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Ein Unternehmen in Aufbruchstimmung

07.04.1997
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-Wirtschaft & Handel

  Govi-Verlag

Ein Unternehmen in Aufbruchstimmung

Firmenportrait

  "Die Arbeit macht einfach Spaß", sagt Dr. Thomas Strüngmann, Vorstandsmitglied der Hexal AG, Holzkirchen. Das merkt man dem 47jährigen Diplom-Kaufmann an. Mit Begeisterung erzählt er von dem Aufbau des Pharmaunternehmens. Zusammen mit Zwillingsbruder Dr. med. Andreas Strüngmann gründete er vor elf Jahren die Hexal Pharma GmbH. Die Brüder hatten sich zum Ziel gesetzt, hochwertige Generika innovativ und zu günstigen Preisen herzustellen. Damit erobern sie seit 1986 den Markt - mit Erfolg, wie sich jetzt zeigt.

Bereits 1989 konnte in Holzkirchen die Produktion auf einem neu erschlossenen Areal von 15 000 Quadratmetern aufgenommen werden. Schon zwei Jahre später wurde eine Erweiterung der Betriebsanlagen erforderlich. 1995 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Inzwischen gibt es zahlreiche Tochterfirmen, die zur Hexal-Gruppe gehören.

Erfolg durch Innovation

Mittlerweile weicht das Pharmaunternehmen von seiner ursprünglichen Ausrichtung ab. Angesichts der Prognose, irgendwann werde der Generikamarkt in Deutschland nicht weiter wachsen können, wagt sich Hexal auch in fremde Bereiche vor. Innovation heißt die Devise, die den Erfolg weiter vorantreiben soll. Nach Angaben der Firmenleitung nimmt Hexal mit rund12 Prozent eine Spitzenposition ein, was die Investition in Entwicklung und Zulassung im Verhältnis zum Umsatz betrifft. Grundlagenforschung können, so Strüngmann, jedoch weltweit nur 10 bis 20 Firmen betreiben.

Entwicklung galenischer Formen

Die Forschungsabteilung des Unternehmens ist beachtlich. Rund 150 der insgesamt 1000 Mitarbeiter sind Wissenschaftler. Ihre Aufgabe ist es, neue galenische Formulierungen zu konzipieren. Ziel ist, die Anwendung und Freisetzung der Wirkstoffe zu verbessern und so für jede Substanz die optimale Form zu finden. Ein wichtiger Aspekt ist das Preis-Nutzen-Verhältnis. So ist ein Pellet sehr viel kostspieliger als eine Matrixtablette. Bietet es keine bedeutenden Vorteile für den Patienten, bleibt man bei der Matrixtablette.

"Wir bleiben in der Apotheke"

Darüber hinaus werden bei Hexal neue Substanzen entwickelt. Während die Aktiengesellschaft bisher hauptsächlich im Bereich der verschreibungspflichtigen Medikamente tätig ist, will sie demnächst ihre Position im OTC-Bereich ausbauen. In Planung ist ein neuartiges Magnesium-Vitamin-Präparat. Trotz der Produktion nicht apothekenpflichtiger Präparate kommt ein Verkauf in Drogerien und Supermärkten für die Holzkirchener Firma nicht in Frage. "Die Hexal AG will ihre Produkte weiterhin nur über die Apotheke anbieten", so Strüngmann.

Auch in Zukunft wird der Generikamarkt ein wichtiges Standbein des Unternehmens sein. Hexal will sich dabei von den typischen Generikafirmen abheben. "Wir werden grundsätzlich nicht alle Produkte bringen, sondern wir wollen möglichst bei den Produkten, die wir bringen, sehr stark sein," erläutert Strüngmann seine Strategie. Einen Schritt in diese Richtung geht das Pharmaunternehmen, indem es eigenverantwortliche Bereiche ausgliedert, die indikationsbezogen spezialisiert sind. So ist heute Samedpharm für den Bereich Selbstmedikation zuständig, Dr. Winzer für Augenheilmittel und Biocur für Phytopharmaka.

Zur Jahrtausendwende an die Börse

1996 erwirtschaftete Hexal in Deutschland einen Umsatz von 550 Millionen DM. Einbrüche befürchtet Strüngmann angesichts der aktuellen politischen Entwicklung. Noch 1993 hat die Aktiengesellschaft von der Gesundheitsreform profitiert. Man habe gespürt, daß die Ärzte seitdem ihre Verordnungen preiswerter gestaltet haben. Dem Hersteller preiswerter Generika kam das gerade recht. Das sieht jetzt anders aus. Der Rückgang der Verschreibungen und die Preiskämpfe der Mitbewerber auf dem Arzneimittelmarkt seit November 1996 seien nicht so leicht zu verkraften. Trotzdem will die Aktiengesellschaft bis zur Jahrtausendwende ihren Umsatz erheblich steigern und zum gleichen Zeitpunkt an die Börse gehen.

Inzwischen ist das Unternehmen international vertreten. In Frankreich gibt es seit 1995 ein Joint-venture mit Sanofi Winthrop, in Italien seit 1996 mit Angelini. In Südamerika hat die Firma ein Joint-venture mit Boehringer Ingelheim. Auch in China und in den USA gibt es Hexal-Tochterfirmen mit eigener Produktion. Nicht zuletzt aufgrund der internationalen Ausrichtung ist die Firmenleitung zuversichtlich, daß sie das gesteckte Ziel zur Jahrtausendwende erreichen wird.

PZ-Artikel von Monika Noll, Holzkirchen
   

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