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Partnerschaften im Gesundheitswesen

10.09.2001  00:00 Uhr

FIP-KONGRESS

Partnerschaften im Gesundheitswesen

von Hartmut Morck, Singapur

Knapp 2500 Teilnehmer aus 84 Ländern konnte Dr. Peter Kielgast, Präsident der FIP, zum 61. internationalen Weltkongress der Pharmazeuten in Singapur begrüßen. Der Kongress, der von der Fédération Internationale Pharmaceutique (FIP) zusammen mit der Pharmazeutischen Gesellschaft aus Singapur organisiert wurde, stand unter dem Motto "Praxis mit der Wissenschaft verbinden, um den Horizont zu erweitern".

Die Entwicklungen des letzten Jahrtausends, insbesondere der letzten zehn Jahre, haben dramatische Veränderungen in der Politik und der Wirtschaft gebracht, die sich auch auf das Gesundheitssystem ausgewirkt haben, sagte FIP- Präsident Kielgast in der Eröffnungsansprache. Während der Westen sich positiv entwickelt habe, habe sich die wirtschaftliche Krise vor allem in den Entwicklungsländern negativ auf die Gesundheit und das Gesundheitswesen ausgewirkt. die FIP habe es sich auf die Fahnen geschrieben in Zusammenarbeit mit de Weltgesundheitsorganisation diesem Unterschied entgegen zu wirken,. Alle Mitgliedsorganisationen seien aufgefordert, mit den nationalen Regierungen und Gesundheitsorganisationen Kontakt aufzunehmen, um diesem Ziel näher zu kommen. Singapur sei der geeignete Ort, um die Kontakte zu schaffen: Ein von den Briten geprägter Staat, der Bindeglied zwischen den Entwicklungsländern und der westlichen Welt werden könne.

Unaufhaltsame Globalisierung

Nach Kielgasts Einschätzung ist die Globalisierung nicht mehr aufzuhalten. Sie habe allerdings auch dazu geführt, dass die Arzneimittelpreise in den Entwicklungsländern gestiegen sind. Das Beispiel der Aids-Medikamente habe gezeigt, wohin diese Entwicklung führen kann. Populistisch wurde die pharmazeutische Industrie als Teufel portraitiert, die sich an der Bevölkerung Afrikas und Asien bereichern wolle. Die Industrie sei aber - auch für die FIP - ein wichtiger Partner in diesem System. Deshalb habe man kein Interesse, sie in den Medien unfair behandelt zu sehen. Kielgast bot der International Federation of Pharmaceutical Manufacturers' Associations (IFPMA) die Partnerschaft an, um einen optimalen Nutzen der ökonomischen Ressourcen im Gesundheitswesen zu erreichen. Die Globalisierung sollte nach Meinung des FIP- Präsidenten der Schlüssel zum besseren Leben für Millionen von Menschen sein, die unglücklicherweise in einem Entwicklungsland geboren wurden. Mit den Worten des UN-Generalsekretärs Kofi Annan charakterisierte er die augenblickliche Situation: "Die Armen sind arm, nicht weil es zu viel Globalisierung, sondern weil es zu wenig gibt." Kielgast forderte die Heilberufe auf, unter Kontaktnahme mit der Welthandelsorganisation WTO dem Prozess der Globalisierung ein humanes Gesicht und positive Inhalte zu geben.

Dass Singapur durchaus eine verbindende Rolle zwischen den entwickelten und den Entwicklungsländern spiele kann, zeigte das Grußwort von Lum Hng Kiang, Gesundheitsminister und gleichzeitig stellvertretender Finanzminister von Singapur. Nach dem zweiten Weltkrieg habe sich die Pharmazie in Singapur positiv entwickelt, sowohl in der Ausbildung als auch in der Berufsausübung. Man praktiziere inzwischen klinische Pharmazie. An den beiden Kliniken mit zusammen 2800 Betten arbeiten heute insgesamt 82 Pharmazeuten. Es gebe in Singapur eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern. Apotheker übernähmen eine wichtige Rolle in den nationalen Disease-Management- Programmen, aber auch im Kostenmanagement.

FIP-Generalsekretär Ton Hoek definierte das Kürzel der Internationalen Apothekerorganisation mit der programmatischen Aussage "Focus Is the Patient", die sich auch in dem Kongressprogramm im Zusammenhang mit der Fortschreibung von Pharmaceutical Care widerspiegelte.

Preisträger

Während der Eröffnungsveranstaltung wurden traditionell die Auszeichnungen der FIP-Foundation for Education and Research an Peter V. Rollason aus Zimbabwe und Robert J. Osterhaus aus den USA vergeben. Mit der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung der FIP, der Høst-Madsen-Medaille, wurde in diesem Jahr Professor Dr. Leslie Z. Benet aus San Francisco, vom Department of Biopharmaceutical Sciences an der University of California ausgezeichnet. Benet gilt als einer der Pioniere der Pharmakokinetik weltweit.

Ebenfalls Tradition auf den FIP-Kongressen ist der Empfang der ABDA- Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Im 1920 erbauten Alkaff-Haus mit Blick auf Singapur, konnte ABDA-Präsident Hans-Günter Friese weit über 100 Gäste begrüßen. Mit Blick auf die weltweite Diskussion über den Handel mit Arzneimittel via Internet, ließ es sich Friese nicht nehmen, den Standpunkt der deutschen Apothekerschaft den Vertretern anderer Länder zu erläutern: Die deutschen Apotheker begrüßten das Internet als ein exzellentes Medium für Information und Kommunikation und würden sich aktiv mit unabhängigen Informationen in einem eigenen Portal daran beteiligten. Andererseits lehne die deutsche Apothekerschaft einen Internet-basierten Arzneimittelhandel ab, weil damit Risiken für die Gesundheit der Patienten verbunden sei. Nicht umsonst habe der deutsche Gesetzgeber 1998 ein Verbot des Versandhandels ausgesprochen und liege damit auf der Linie von 12 der 15 EU-Staaten, in denen der Versandhandel mit Arzneimittel ebenfalls verboten sei. Top

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