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Kein süßes Geheimnis

21.02.2000
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-Wirtschaft & HandelGovi-VerlagOFFENSIVE

Kein süßes Geheimnis

von Thomas Bellartz, Frankfurt am Main

Die Reaktionen hätten nicht deutlicher sein können: In Folge der PZ-Berichterstattung über das Internet-Unternehmen Vitago meldeten sich zahlreiche Apothekerinnen und Apotheker und wiesen auf mögliche Gefahren für die Apothekerschaft hin. Doch damit nicht genug. In einer bundesweiten Werbekampagne geht’s nicht nur um Vitago, sondern auch um Kondome und Apotheker.

In Fitness-, Lifestyle- und Wellness-Magazinen wie "Fit For Fun" und "Joy" erschienen kürzlich doppelseitige Anzeigen, die für die Vitago-Homepage werben sollten. Auf beiden Seiten wurde ein Kondom abgebildet. Auf der einen Seite untertitelt mit dem Satz "Ein süßes Geheimnis, das Sie mit dem Apotheker teilen", auf der gegenüberliegenden "Ein süßes Geheimnis" plus Vitago-Internetadresse.

Die Intention scheint ebenso klar wie die Zielgruppe: Die für die sicherlich alles andere als preiswerte Anzeigenkapagne ausgewählten Blätter sprechen durchweg eine jüngere kaufstarke Kundenklientel an. Schwerpunkte der oben genannten Magazine liegen beispielsweise in den Bereichen Fitness, Wellness und Beauty.

Einige Apotheker, die sich bei der PZ meldeten, wiesen darauf hin, dass es in der Anzeige eben nicht eine Kassiererin sei, mit der der Kunde ein süßes Geheimnis teile. Es gehe explizit um den Apotheker. "Das liest sich für mich wie eine Breitseite gegen die Apotheke", reagierte eine Apothekerin aus dem Süddeutschen mehr als sauer.

In einer Stellungnahme gegenüber der PZ hatte der Chef von Vitago noch Anfang Februar "Wir verstehen die Sorgen sehr gut, die sich für viele Apotheker, Hersteller und Lieferanten mit dem Internet verbinden." Adrian Fopp scheint zu wissen, wovon er spricht. In einer Pressemitteilung kündigte das erst vor wenigen Monaten mit Hilfe internationaler Investoren gegründete Unternehmen eine große Launchkampagne an. In der Mitteilung heißt es: "Die von US Web CKS, Hamburg, entwickelte Teaserkampagne ist zunächst für zwei Wochen deutschlandweit in Lifestyle- und Printtiteln geschaltet. Sie hebt vor allem auf die Vorteile des Online-Einkaufs bei Vitago ab."

Interpretiert man als Leser nun die Inhalte der ersten Anzeigenwelle richtig, dann liegen die Vorteile von Vitago wohl in süßen Geheimnissen rund ums Kondom. Keine direkte Antwort gibt die Anzeige freilich auf die sich insbesondere Apothekerinnen und Apothekern stellende Frage, warum explizit vom Apotheker, nicht aber von Drogisten oder anderen Verkaufsstellen von Präservativen die Rede ist. Die Apotheke ist schließlich beileibe nicht der einzige Ort, an dem Kondome gekauft beziehungsweise verkauft werden. Liegt die Apothekerin, die als eine von vielen eine massive Offensive gegen die Apotheke befürchtet, also richtig? Steckt mehr hinter der Anzeigenkampagne?

Wichtig ist bei der Bewertung, dass Vitago nach eigener Aussage die Kooperation mit den Apotheken sucht. Man wolle den Apothekern die Möglichkeit bieten, Vitago als Zugang zum Internet und zum Aufbau einer eigenen Homepage zu nutzen.

Abzuwarten bleibt, ob Apotheker daran überhaupt noch Interesse haben werden, wenn Vitago seine Anzeigenstrategie in der zweiten angekündigten Werbewelle im März fortsetzt. "Schützt empfindliche Haut und empfindliche Geldbeutel", soll nach Vitago-Informationen eine der Copylines lauten, mit denen der Onlineshop dann bundesweit wirbt. Top

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