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Expopharm erstmals in Leipzig

28.10.1996  00:00 Uhr

-Deutscher Apothekertag 1996

  Govi-Verlag

Expopharm
erstmals in Leipzig

  Auf dem hoch modern eingerichteten Leipziger Messegelände präsentierte sich dem Fachpublikum - erstmals in den neuen Bundesländern - die größte europäische pharmazeutische Fachmesse Expopharm vom 24. bis 27. Oktober 1996. Eröffnet wurde sie traditionell mit einer Ansprache des Vorsitzenden des Deutschen Apothekerverbandes Hermann Stefan Keller.

481 Aussteller belegten in den Messehallen 2 und 4 knapp 19 000 Quadratmeter mit ihren Ständen. Keller vermerkte erfreut die hohe Beteiligung von Firmen aus dem Ausland. Neben zahlreichen europäischen Ausstellern waren in Gemeinschaftsbeteiligungen acht Firmen aus den USA sowie 13 Firmen aus Mexiko vertreten. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Entwicklung der Märkte Osteuropas wertete Keller die Gemeinschaftsbeteiligung von 13 Firmen aus Ungarn als interessant. Die Werbe- und Vertriebsgesellschaft deutscher Apotheker zählte zu Ende der Messe 18 000 Besucher.

Apothekerliche Kompetenz zur Verbesserung des Systems nutzen

Zu gemeinsamem Handeln „in der bewährten Leistungskette Industrie Großhandel - Apotheke" lud der DAV-Vorsitzende seine Zuhörer ein. Es gelte, den Wert des Arzneimittels für den Patienten zu steigern. Schließlich sei die Arzneimitteltherapie die kostengünstigste Behandlungsmethode. Besorgt äußerte er sich zu den im Rahmen der Gesundheitsreform von der Bundesregierung vorgesehenen strukturellen Maßnahmen, mit dem sich das System selbst regeln soll. Keller meldete erhebliche Zweifel an, „ob dort, wo die Kassen die Zuzahlung nach Stoffgruppen oder Indikationen" gemäß künftigem Neuordnungsgesetz (2. NOG) erhöhen können, der Bogen für die Systemfreiheit nicht überspannt wird. Die Apothekerschaft sei damit nicht einverstanden, da dies zu Lasten der Patienten und der Apotheken gehe.

Keller signalisierte zugleich die Bereitschaft der Apotheker, „verstärkt als kundige Lotsen in der Arzneimittelversorgung zu dienen und so zur Systemsteuerung beizutragen". Zwar habe die Arzneiversorgung in Deutschland ein außerordentlich hohes Niveau zu einem international günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis erreicht, doch könne das System mit einer verstärkten Inanspruchnahme apothekerlicher Kompetenz entscheidend verbessert werden. In jedem zweiten Fall sei die Arzneimittelanwendung durch den Patienten selbst verbesserungswürdig. So belegten Metastudien, daß 5 Prozent aller Krankenhauseinweisungen auf Arzneimittelnebenwirkungen zurückzuführen sind, die zur Hälfte durch eine bessere Patientenführung vermieden werden könnten.

Erneut warb der DAV-Vorsitzende gegenüber den Verbänden der Pharmaindustrie und -Großhändler für die Vorschläge der ABDA zur Modifizierung der Arzneimittelpreisverordnung und der Einführung von festbetragsgruppenspezifischen Festzuschlägen (FF), die bei Bundesgesundheitsminister Seehofer „ein hohes Maß an Sympathie" gefunden hätten. Bislang seien die Apotheken als letztes Glied in der Kette bei den Kostendämpfungsmodellen stets die Leidtragenden gewesen, da diese kumulativ in der Apotheke endeten. Wenig hilfreich nannte Keller die vorgetragenen Horrortrips und Feindbilder: „Wer Distributionswege und PostMed oder ähnliches favorisiert, will doch in Wahrheit den Fortschritt eines qualitätsorientierten Versorgungswegs verhindern. Unsere Vorschläge sind Fortschritt, sie basieren auf den Zeichen der Zeit: Zusammenarbeit mit Ärzten und mehr Verantwortung für den Apotheker. Deshalb wollen wir die zwei entscheidenden Vorschläge politisch durchsetzen."

Keller weiter: „Die Drehung ist unsere Antwort auf Vorschläge zur kompensationslosen Kappung der Apothekenspannen im oberen Preisbereich, die auch von Industrievertretern in das Gesundheits- und Wirtschaftsministerium getragen worden sind. Sie stellt das Mischkalkulationsprinzip der Arzneimittelpreisverordnung wieder auf eine allseits akzeptierte Grundlage. Wer oben kürzen will, muß in den restlichen Preisbereichen kompensieren." Der Wertschöpfungsanteil der Industrie bei den GKV-Ausgaben habe sich seit 1978 von 51 auf fast 56 Prozent erhöht, während gleichzeitig der Apothekenanteil von 28 auf 22 Prozent zurückgegangen und der Anteil des Handels gesunken sei.

Die vielfach mißverstandenen FFs ansprechend, stellte Keller klar, daß durch sie die Preisunterschiede vor allem im generikafähigen Markt geringer werden. Die AMpreisV verstärke heutzutage die Herstellerpreisunterschiede auf Apothekenebene. Die FFs würden diese Amplifikation mildern, da sie auf den durchschnittlichen Apothekeneinkaufspreis in jeder Festbetragsgruppe und nicht auf den individuellen Einkaufspreis angewandt würden. Schon jetzt gebe es Zonen mit Festzuschlägen. Es würde also keine Industriefirma ausradiert und der Standort Deutschland nicht gefährdet. „Unsere Vorstellungen", so der DAV-Vorsitzende, „stellen den einheitlichen Abgabepreis nicht zur Disposition. Eine leicht gedrehte Taxstruktur würde für alle Arzneimittel gelten und auch die FFs würden für alle Arzneimittel mit Festbetrag gelten - es gäbe also keinen gespaltenen Preis.

Artikel von der PZ-Redaktion
   

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