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Zahlen und Fakten zur Pharmazie in Österreich

21.08.2000
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-TitelGovi-Verlag

FIP-KONGRESS

Zahlen und Fakten zur
Pharmazie in Österreich

von Hartmut Morck, Eschborn

Wien ist vom 27. August bis 1. September Gastgeber des Welt-Kongresses der Pharmazie 2000 beziehungsweise des 60. Internationalen Kongresses der Fédération Internationale Pharmaceutique (FIP). Es ist schon Tradition, dass der erste Tag der Veranstaltung ganz im Zeichen des gastgebenden Landes steht. Mit Zahlen und Fakten stellt sich die Pharmazie des Veranstalters Österreich vor. Damit die Leser, die nicht am FIP-Kongress oder an dem Satelliten-Symposium der Österreichischen Apothekerzeitung und der Pharmazeutischen Zeitung teilnehmen können, stellen wir hier die österreichische Apothekenlandschaft in Zahlen vor.

In Österreich versorgen zurzeit 1086 öffentliche Apotheken die rund 8,3 Millionen Einwohner des Landes mit Arzneimittel. Das bedeutet, dass eine Apotheke im Schnitt 7700 Bürger versorgt. Daneben gibt es 20 Filialapotheken, wobei jede öffentliche Apotheke zusätzlich eine Filialapotheke betreiben darf. Sie muss allerdings im Umkreis von vier Kilometern zur Hauptapotheke liegen. Außerdem gibt es in den 329 österreichischen Krankenhäusern 51 Krankenhausapotheken. Das bedeutet, dass nur 15,5 Prozent der Krankenhäuser eine eigene Apotheke hat. Fünf Krankenhausapotheken betreiben gleichzeitig eine öffentliche Apotheke.

Mit dieser Apothekendichte ist nach Ansicht der österreichischen Vertretungen der Apothekerschaft eine flächendeckende Arzneimittelversorgung gewährleistet, zumal sich mehr als die Hälfte der Apotheken auf dem Land und in kleineren Städten befinden und damit die Rolle des Nahversorgers übernehmen. In Jahren von 1990 bis 1999 wurden insgesamt 140 öffentliche Apotheken neu eröffnet, davon 61 in Orten, die bisher keine Apotheke hatten, 39 in Orten mit bereits bestehenden Apotheken und 40 in den Landeshauptstädten. Damit wurde die ortsnahe Versorgung mit Arzneimittel durch Apotheken in der letzten Dekade wesentlich verbessert. Trotzdem gibt es in Österreich noch 987 ärztliche Hausapotheken.

Die relativ moderate Steigerung der Apothekenzahl, zum Beispiel gegenüber Deutschland, lässt sich im Wesentlichen auf die stringenteren Bestimmungen des Paragraphen 10 Apothekengesetz zurückführen. Dort wird festgelegt, dass eine Neueröffnung einer Apotheke nur dann erfolgen kann, wenn Bedarf gegeben ist. Dieser ist nicht gegeben, wenn der Abstand zwischen der neuen Apotheke und den bestehenden Apotheken weniger als 500 m beträgt oder das Versorgungspotenzial bestehender Apotheken infolge der Neuerrichtung absinkt und unter 5500 Personen sinkt. Eine weitere Bedingung für eine Neueröffnung ist, dass in der Gemeinde ein Arzt seinen ständigen Berufssitz haben muss.

Die Mindestgröße der österreichischen Apotheke wird durch die Apothekenbetriebsordnung auf 143 m² festgelegt. Die österreichische Durchschnittsapotheke hat allerdings eine Fläche von 200 m² . Ähnlich wie in Deutschland ist die österreichische Apotheke ein bedeutender Arbeitgeber. 10410 Personen sind in den Apotheken Österreichs beschäftigt, darunter 1156 selbstständige und 2948 angestellte Apotheker. Die restlichen 6306 Personen sind pharmazeutisch-kaufmännische Assistenten oder geprüfte Apothekenhelfer, Personen ohne oder mit anderer Berufsausbildung und sonstiges Hilfspersonal. Die typische österreichische Apotheke hat neben dem Inhaber zwei bis drei angestellte ApothekerInnen, zwei bis drei pharmazeutisch-kaufmännische Assistenten beziehungsweise Apothekenhelfer und zwei bis drei sonstige Beschäftigte. Trotz der leicht steigenden Zahl der Arbeitsplätze ist allerdings auch in Österreich die Arbeitsplatzsituation im Apothekenbereich angespannt. Gab es Anfang Januar 1995 noch 92 offene Stellen für 57 stellenlose beziehungsweise 216 stellensuchende ApothekerInnen, so waren es Anfang diesen Jahres zwar 194 offene Stellen, aber 86 stellenlose beziehungsweise 332 stellensuchende ApothekerInnen.

Der pharmazeutische Nachwuchs wird in Österreich an drei Universitäten ausgebildet: Wien, Graz und Innsbruck. Die Anzahl der eingeschriebenen Pharmaziestudenten betrug im Studienjahr 1998/99 insgesamt 2568. 205 beendeten das Studium 1998/99 mit dem Mag. pharm. Die durchschnittliche Studiendauer beträgt 15,7 Semester.

Laut OECD-Studie betrugen 1997 die gesamten Gesundheitskosten in Österreich 207,7 Milliarden Schilling (29,67 Milliarden Mark). Sie hatten damit einen Anteil am Bruttoinlandsprodukte von 8,3 Prozent. Damit sind die Österreicher kostenbewusster als die Deutschen, die 10,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukte für ihre Gesundheit ausgeben, die Amerikaner sogar 13,9 Prozent. Der Anteil der Arzneimittelkosten betrug 1997 18,9 Milliarden Schilling (2,7 Milliarden Mark). Das entspricht einem Anteil von 9,1 Prozent an den Gesamtausgaben. In Deutschland betrug 1997 der Anteil der Arzneimittelkosten an den Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherungen 12,7 Prozent (1999: 13,9 Prozent). Damit gehört Österreich zu den "Niedrigpreisländern", was durch mehrere Studien belegt wurde.

Die letzte Studie des Industriewissenschaftlichen Institutes an der Wirtschaftsuniversität Wien aus diesem Jahr (IWI 2000), die unter der Leitung von Professor Dr. W. Clement durchgeführt wurde, hat die Apothekenverkaufspreise der 15 EU-Länder miteinander verglichen. Sie zeigte, dass Österreich mit einem Durchschnittspreis von 144 Schilling (20,57 DM) an elfter Stelle in Europa steht, während Deutschland mit 183 Schilling (26,14 DM) an fünfter Stelle rangiert. Schweden führt die Skala mit einem Durchschnittspreis von 223 Schilling (31,86 DM) an. Schlusslicht ist Frankreich mit 88 Schilling (12,57 DM).

Auch beim Pro-Kopf-Verbrauch an Arzneimitteln nimmt Österreich nach den Zahlen von 1998 mit dem zehnten Platz einen hinteren Platz ein. Jeder Österreicher verbrauchte im vorletzten Jahr 19,9 Packungen zu einem Wert von 1786 Schillingen (255 DM), auf Fabrikabgabepreise bezogen. Hier ist allerdings Frankreich Spitze mit 51,5 Arzneimittelpackungen und einem Wert von 3080 Schillingen (440 DM). Deutschland steht bei diesem Vergleich mit 19,3 Packungen und 2326 Schillingen (332,30 DM) auch hier an der fünften Stelle. Der durchschnittliche Europäer verbraucht 24,8 Packungen pro Jahr mit einem Wert von 2126 Schillingen (303,70 DM).

Im Spezialitäten-Informationssystem (SIS) des Österreichischen Apothekerverlages sind Anfang dieses Jahres 11299 Spezialitäten registriert. Davon sind 8135 Mono- und 3164 Kombinationspräparate. 2178 sind rezeptfrei und 9121 rezeptpflichtig, davon dürfen 2752 nicht wiederholt abgegeben werden und 234 sind als Suchtmittel eingestuft. Daneben gibt es 2332 so genannte apothekeneigene Spezialitäten, die nicht im SIS aufgelistet sind.

Die Arzneimittelpreise werden für sämtliche Vertriebsstufen gesetzlich als Höchstpreise geregelt. Anders als in Deutschland werden die Fabrikabgabepreise amtlich festgesetzt durch einen ministeriellen Preisbescheid. Seit 1. September 1999 gibt es zusätzlich die Möglichkeit, den Fabrikabgabepreis an die Behörde zu melden. Wenn innerhalb von sechs Wochen keine Reaktion seitens der Behörde erfolgt, gilt der gemeldete Preis als genehmigt.

Arzneimittel, die von der Sozialversicherung bezahlt werden sollen, müssen auf einer Positivliste, dem Heilmittelverzeichnis, geführt werden. Um auf die Liste zu kommen, muss der Hersteller mit dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger zwecks Aufnahme der Produkte verhandeln. Bei diesen Verhandlungen werden häufig Preise vereinbart, die die genehmigten beziehungsweise gemeldeten Höchstpreise unterschreiten.

Auf der Ebene des Großhandels und der Apotheken gibt es gesetzlich geregelte Höchstspannen: für den Großhandel zwischen 15,3 und 9,1 Prozent. Ab 4500 Schillingen gilt ein Fixbetrag von 450 Schillingen. Für Apotheken wurde die Spanne zwischen 35,5 und 11,1 Prozent je nach Einstandspreis festgelegt. Auch in Österreich sind die Preisaufschläge also degressiv angelegt. Die Apotheken haben den Krankenkassen wie in Deutschland einen gesetzlich vorgeschriebenen Nachlass zu gewähren. Seine Höhe liegt bei durchschnittlich 7,5 Prozent, wobei die Höhe des Nachlasses von der Höhe des Umsatzes der jeweiligen Apotheke mit den Krankenkassen (zwischen 1 und 7,7 Prozent) abhängt. Mit dem 1. April 1995 wurden die Großhandelsspanne beträchtlich reduziert. Von vorher einheitlich 16,7 Prozent auf die oben erwähnte degressive Handelsspanne. Nach dem 1. April 1995 betrug die durchschnittliche Großhandelsspanne nur noch 14,3 Prozent. Zum 1. Februar 1997 wurden erneut die Spannen gekürzt mit dem Ergebnis, das danach die durchschnittliche Großhandelsspanne nur noch bei 13 Prozent lag. Diese Kürzungen wurden zum größten Teil an die Apotheken weitergegeben, was die Ertragssituation der Apotheke dramatisch verschlechtert hat. Außerdem wurden auch die Apothekenspannen im April 1995 und Februar 1997 reduziert.

In Österreich werden auf Arzneimittel 20 Prozent Mehrwertsteuer erhoben, damit liegt Österreich nach Dänemark mit 25 Prozent an zweiter Stelle aller EU-Staaten.

Der Durchschnittsumsatz der Median-Apotheke betrug 1998 19,2 Millionen Schillinge (2,73 Millionen DM). Das Verhältnis zwischen Krankenkassenumsatz und Privatumsatz lag im Schnitt bei 71,1 zu 28,9 Prozent. Das Betriebsergebnis der Medianapotheke wurde für 1997 mit 0,5 Prozent ausgerechnet, 1996 waren es noch 1,4 Prozent. Dies zeigt deutlich, dass die Rentabilität der Apotheken nach der Spannensenkung im Jahr 1997 stark gefallen ist.

Im Jahr 1999 wurden in den österreichischen öffentlichen Apotheken Arzneimittel im Wert von 17,8 Milliarden Schillingen (2,55 Milliarden DM) beziehungsweise 19,3 Milliarden Schillingen minus 7,5 Prozent Kassennachlass auf Rechnung der Sozialversicherungsträger abgegeben. Dafür wurden 44,5 Millionen Rezepte beliefert. Der Durchschnittswert pro Rezept liegt bei 434 Schillingen (72 DM). Durchschnittlich wurden pro Rezept 1,66 Verordnungen beziehungsweise 1,88 Packungen verschrieben. Der Umsatz teilte sich auf mit 1,3 Prozent auf Verbandsstoffe, Geräte, Tees, Heilbehelfe und Nährmittel, 3,4 Prozent magistrale Verordnungen, die in den Apotheke angefertigt wurden, und 95,3 Prozent Arzneispezialitäten.

Wie in Deutschland wird von staatlicher Seite versucht, die Kosten im Gesundheitswesen einzudämmen, die auf Grund der demographischen Veränderung der Gesellschaft stark ansteigen. Auch in Österreich ist es allerdings nicht gelungen, mit Einsparungen im Arzneimittelbereich die Kostenentwicklung in den Griff zu bekommen, da die Arzneimittel knapp 10 Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen ausmachen. Positivliste und staatlich festgelegte Fabrikabgabepreise können also nach den Erfahrungen in Österreich nicht als effektive Steuerungsinstrumente im Gesundheitswesen angesehen werden.Top

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