zytostatika. Sie soll im vierten Quartal 2001in Betrieb gehen. Mit Onkologika erlöste Asta Medica 155 Millionen im Jahr 2000. Holoxan, Endoxan und Uromitexan waren mit mehr als 50 Prozent am Umsatz beteiligt. Sehr gute Wachstumsperspektiven sieht Aundrup für dieses Geschäftsfeld ab dem Jahr 2004, so mit Glufosfamid, Mafosfamid sowie für die lizenzierte Substanz BNP7787, einem Chemoprotektivum gegen häufig vorkommende ernste Nebenwirkungen während der Behandlung von Krebspatienten mit Taxanem und Platin.

Die größte Aktivität entfaltete der neue Geschäftsbereich Health Products im Jahr 2000. Er setzte mit 2600 Mitarbeitern 490 Millionen Euro um. Dieser Bereich hat sich von der Forschung getrennt und konzentriert sich auf Lizenzgeschäfte und Kooperationen, um einen beständigen Innovationsfluss zu gewährleisten, so Aundrup. Entwickelt wird an den Standorten Frankfurt, Dresden und Boston. Als vielversprechende Wirkstoffe wurden genannt: das Antiepileptikum Retigabine und Loteprednol zur Langzeitbehandlung und Prophylaxe allergischer Rhinitis. Zum Portfolio gehören Präparate gegen Atemwegserkrankungen, Allergien, Schmerz oder Stoffwechselerkrankungen. Gemäß einer Meldung vom 17. April hat Health Products mit Aventis aktuell vereinbart, die Entwicklung des Antidiabetikums Dexlipotam gemeinsam voranzutreiben. Es befindet sich in Phase II der klinischen Prüfung. Asta Medica erhält hierfür eine signifikante Abschlagszahlung sowie weitere Folgezahlungen. Beide Unternehmen erwarten hohe Einnahmen mit Dexlipotam.

Trotz der Verkaufsabsicht des Pharmabereichs wurde ein viertes Geschäftsfeld, die Zentaris AG, eingerichtet, an der die Degussa-Gruppe 97 Prozent hält; die restlichen 3 Prozent werden von Wissenschaftlern gehalten. In diesem Geschäftsfeld wurden laut Aundrup die Tumorforschung, Forschung und Entwicklung peptidischer Wirkstoffe sowie der Gen- und Zelltherapie zusammengefasst. Die Zentaris-Tochter Sofotec befasst sich mit innovativen Inhalationstechnologien. Wie die Frankfurter Rundschau am 10. April berichtete, ist in Zentaris die MainGen Biotechnologie aufgegangen, die zur Hälfte im Besitz der FrankGen Biotechnologie aus dem "Dunstkreis der Goethe-Universität" stammt.

Doch auch die Zukunft von Zentaris ist ungewiss. Wer weiß, vielleicht veranlasst gerade dieser neue Geschäftsbereich die Degussa, Asta Medica mit Unterstützung von finanzkräftigen Investoren zumindest in Teilen an die Börse zu bringen. Mitte der neunziger Jahre wurde der Börsengang immer wieder heftig diskutiert. Auf Veräußerung und Übernahme hat sich der dreiköpfige Vorstand der Asta Medica eingestellt. Zuständig für die drei zuerst genannten Geschäftsbereiche sind Dr. Bernd Kastler (AWD), Bernd W. Aundrup (Asta Medica Onkologie) und Dr. Markus Peterseim (Health Products).

 

 

Asta Medica in Zahlen

in Mio. Euro

2000

1999

Umsatz

764,6

784,1

Konzernverlust

 72,6

 14,7

Eigenkapital

 93,7

 168,4

 

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