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An Ausgabensteigerungen sind Kassen teils selbst schuld

25.09.2000
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An Ausgabensteigerungen sind Kassen teils selbst schuld

von Karl H. Brückner, Berlin

Die Ausgabensteigerungen bei Arzneimitteln haben sich die gesetzlichen Krankenkassen zum Teil selbst zuzuschreiben, meint der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI). „Wer jahrelang bewährte patentfreie Arzneimittel verunglimpft, der darf sich nicht wundern, wenn die Ärzte zunehmend auf neue aber teurere Medikamente ausweichen", erklärte BPI-Hauptgeschäftsführer Dr. Hans Sendler in Frankfurt am Main.

Die Strukturverschiebungen im ersten Halbjahr 2000 machen nach Einschätzung von Sendler klar, dass die vom Betriebskrankenkassen-Bundesverband behaupteten Einsparmöglichkeiten in Milliarden-Höhe „reine Luftbuchungen" sind. Wie berichtet, hatte die BKKen in der vergangenen Woche erneut von entsprechenden Sparpotenzialen gesprochen, die durch den verstärkten Einsatz von Generika und den Verzicht auf angeblich umstrittene Medikamente realisiert werden könnten.

Realität sei jedoch, so Sendler, dass die Marktanteile der patentfreien Präparate - einschließlich der Festbetrags- und „umstrittenen" Arzneien – deutlich zurückgingen. Das Marktforschungsinstitut IMS Health weise für das erste Halbjahr 2000 für alle patentfreien Medikamente zusammen einen Umsatzrückgang um 138,8 Millionen DM (minus 2,5 Prozent) aus.

Nach den IMS-Zahlen gibt es derzeit nur ein wachsendes Segment im GKV-Markt, nämlich die patentgeschützten Präparate. Sie haben zwar gemessen an der Zahl der Verordnungen nur 6,5 Prozent Marktanteil, legten aber beim Umsatz um 406,7 Millionen DM zu, ein Plus von 21,7 Prozent.

Das Wachstum des gesamten GKV-Arzneimittelmarktes um 267,9 Millionen DM (plus 2,4 Prozent) sei damit allein dem Zuwachs der patentgeschützten Arzneien zuzuschreiben, sagte der BPI-Hauptgeschäftsführer.

Die gespaltene Entwicklung lässt sich auch an der Zahl der verkauften Packungen ablesen: Im ersten Halbjahr 2000 sank die Gesamtzahl der verkauften Arznei-Packungen im GKV-Markt um 28,4 Millionen Einheiten (minus 6,3 Prozent) auf 423,1 Millionen; die Packungszahl der patentgeschützten Medikamente stieg um 2,8 Millionen (plus 11,4 Prozent) auf 27,4 Millionen; alle anderen Marktsegmente zusammen verzeichneten dagegen Mengenrückgänge von 31,2 Millionen Einheiten (minus 7,4 Prozent) auf 395,7 Millionen Packungen.

„Die Ausgaben für die vom Patienten zu Recht oft sehnsüchtig erwarteten Innovationen überkompensieren alle zweifelhaften Sparbemühungen bei nicht mehr patentgeschützten Präparaten", stellte Sendler fest. Sein Fazit: Kassen, Ärzte und Politiker müssten zur Kenntnis nehmen, dass der gezielte Einsatz des gesamten Arzneimittelspektrums am ehesten einer wirtschaftlichen Verordnungsweise entgegenkomme. Der weitere Verzicht auf bewährte Arzneimittel werde die Finanzprobleme der Kassen nicht lösen, sondern lediglich die Versorgungsqualität der Patienten verschlechtern. Top

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