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Asta Medica wuchs vor allem im Ausland

20.01.1997
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-Wirtschaft & Handel

  Govi-Verlag

Asta Medica wuchs vor allem im Ausland

  Mit 32 Gesellschaften und Beteiligungen in 28 Ländern hat Asta Medica im Geschäftsjahr 1995/96 (Stichtag 30. September) 61 Prozent des Konzernumsatzes außerhalb Deutschlands erzielt. Während der Umsatz im Inland rückläufig war (minus 2,2 Prozent), stieg er weltweit um 2,7 Prozent auf 1,44 Milliarden DM. Der Ausbau konzentrierte sich insbesondere auf Osteuropa, Asien und die USA.

In der Bilanzpressekonferenz am 14. Januar 1997 präsentierte der Vorstandsvorsitzende Dr. Rolf Kramer das dank dem Auslandsgeschäft gute Ergebnis der Degussa-Tochter. Er beklagte zugleich massiv die unkalkulierbaren Rahmenbedingungen für die Beteiligten im deutschen Gesundheitswesen: "Für die forschende Pharmaindustrie und damit auch für Asta Medica bedeutet jeder Gesetzentwurf und jede KBV-Empfehlung an ihre Vertragsärzte ein Verschieben des pharmapolitischen Rahmens, in dem sie ihre Position definieren und verteidigen muß."

Die Bereitschaft, einige 100 Millionen DM in die Entwicklung eines neuen Wirkstoffes zu investieren, knüpfe sich an die Erwartung, dieses Geld durch den Verkauf des Präparates einschließlich einer angemessenen Rendite zurückzuverdienen. Dies werde durch Positivlisten, Festbeträge und andere Einschränkungen der ärztlichen Verschreibungspraxis immer ungewisser. Kramer hält es für verantwortungslos, medizinische Leistung auf diese Art undifferenziert zu beschränken.

Der Forderung nach möglichst wirtschaftlicher Herstellung der Arzneimittel ist Asta Medica laut Kramer durch strenges Kostenmanagement und eine Neuordnung sowie Konzentration auf die Produktstandorte in Europa begegnet. Dennoch lag das Schwergewicht der Investitionen in Deutschland: So wurde die Fertigung am Standort Künsebeck in Halle/Westfalen ausgebaut, die Wirkstoffproduktion beim Arzneimittelwerk Dresden modernisiert und erweitert sowie in Laborkapazitäten am Standort Radebeul bei Dresden investiert.

14,2 Prozent des Konzernumsatzes oder 195,9 Millionen DM hat Asta Medica für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Das sind 6,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Derzeit befinden sich vier Arzneimittel in der Zulassung, fünf Arzneimittel in Phase drei der klinischen Forschung, fünf in Phase zwei, drei in Phase eins und zehn in der präklinischen Forschung.

AWD behauptete Position in den neuen Bundesländern

Dem Arzneimittelwerk Dresden (AWD) fällt eine nennenswerte Plazierung im westdeutschen Markt schwerer als erwartet. Laut Kramer blieb daher der inländische Arzneimittelumsatz der Tochter mit 189,3 Millionen DM um 3,3 Prozent hinter dem Vorjahreswert. Doch konnte das AWD seine führende Position als Arzneimittelanbieter in den neuen Bundesländern behaupten. Insgesamt erlöste es 305,5 Millionen DM, das waren 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die "fast ausschließlich direkt finanzierten Exporte nach Rußland, dem wichtigsten Auslandsmarkt, konnten um 30 Prozent ausgeweitet werden.

Folge des Minusgeschäfts im Inland wird ein nochmaliger Abbau von 130 Arbeitsplätzen beim AWD sein, das am 30. September des vergangenen Jahres 1616 Mitarbeiter beschäftigte. Überhaupt soll der 60prozentige Anteil der beschäftigten Mitarbeiter in Deutschland zugunsten des Auslands auf 50 Prozent verringert werden.

Geschäfte in Osteuropa werden gebündelt

Vorangetrieben hat Asta Medica die Gründung weiterer Gesellschaften in der Ukraine und dem Baltikum. Im laufenden Geschäftsjahr sollen Repräsentanzen in Kroatien und Slowenien sowie in verschiedenen GUS-Staaten eröffnet werden. In einer zentralen Vertriebsorganisation in Dresden werden seit Oktober 1996 die Geschäfte von Asta Medica, AWD und der Germed Handelsgesellschaft gebündelt, um den Marktauftritt effizienter und konzernweit einheitlich zu gestalten. Im Geschäftsjahr 1995/96 setzte der Konzern in Zentral- und Osteuropa 100 Millionen DM um.

Für Dr. Rolf Kramer war es übrigens die letzte Bilanzpressekonferenz. Die Altersgrenze für die Vorstandsmitglieder ist bei Asta Medica auf Vollendung des 63. Lebensjahres festgelegt. Kramer scheidet im März 1997 aus. Sein Nachfolger ist der derzeitige Geschäftsführer der Zeneca GmbH, Bernd Aundrup, der ab 1. Februar Mitglied des Asta-Medica-Vorstands sein wird.

PZ-Artikel von Erdmuthe Arnold, Frankfurt
   

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