Pharmazeutische Zeitung online

USA verstärken die Influenzabekämpfung

25.09.2000
Datenschutz bei der PZ

USA verstärken die Influenzabekämpfung

von Karl H. Brückner, Berlin

Die jährliche Impfung gegen Influenza ist die wesentliche Maßnahme zur Reduktion der Folgen von Influenzainfektionen in den USA. Dort wird mit jährlich 20 000 Todesfällen und 110 000 Krankenhauseinweisungen gerechnet. Die Influenz-Schutzimpfung findet deutlich häufiger Anwendung in den USA als in Deutschland.

1999 wurden in den USA rund 85 Millionen Impfstoffdosen eingesetzt. Von 1000 Einwohner waren 1997 in den USA 280 gegen Influenza geimpft, in Deutschland waren es nur 110 (1). Die Durchimpfungsrate der Personen über 65 Jahre betrug 1989 in den USA 33 Prozent. Das ausgegebene Ziel im Jahr 2000, 60 Prozent der Zielgruppe durchzuimpfen wurde bereits 1997 erreicht, als 63 Prozent der über 65-jährigen an der Grippeimpfung teilnahmen. Das neue Ziel des Healthy People 2010–Programms gibt nun eine Durchimpfungsrate von 90 Prozent für die Personen über 65 Jahre vor.

In den USA und in Deutschland wird die Influenza-Schutzimpfung Personen aus Risikogruppen dringend empfohlen. Die Definition der Risikogruppen ist in beiden Ländern ähnlich. Sie umfassen jeweils etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Ganz allgemein wurde die Influenzaschutzimpfung in den USA für Personen über 65 Jahren, in Deutschland ab 60 Jahren empfohlen. In den aktuellen Empfehlungen (2) wird nun die allgemeine Impfempfehlung bereits für alle Personen ab dem 50. Lebensjahr ausgesprochen. Dies stellt die wesentliche Änderung in den neuen, vom CDC herausgegebenen „Recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practises„ dar.

Begründet wird die Aufnahme der Personengruppe der 50- bis 64-jährigen in die primäre Zielgruppe für die allgemeine jährliche Influenzaimpfung damit, dass ein erheblicher Anteil in diesem Alter (24 bis 32 Prozent) eine oder mehrere chronische Zustände hat, die zu einer höheren, influenzabedingten Krankenhaus- und Todesrate führen. Da nur etwa 40 Prozent der Risikopersonen im Alter von 50 bis 64 Jahren mit der Risikogruppenstrategie erreicht wurden, wird die Strategie nun auf eine Altersgruppenzielgebung umgestellt.

Altersgruppenstrategien haben sich als erfolgreicher erwiesen als eine Patientenselektion nach medizinischen Risikodefinitionen. Von den 41 Millionen Personen dieser Altersgruppe in den USA sind bei zehn bis 13 Millionen chronische Risikofaktoren identifiziert. Diese Gruppe wird durch die altersspezifische Strategie nunmehr besser erreicht. Für Personen mit bisher unbekannten Risikostrukturen wird ebenfalls die Zahl der Erkrankungen, der Arztbesuche, die Rate der Arbeitsunfähigkeit und der Antibiotikaverbrauch durch die Impfung wesentlich reduziert. Weiterhin werden diejenigen erfasst, für die eine Impfung aufgrund der Betreuung oder des Zusammenlebens mit Personen mit erhöhtem Risiko empfohlen ist.

Eindringlich weisen die CDC daraufhin, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um Mitarbeiter im Gesundheitswesen über die Vorteile der Impfung und die möglichen Gesundheitsgefahren durch eine Influenzaerkrankung für sie selbst und ihre Patienten aufzuklären. Allen Mitarbeitern im Gesundheitswesen sollte ein leichter, kostenfreier Zugang zur Influenzaimpfung am Arbeitsplatz als Bestandteil der arbeitsmedizinischen Versorgung geboten werden. Die bisher erreichte Durchimpfungsrate von 34 Prozent bei Mitarbeitern des Gesundheitswesens wird in den USA für zu gering gehalten.

Die epidemische Lage und die Gründe für die Impfprävention der Influenza sind in Deutschland vergleichbar, eher noch gravierender als in den USA (3). Die Umsetzung der öffentlichen Empfehlung und eine Vorgabe konkreter, operativer Ziele verläuft in Deutschland jedoch weiterhin viel zu schleppend.

  1. F. Ambrosch and D. S. Fedson: Influenza Vaccination in 29 Countries. An Update to 1997, Pharmacoeconomics, 1999, 16 Suppl. 1: 47-54
  2. MMWR: Prevention and Control of Influenza – Recommendations of the Advisory Committee on Immunization Practises (ACIP), April 14th 2000/49, 1-38
  3. J. F. Hallauer und M. Rohde: Gesundheitliche und ökonomische Auswirkungen der Influenza-Schutzimpfung, Immunologie und Impfen, 1999, 2: 140-145

Anschrift des Verfassers:

Dr. med. Johannes F. Hallauer
Facharzt für Hygiene- und Umweltmedizin
Universitätsklinikum Charité
Gesundheitssystemforschung
Schumannstraße 20/21
10117 Berlin
E-Mail: johannes.hallauer@charité.de  Top

© 2000 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa