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Ärzte gehen auf die Straße

25.09.2000
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Ärzte gehen auf die Straße

von Christiane Berg, Magdeburg

Mit einer Demonstration am 25. September auf dem Magdeburger Domplatz, der regionale Aktionen in Stendal, Dessau, Halle und Wernigerode folgten, begann die gemeinsame Protestwoche der 3500 niedergelassenen Haus- und Fachärzte Sachen-Anhalts gegen eine verfehlte Gesundheitspolitik im Bund und in den Ländern. Nach Meinung der Ärzte werden die gegenwärtigen gesetzgeberischen Vorgaben dazu führen, dass Mitarbeiterinnen entlassen und Praxen endgültig geschlossen werden.

„Es ist drei Minuten vor zwölf„, sagte auf einer Pressekonferenz Dr. Ingolf Heina, Vorsitzender der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) in Sachsen-Anhalt, und warnte vor dem „Aus„ für Arztpraxen. Das Honorarniveau Ost liege bei 77,2 Prozent des West-Niveaus. 20 bis 30 Prozent aller Facharztpraxen seien bereits heute finanziell akut bedroht. Die qualifizierte, flächendeckende ambulante medizinische Versorgung der Bevölkerung sei in Gefahr, so der Urologe, der sich gegen eine Zwei-Klassen-Medizin sowie eine „Zwei-Seiten-der-Elbe-Politik„ verwehrt.

Keine „Zwei-Seiten-der-Elbe-Politik„

Die Haus- und Fachärzte Sachsen-Anhalts fordern die Gleichstellung der medizinischen Versorgungsgebiete in einem geeinten Deutschland im elften Jahr der Wiedervereinigung, die Abschaffung der Budgetvorhaben der Bundesregierung, die zu Ungleichbehandlung und rationierter Zuteilung von Gesundheitsleistungen führt, sowie ein verbessertes Mitspracherecht der Beteiligten (Ärzte) und Betroffenen (Patienten) bei der Verwendung der knappen Mittel im Gesundheitswesen.

Der prozentuale Anteil für die ambulante Versorgung an den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen beträgt im Westen rund 17 Prozent, im Osten knapp 14 Prozent, erläuterte Dr. Burkhard John, Vorsitzender des Berufsverbandes der Allgemeinärzte Sachsen-Anhalt – Hausärzteverband. Gleichermaßen seien die Ausgaben für Medikamente in den letzten fünf Jahren im Westen um 19,7 Prozent, im Osten nur um 7,73 Prozent angestiegen. Dabei liege der Anteil preiswerter Ersatzpräparate im Osten mit 75 Prozent immerhin fünf Prozent höher als im Westen.

Risikostrukturausgleich und Wohnortprinzip

John machte deutlich, dass weitere Sparmaßnahmen zu Lasten der Patienten gehen und verwies auf die bereits heute zu registrierende Minderversorgung von kranken Menschen. Er forderte die Einführung eines bundesweit einheitlichen Risikostrukturausgleichs sowie des Wohnortprinzips bei der Verteilung der Mittel der Krankenkassen. Außerdem plädierte er für die schrittweise Anhebung des Anteils der Ausgaben für die ambulante Versorgung um jährlich ein Prozent bis auf 17 Prozent der Gesamtausgaben der GKV-Ost ab 2000. Top

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