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Halbwahrheiten und schlechter Service

22.09.2003  00:00 Uhr
Arznei-Haus24.de

Halbwahrheiten und schlechter Service

von Daniel Rücker, Eschborn

Ab Januar 2004 dürfen öffentliche Apotheken Arzneimittel versenden. Manche Anbieter können diesen Zeitpunkt offensichtlich nicht mehr abwarten und starten bereits jetzt mit ihrem Angebot. Das Unternehmen Arznei-Haus24.de ist eines der ersten, das den Weg in die Öffentlichkeit sucht. Angesichts der Eile fehlte wohl die Zeit, gesetzliche Vorgaben zu beachten.

In der vergangenen Woche erhielten zahlreiche Gesundheitsjournalisten Post. Mit einer ungewöhnlich aufwendigen Broschüre warb ein Versender für seine Dienste. Arznei-Haus24.de, die nach eigenen Angaben erste Versand-Apotheke Deutschlands, sei billiger und bequemer als öffentliche Apotheken. Wer dort seine Arzneimittel bestellt, müsse keine Rezeptgebühr bezahlen, warb das Unternehmen für seine Leistungen.

Betreiber der Website ist die aha arznei-haus24 Arzneimittelversand GmbH mit Sitz in Hamburg. Das Unternehmen arbeitet mit mehreren Apotheken zusammen und sieht darin die Legitimation, Versandhandel betreiben zu dürfen.

Schon ein flüchtiger Blick auf die Werbebroschüre verrät, dass es das Unternehmen mit der Wahrheit nicht allzu genau nimmt. Der Versandhandel mit Arzneimitteln ist heute noch nicht erlaubt. Die Frage, ob die mit Arznei-Haus24.de verbandelten Apotheken die notwendige Genehmigung für Versandhandel haben, erübrigt sich damit. Außerdem weichen die Preise der im Internet angebotenen Arzneimittel von der noch gültigen Preisverordnung ab – mal nach unten, mal nach oben.

Warum ein Patient seine Medikamente über Arznei-Haus24.de bestellen soll, erschließt sich dem unvoreingenommenen Betrachter nicht. Es ist nur bei einigen Sonderangeboten preiswerter als öffentliche Apotheken und die Ankündigung, die Zuzahlung auf rezeptpflichtige Arzneimittel zu erlassen, wird schnell relativiert: Erst ab 55 Euro kann ein Patient darauf hoffen. Und dann erfolgt eine Verrechnung mit den Versandkosten. Die betragen bei Bestellungen unter 55 Euro satte 3,70 Euro.

Auf Wartezeiten vorbereiten

Die Lieferdauer gibt der Versender mit zwei Tagen an. Fügt aber gleich hinzu, dass man auch mit längeren Wartezeiten rechnen muss. In der weiteren Beschreibung werden die Dinge kompliziert, denn der Versandhändler bezeichnet seine Tätigkeit nun als Kurierdienst. Die Arzneimittel würden in eine öffentliche Apotheke geliefert und von dort per Boten dem Kunden zugestellt. Der könnte die bestellte Ware natürlich auch in der Apotheke abholen.

Spätestens an diesem Punkt fällt auch einem kreativen Beobachter beim besten Willen kein Grund mehr ein, warum man Arzneimittel bei Arznei-Haus24.de bestellen sollte. Direkt in der Apotheke abholen kann man Medikamente, auch ohne sie vorher bei einer vermeintlichen Versand-Apotheke zu bestellen. Den Botendienst bieten mittlerweile viele Apotheken an und zwar kostenlos. Und auch die Wartezeit von zwei, drei, vier oder noch mehr Tagen ist kein wirklicher Vorteil.

Eine ernsthafte Konkurrenz zur öffentlichen Apotheke ist Arznei-Haus24.de sicher nicht. Obwohl es die Betreiber mit Wahrheits- und Gesetzestreue nicht allzu ernst nehmen, können sie es mit den Leistungen der öffentlichen Apotheken nicht aufnehmen. Für Apotheken eine gute Werbung. Sie sollten die Website Politikern und Kassenfunktionären empfehlen – zur freundlichen Kenntnisnahme und zur Misserfolgskontrolle noch vor dem In-Kraft-Treten des GMG. Top

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