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AOK-Beratungsapotheker haben Ärzten sparen geholfen

29.05.2000  00:00 Uhr

-Politik

AOK-Beratungsapotheker haben Ärzten sparen geholfen

von Rainer Vollmer, Berlin

Die Krankenkassen haben im vergangenen Jahr unerwartete finanzielle Einsparungen registriert: Das Arzneimittelbudget von 34 Milliarden DM wurde insgesamt bundesweit um 500 Millionen DM unterschritten. Nur acht von 23 Kassenärztlichen Vereinigungen mussten ein Überschreiten des Budgets von 410 Millionen DM hinnehmen.

Mitgewirkt an diesem positiven Ergebnis haben offenbar auch 100 Beratungsapotheker des AOK-Bundesverbandes. Die niedergelassenen Ärzte können sich von ihnen pharmazeutisch beraten lassen, um bei den Verordnungen Geld zu sparen. Die Kosten der Verordnungen nach einer Beratung sanken um 2,8 Prozent, das machten Einsparungen von 7000 DM je Arzt aus. Dagegen stiegen die Ausgaben bei den Ärzten im gleichen Bezirk, die keine Beratung erhielten, um 4,6 Prozent an. Ein Einsparpotenzial von 700 Millionen DM sei möglich.

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Arzneimittel im ersten Quartal dieses Jahres sind gegenüber dem Vergleichszeitraum 1999 insgesamt um 2,4 Prozent angestiegen. Das wären immerhin fast doppelt so viel, wie das Budget dieses Jahres zulässt: 1,4 Prozent sind gesetzlich festgeschrieben.

Damit ist der AOK-Bundesverband aber immer noch nicht zufrieden. Er meint, dass mehr Geld bei Arzneimitteln eingespart werden könne, nämlich 7,4 Milliarden DM. So könnten konsequent teure Produkte durch Generika ersetzt werden (2,4 Milliarden DM). Durch Substitution teurer, aber nicht wirklich besserer Analogpräparate ließen sich weitere 2,3 Milliarden DM einsparen. Schließlich könnten für 2,7 Milliarden DM so genannte umstrittene Arzneimittel wegfallen.

Der AOK-Bundesverband nennt Beispiele: Teurere Angiotensin-Rezeptorantagonisten würden bei 25 Prozent der Verordnungen verschrieben, obwohl sie nur in zehn Prozent der Fälle indiziert seien. Der Arzt könne ja, so die Auffassung der Kassenvertreter, zu Anfang der Therapie preisgünstigere Arzneien verordnen und in Kauf nehmen, dass zum Beispiel die Nebenwirkung Reizhusten bei diesen zehn Prozent der Patienten auftrete. Erst dann könnte die Medikamenten-Umstellung erfolgen.

Venenmittel sollten durch preiswertere Kompressionsstrümpfe ersetzt werden. Die Klage von Ärzten und Pflegediensten, dass Patienten wegen körperlicher Gebrechen oft keine Möglichkeit haben, diese Strümpfe anzuziehen, werden als Einzelfälle abgetan.

Die Tagestherapiekosten sollen in Zukunft eine weitere Kosteneinsparung aus Sicht der Krankenkassen bringen. So gebe es bei Trombozytenaggregationshemmern einen Preisunterschied von 5,69 DM bis 0,05 DM Tagestherapiekosten. Bei Antidepressiva liege der Unterschied zwischen 3,63 und 0,80 DM. Bei Antibiotika sei sogar ein Unterschied von 12 DM zu 0,64 DM feststellbar.

Rund 630 Millionen DM Einsparpotenzial gebe es allein bei 20 häufig verordneten Wirkstoffen auf dem Generikamarkt, wenn eine Substitution zum günstigsten Tagestherapiepreis stattfinde. So variierten die Tagestherapiekosten im Captopril-Markt zwischen 0,56 DM in der KV Südbaden und 0,71 DM in der KV Hamburg. Top

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