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Immer wieder Qualität

25.11.2002
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Handelsblatt-Kongress

Immer wieder Qualität

von Thomas Bellartz, Berlin

Der Versandhandel von Arzneimitteln sorgt weiter für Gesprächsstoff. So auch zwischen ABDA-Präsident Hans-Günter Friese und dem Vorsitzenden der Gmünder Ersatzkasse (GEK), Dieter Hebel.

Beim Handelsblatt-Kongress „Health 2003“ diskutierten Friese und Hebel Vor- und Nachteile des Versandhandels mit Arzneimitteln. Die GEK zählt zu den heftigsten Unterstützern des Internethandels, erhofft sich Einsparungen in Millionenhöhe.

Doch Friese nutzte einmal mehr die Möglichkeit, um auch im Kreis zahlreicher Fachleute seine Argumente gegen den Versand von Arzneien vorzutragen. Dabei präsentierte der ABDA-Präsident auch das Home-Service-Konzept der Apothekerschaft. Hierdurch werde der hohe Qualitätsstandard bei der Versorgung von Patienten gesichert. Friese bemängelte, dass in der öffentlichen Diskussion die Schwächen des Versandhandels oftmals negiert würden. So fehle grundsätzlich die persönliche Beratung, wenn es um den Kauf von Medikamenten in der Internet-Apotheke gehe. Pharmazeutische Dienstleistungen würden gefährdet, Chroniker vernachlässigt. Immer bestehe das Risiko unerkannter Transport- und Lagerschäden. Die Rosinenpickerei führe zu einer Zerstörung des bestehenden ausgewogenen Systems.

Die Diskussion zwischen Politikern von CDU, FDP und SPD sowie Ärzte-, Kassen- und Pharma-Vertretern zu aktuellen Themen der Gesundheitspolitik wurde kontrovers geführt: Dr. Marlies Volkmer, für die SPD Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung, verteidigte das bestehende System und forderte die Überwindung sektoraler Budgets. „Wir brauchen ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis im Gesundheitswesen.“ Mehr Vernetzung und eine höhere Transparenz sorgten für mehr Effizienz und Qualität, meinte Volkmer.

Annette Widmann-Mauz, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU im Bundestag, hielt entgegen, dass mehr Qualität auch mehr Wettbewerb erfordere. Mit einer Budget-Deckelung sei dies nicht zu erreichen. Zudem müssten auch grundlegende Änderungen des Systems diskutiert werden, zum Beispiel die Abkopplung der Krankenkassen-Beiträge von den Löhnen. Das Hauptproblem der derzeitigen Finanzierung seien die stetig steigenden Ausgaben für Senioren. "Wer hier keine Antwort gibt, betrügt die junge Generation von heute", so Widmann-Mauz.

Einen grundlegenden Umbau des Systems forderte ebenfalls der FDP-Gesundheitspolitiker Dr. Dieter Thomae. Konkret bedeute dies die Festschreibung und Auszahlung des Arbeitgeberanteils, die Reduzierung des Leistungsangebots und die Überprüfung der Härtefallregelung.

Neue Qualität im Gesundheitswesen sei nur mit innovativen Medikamenten zu realisieren, stellte Prof. Dr. Dr. Rolf Krebs, Geschäftsführer bei Boehringer Ingelheim, fest. Und deren Entwicklung koste nun einmal Geld. Ebenso wie der Vorsitzende des Marburger Bundes, Dr. Frank-Ulrich Montgomery, der das Vorgehen der Bundesregierung als unprofessionell bezeichnete, lehnte er eine pauschale Nullrunde ab. Laut Montgomery leide Deutschland eher an einer Umsetzungsproblematik als an einem Mangel an Vorschriften. Wolfgang Schmeinck vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen geht davon aus, dass es in drei bis vier Jahren nur noch 100 bis 150 Krankenkassen geben werde und erläuterte: „Der Markt drängt uns zu Fusionen, weniger die Ministerin."  Top

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