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Unterschriften gegen Systemveränderung

15.04.2002
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Versandhandel

Unterschriften gegen Systemveränderung

von Thomas Bellartz, Berlin

Der Versandhandel droht. Mit einer bundesweiten Aktion wendet sich die ABDA nun an die Bevölkerung. Zwei Millionen Unterschriften sollen gesammelt und die Öffentlichkeit für den Erhalt der unabhängigen öffentlichen Apotheke mobilisiert werden.

Prophetische Gaben sind nicht nötig, um den Versandhandel mit Arzneimitteln als existenzielle Bedrohung für die deutschen Apotheken und damit auch für die flächendeckende Arzneimittelversorgung in der Bundesrepublik Deutschland einzuordnen. Den Ankündigungen will die Politik nun anscheinend Taten folgen lassen. Zumindest ist dies im Bundesgesundheitsministerium nun die offizielle Lesart. Es wird damit gerechnet, dass Ministerin Ulla Schmidt (SPD) am kommenden Montag nach der letzten Sitzung des Runden Tischs im Gesundheitswesen die politisch gewollte Einführung es Versandhandels verkünden wird. Der Tagungsort Groß-Ziethen bei Berlin wird allerdings nur eine Etappe bei der Einführung oder Verhinderung des Versandhandels in Deutschland. Die deutschen Apothekerinnen und Apotheker, Kammern wie Verbände, pharmazeutische Organisationen und der Großhandel wollen sich geschlossen gegen die Einführung wehren.

Mehr als 21.000 Info-Pakete

Am vergangenen Freitag verließ das letzte der über 21.000 Informationspakete das Deutsche Apothekerhaus in Eschborn. Unter höchstem Zeitdruck und mit enormem logistischen Aufwand hatte die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der ABDA eine Aktion gestemmt, um dem Versandhandel die Stirn zu bieten. Bei ABDA-Pressesprecher Elmar Esser und Projektkoordinatorin Kirsten Kuhl liefen die Telefone heiß. Schließlich gilt es, nun die öffentliche Rückendeckung für die Apotheken zu organisieren.

Die aggressiven PR-Aktivitäten der niederländischen Internetapotheke 0800DocMorris haben dem Versandhandel in Deutschland Tür und Tor geöffnet, einer intensiven Diskussion, oft jenseits der Sachebene, den Weg bereitet. Innerhalb weniger Monate wurde der illegale Arzneiversand salonfähig. Große Medien stimmten in den Chor ein. Dirigiert wurden sie vom früheren Marketingleiter bei DocMorris, Jens Apermann.

Auch wenn nach dem Ausscheiden Apermanns Ruhe um DocMorris eingekehrt ist, sorgen die Krankenkassen dafür, dass das Thema weiterhin in der Öffentlichkeit bleibt. Das hat nicht nur aktuelle, sondern auch historische Gründe. Bereits seit etlichen Jahren fordern die Vertreter der Krankenkassen eine Einführung des Versandhandels mit Medikamenten. Doch mit dieser Forderung standen sie lange Zeit allein auf weiter Flur, auch bei der Politik. So ist auch die Verhinderung des Versandhandels im Jahr 1998 zu verstehen. Einer der prominentesten Gegner einer Versandhandels-Einführung war der damalige Ministerpräsident von Niedersachsen, Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Prozesse gegen DocMorris

Die Kassen haben nicht locker gelassen. Bis heute nicht. Ende vergangenen Jahres schlossen sich mehrere Großkassen und zahlreiche kleinere zu einer Initiative zur Einführung des Versandhandels (PRO Versand) zusammen. Ach wenn seitdem nicht viel von der Initiative zu hören war, sorgte die Aktion für die gewünschte Publizität.

Gegen DocMorris prozessierten viele Apothekerverbände, an der Spitze der Deutsche Apothekerverband (DAV), meist sehr erfolgreich. Auch die Krankenkassen wurden immer wieder von den Gerichten abgestraft, oder auch von den Ordnungsbehörden, wie zuletzt im Fall des BKK-Landesverbandes Bayern. Der Versandhandel mit Arzneimitteln ist hier zu Lande immer noch illegal. Daran ändert zunächst auch das vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg anhängige Verfahren zwischen dem DAV und der niederländischen Internetapotheke nichts. Ob und zu welchem Urteil die Richterinnen und Richter kommen werden, ist völlig ungewiss.

Bis dahin allerdings sind die Bemühungen der Krankenkassen, die gültige Gesetzgebung nach eigenem Gutdünken zu interpretieren und zu umgehen schlicht Gesetzbruch.

Politiker ändern ihre Meinung

Die Befürworter des Versandhandels werden nicht müde, für eine Einführung zu werben. Trotz der Gegenwehr und der vielen Argumente gegen eine Einführung, haben sich zuletzt immer mehr Politikerinnen und Politiker aller Fraktionen auf die Seite der Befürworter geschlagen. Das wird bei den Gegnern als Reaktion auf die massive und positive Berichterstattung in zahllosen deutschen Medien zurückgeführt.

DocMorris und die Krankenkassen profitieren vom prinzipiellen Wunsch der Öffentlichkeit nach Modernisierung und Erneuerung . Das Internet gilt - trotz der vielen Unwägbarkeiten bei seiner Nutzung - als Erfolg versprechende Lösung für die Kostenprobleme in der Arzneimittelversorgung. Türöffner DocMorris gilt bei den Krankenkassen vordergründig als Heilsbringer. Zumindest suggerieren Verantwortliche bei den Kassen, die mit DocMorris Lieferverträge abschließen, dass der Versandhandel nicht nur machbar, sondern auch besser als der bisherige Weg, zudem günstiger und verbraucherfreundlicher sei.

Die Rollen der Krankenkassen als Befürworter und die der deutschen Apothekerschaft und des pharmazeutischen Großhandels als Gegner sind verteilt. Vergleichbar sind sie mit den Rollen von Regierung und Opposition. Der Opposition wird im politischen Geschäft zugestanden, die Regierung offensiv und aggressiv anzugehen und immer wieder vermeintlich bessere Konzepte auf den Weg zu bringen. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob die Konzepte detailliert aufgeschlüsselt und gegengerechnet wurden.

In der Öffentlichkeit hat eine scharfzüngige Opposition - ob sachlich gerechtfertigt oder nicht - ein leichtes Spiel. Regierungen sind wegen des Verdachts des Machterhalts prinzipiell unbeliebt. Die tatsächliche Leistung ist publizistisch nur schwer zu transportieren.

Das erklärt vielleicht ansatzweise die Schwierigkeiten der deutschen Apothekerschaft beim Transport ihrer Positionen in die Medien. Viele Zeitungen und Zeitschriften gehören - ebenso wie die wichtigsten elektronischen Medien - Konzernen an, die vom Internethandel profitieren wollen, bereits etliche Millionen in den Ausbau ihrer Systeme investierten.

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat sich in den vergangenen Monaten immer häufiger für eine Einführung des Versandhandels eingesetzt. Nachdem sie seit ihrem Amtsantritt vor gut 15 Monaten zunächst von einem "regionalen Versandhandel" (sie meinte damit einen nationalen Versandhandel, ausgehend vom Internet) gesprochen hatte, ist sie von dieser Formulierung abgerückt. Wenn, dann sei der Versandhandel nur EU-weit möglich, erkannte man plötzlich im Ministerium.

Initiative Pro Apotheke

Die ABDA hat sich angesichts des drohenden Unheils zu einer bundesweiten Kampagne entschlossen.

Die "Initiative Pro Apotheke", die bereits Mitte März in Berlin vorgestellt wurde, soll mit einer bundesweiten Unterschriftenaktion auf die Problematik des Versandhandels mit Arzneimitteln hinweisen. Wie der Name der Initiative andeutet, geht es nicht darum, irgend etwas oder irgend wen zu verdammen oder anzuprangern. Vielmehr soll die Aktion für den Erhalt der öffentlichen Apotheke eintreten. Denn die ist nach Ansicht der ABDA bei Einführung des Versandhandels akut gefährdet.

Das aus Eschborn an alle Apotheken versendete Informationspaket enthält nicht nur Flyer zur Verteilung an Kundinnen und Kunden in der Apotheke oder Plakate. Elementarer Bestandteil des Pakets ist eine Fachinformation für die Apotheken zum Thema "Versand von Medikamenten". ABDA-Präsident Hans-Günter Friese, der Präsident der Bundesapothekerkammer Johannes Metzger und der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes Hermann S. Keller betonen in ihrem Editorial, dass die öffentliche Apotheke vor einer der bislang größten Herausforderungen und Bedrohungen stehe.

Die Spitzen der deutschen Apothekerschaft befürchten einen kompletten Zusammenbruch des bisherigen Systems, sollte der Versandhandel mit allen europarechtlichen Konsequenzen erlaubt werden. So sei der Fall des Fremd- und Mehrbesitzverbotes sowie die Abschaffung der Arzneimittelpreisordnung eine zwingende Konsequenz der Einführung des Versandhandels Friese, Metzger und Keller sind sich einig: "Das gesamte System der wohnortnahen, flächendeckenden Arzneimittelversorgung durch unabhängige öffentliche Apotheken würde irreversibel vernichtet."

Die ABDA will Schluss machen mit der "intellektuellen Diskussion", die öffentlichen Apotheken könnten problemfrei neben dem Versandhandel existieren. Die Einführung würde das definitive Ende des jetzigen Systems einläuten.

Weiterhin Gespräche im Hintergrund

Die Zeit der Lippenbekenntnisse ist nach Einschätzung aus Eschborn endgültig vorbei. Es gehe um die Zerschlagung des Systems, ausgelöst durch die Forderung der Krankenkassen. Und damit gehe es auch um eine massive Gefährdung von über 140.000 Arbeitsplätzen in den Apotheken. Auch wenn die ABDA weiterhin auf Diplomatie setzen wird, auf Gespräche im Hintergrund wie in öffentlichen Diskussionen, sollen nun Patientinnen und Patienten zu Wort kommen. Von der Unterschrift der Menschen, denen täglich in den deutschen Apotheken geholfen wird, erhoffen sich Apothekerinnen und Apotheker hier zu Lande Unterstützung für ihre politischen Aussagen. Zwei Millionen Unterschriften soll die Aktion in den kommenden Wochen zusammenbringen. Ein großes Ziel.

In vielen Apotheken wurden die Plakate unmittelbar nach Eingang des Paketes in die Schaufenster gehängt, wurden Flyerbox und Unterschriftenlisten positioniert. Letztere sind übrigens über den pharmazeutischen Großhandel nach zu bestellen (Kasten 1). Viele Apothekerinnen und Apotheker zwischen Flensburg und Konstanz, Aachen und Görlitz haben mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Offizin gesprochen, sind auf die Aktion bestens vorbereitet.

 

Nachbestellung Zusätzliche Unterschriftenlisten können beim Pharmazeutischen Großhandel unter Angabe der PZN 2724216 nachbestellt werden. Apotheken können auch für ihre eigenen Fahrzeuge Aufkleber bestellen, und zwar unter PZN 2724222. Zudem kann de Unterschriftenliste auch aus www.abda.de im Internet heruntergeladen werden. Hierfür muss als Kennwort "abda" und als Passwort "abda2001" eingegeben werden. Neben den Listen zum Sammeln der Unterschriften finden sich im Downloadbereich auch Plakate, die Schaufensterstreifen und die Faltbroschüre.

 

Antworten für Kundengespräche

Ein gutes Rüstzeug hat die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der ABDA in ihren Paketen mitgeliefert. So finden sich in der Fachinformation Antworten auf viele Fragen rund um Versandhandel und Internetapotheken. Neben allgemeinen Fragen zum E-Commerce sowie Zahlen, Daten und Fakten zum Arzneimittelversandhandel liefert die ABDA auf mögliche Fragen der Apothekenkunden gleich Vorschläge für deren Beantwortung.

Sehr pointiert ist die Auseinandersetzung mit den Argumenten der Befürworter des Versandhandels und die Beschreibung der Apothekenlandschaft nach einer möglichen Einführung des Versandhandels.

Die Antwort der deutschen Apothekerschaft auf die Herausforderungen der Zukunft und die Versandhandelsdiskussion lautet: Internet mit uns! Seit einigen Monaten können Apothekenkunden bei Interesse bereits Arzneimittel vorbestellen. Unter der Internetadresse www.aponet.de hat die ABDA einen eigenen aufwendigen Webauftritt realisiert, der die Vorbestellung von Arzneimitteln im Internet ermöglicht. Seitdem bewirbt die ABDA auch in der Politik die potenziellen 21.500 so genannten Pick-up-Stellen - die deutschen Apotheken.

Der Unterschied zur Internetapotheke liegt darin, dass der Patient zwar sein Arzneimittel im Internet vorbestellen kann, aber in der Regel immer noch in der Apotheke in seiner Nähe abholt. Die nächst gelegene Apotheke kann er selbst über den Apotheken-Finder suchen oder eine Apotheke seiner Wahl eingeben. Rund 8000 Apotheken haben sich mittlerweile diesem Vorbestellsystem angeschlossen; und täglich werden es mehr. Natürlich bietet aponet.de weitere vielfältige Informationen aus Pharmazie und Medizin, informiert über neueste Entwicklungen. Ehrgeiziges Ziel der Macher von aponet.de: Unabhängigkeit von der Industrie und ein für jedermann zugängliches offizielles Portal der deutschen Apothekerinnen und Apotheker.

Obwohl Krankenkassen, Ministerium und die politischen Parteien intensiv über aponet.de informiert wurden, und die ABDA ihren Ankündigungen schnell Taten folgen ließ, hängt der Versandhandel weiter wie ein Damoklesschwert über der Apothekerschaft. In den vergangenen Monaten wichen auch langjährige Partner von der Seite, sprachen sich nicht mehr so energisch wie noch vor einigen Monaten gegen den Versandhandel aus. Der Industrie scheint der Versandhandel egal zu sein, und auch in den Ärzteverbänden findet sich eher Gleichgültigkeit als Unterstützung. Wirklich betroffen sind am Ende nur die deutschen Apotheken und der Pharmagroßhandel.

Auch Großhandel betroffen

Bei einer Einführung des Versandhandels drohen dem Pharmagroßhandel massive Kundenwegbrüche. Denn der Einführung würden in kürzester Zeit zahlreiche Apothekenschließungen folgen. Für den auf wenige große und einige kleine Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten reduzierten Großhandel wäre dies mehr als problematisch. Eine Strukturveränderung würde auch für manchen Großhändler das Aus bedeuten.

So haben sich die Großhändler der ABDA-Initiative einstimmig angeschlossen. In den nächsten Tagen werden alle Fahrzeuge der deutschen Großhändler mit Aufklebern verziert und werben für den Erhalt der Apotheke. Auch in vielen Einzelaktionen setzen sich die Großhändler ein. So hat die Pharmagroßhandlung Otto Geilenkirchen bei Radiostationen in Aachen und Mönchengladbach zahlreiche Rundfunkspots erworben. In den Trailern wird ebenfalls für die Initiative und den Erhalt der Apotheke geworben. Zahlreiche Kammern und Verbände werben mit Anzeigen für die Initiative (siehe Kasten 2).

 

Anzeigenkampagne Die ABDA schaltet am 20.April, also einen Tag nach der Berliner Pressekonferenz, eine Anzeige auf der Titelseite der Bildzeitung. Auch Kammern und Verbände werben mit regional geschalteten Anzeigen für den Erhalt der Apotheke. AV Sachsen-Anhalt: Volksstimme und Mitteldeutsche Zeitung; AV Thüringen: Allgemeiner Anzeiger; AV Hessen: Hessisch-Niedersächsische Allgemeine, Darmstädter Echo, Frankfurter Neue Presse, Mittelhessische Presse, Oberhessische Presse, Wiesbadener Kurier; AK Schleswig-Holstein: Schleswig-Holsteinische Landeszeitung; LAK Thüringen: Zeitungsgruppe Thüringen

 

Unterschrift in der Alten Oper

Am 20. April findet in der Alten Oper in Frankfurt am Main der Deutsche Apothekerball statt, ausgerichtet von der Anzag. Auf der zweiten Ebene befindet sich ein Stand, der den Mitarbeitern der ABDA zur Verfügung gestellt wurde. Auch hier werden Unterschriften gesammelt. Die Patientenbroschüre findet sich im Ballmagazin und Vorstandschef Horst Trimborn wird auf die Initiative in seiner Begrüßung hinweisen. Am selben Abend wird Trimborn den DAV-Spitzen Hermann S. Keller und Heinz-Günter Wolf die Unterschriften der Anzag-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überreichen.

Pressekonferenz in Berlin

Bundesweit offiziell eröffnet wird die "Initiative Pro Apotheke" am Freitag, 19. April, im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin. Einen Monat nach der Ankündigung der Initiative wird nun mit der Unterschriftenaktion eine öffentlichkeitswirksame Kampagne zum Erhalt der Apotheken in Deutschland aufgelegt. Die klare Ansage der ABDA: Nein zum Versandhandel, Ja zur öffentlichen und unabhängigen Apotheke.

Unweit von Reichstag und Abgeordnetenbüros werden Metzger, Keller und Wolf noch einmal die Positionen der deutschen Apothekerschaft darlegen und klar Stellung gegen den Versandhandel beziehen. Jenseits der reinen Argumentation werden die drei Redner nicht nur die Ziele der Initiative Pro Apotheke erläutern, sondern auch die Unterschriftenaktion einläuten.

Nicht gegen Politik oder Parteien

Wichtig ist den Oberen von ABDA, BAK und DAV, dass sich die Aktion nicht gegen die Politik und schon gar nicht gegen bestimmte Parteien richtet. Dies hat ABDA-Präsident Hans-Günter Friese bereits im März deutlich gemacht. Die Öffentlichkeit soll mobilisiert werden, um eine Einführung des Versandhandels in Deutschland zu stoppen und damit die flächendeckende Versorgung von Patientinnen und Patienten mir Arzneimitteln zu sichern.

Die PZ wird in den kommenden Ausgaben über den Verlauf der Aktion immer wieder ausführlich berichten.

 

Politiker gegen den Versand Im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags ist der Versandhandel nicht unumstritten. Gut für die deutschen Apothekerinnen und Apotheker, dass es auch Abgeordnete gibt, die für den Erhalt des bisherigen Systems eintreten. Darunter ist zum Beispiel Dr. Dieter Thomae. Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag ist bereits in der vierten Legislaturperiode im Plenum. Er wird wahrscheinlich nach der Wahl am 22. September in Berlin weiter politisch mitmischen. Thomae ist ein Gegner von Internet-Apotheken und Versandhandel. Auf zahlreichen Diskussionsveranstaltung hat Thomae auf die Gefahren des Arzneiversandes hingewiesen. Der Liberale befürchtet den Zusammenbruch des Systems und eine schlechtere qualitative Versorgung der Patienten.

Auch Anette Widmann-Mauz hat sich mehrfach öffentlich und in der PZ gegen den Versandhandel mit Medikamenten ausgesprochen. Die junge Abgeordnete der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag wittert erhebliche Gefahren bei einer Einführung des Versandhandels. Die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln müsse weiterhin gesichert sein, fordert Widmann-Mauz. Die jetzt existierenden Strukturen würden durch den Versandhandel zerstört.

Nicht nur bundespolitisch, sondern auch in den Ländern regt sich Widerstand gegen eine schleichende wie abrupte Aufhebung des Versandhandelsverbotes. So hat sich die CSU-Sozialministerin in Bayern, Christa Stewens, zuletzt mit aller Macht gegen den BKK-Landesverband Bayern zur Wehr gesetzt. Der hatte in aller Öffentlichkeit einen Vertrag mit DocMorris unterschrieben und wollte eingereichte Rezepte seiner Versicherten erstatten. Stewens machte den Betriebskrankenkassen in Bayern einen Strich durch die Rechnung.

 

Der Autor

Thomas Bellartz ist Leiter der Hauptstadtredaktion der PZ in Berlin. Zuvor war er seit 1998 Chef vom Dienst der Pharmazeutischen Zeitung und betreute die Sozial- und Wirtschaftspolitik. Seit 1986 arbeitete er für Zeitungen, Zeitschriften und Hörfunk, hospitierte in Deutschland, Großbritannien und den USA. Nach seinem Volontariat bei der Aachener Zeitung entwickelte Bellartz Zeitschriftenformate und betreute die Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen und Verbänden. Zudem unterrichtet er als Dozent angehende Journalisten in Berlin und Frankfurt.

 

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