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Fit for Fusion

24.01.2000
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Fit for Fusion

von Thomas Bellartz, Frankfurt am Main

Man mag zu Bundeskanzler Gerhard Schröder stehen wie man will. Von Fusionen mag er etwas verstehen, zumindest politisch. Und so warnte der Ehrengast bei der Jahreseröffnung der Frankfurter Börse vor allzu heftigem Fusionieren.

Die mahnenden Worte des Sozialdemokraten bleiben wohl insbesondere in der Pharmabranche ungehört. Gleich nach der Fusionsankündigung von Glaxo Wellcome und SmithklineBeecham in der vergangenen Woche (PZ 03/00) ließ das BASF-Management verlauten, man werde die Konzernstruktur ändern. Das Pharmageschäft wird neu geordnet. Analysten vermuten, dass das Unternehmen mit Sitz in Ludwigshafen die Pharmasparte flott machen will und als möglicher Partner einer demnächst anstehenden Anbahnung möglichst attraktiv ist. Als Partner wird die – sich bislang sträubende – Bayer AG gehandelt.

Uneinheitlich bewertet wird indes die Performance der BASF-Aktie. Drei verschiedene Bankhäuser gaben zuletzt drei unterschiedliche Bewertungen des Papiers ab: halten, kaufen, verkaufen – alles dabei. Mit Blick auf das Fusions-Wirrwarr scheinen also auch die Broker reichlich ratlos.

Am Dienstag zerplatzten unterdessen die Fusionspläne des Giganten Procter & Gamble. Der Mischkonzern wollte mit American Home Products (AHP) und Warner Lambert eine Dreier-Liaison knüpfen. Nach drei verhandlungsintensiven Wochen bekam die Öffentlichkeit Wind von der Sache. Procters Kurse purzelten und das Management zog sich eilig zurück.

Schon vor Monaten hatten sich AHP und Warner Lambert zu einem "Merger of equals" – einer Fusion unter Gleichen - entschlossen. Auch diese Partnerschaft platzte, bevor es eine wurde. Der amerikanische Konkurrent Pfizer sprengte die Fusion bereits bei deren Verkündigung mit einem großzügigen Übernahmeangebot an Warner Lambert.

Die Pharmawerte profitierten insgesamt weder von den bis vor wenigen Tagen ständig steigenden Indizes an den Börsen, noch von den Fusionsankündigungen. Trotz guter Zuwachsraten in Umsatz und Rendite geben die Kurse weiter nach.

Eine Fusion scheint – auch wenn im modischen Trend – kein Allheilmittel im Auf und Ab der Aktienmärkte. Gleichwohl ist und bleibt alles möglich; trotz Kanzlerwort.Top

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