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Bald weniger Arzneimittel rezeptpflichtig

13.05.2002
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Großbritannien

Bald weniger Arzneimittel rezeptpflichtig

von Arndt Striegler, London

Britische Arzneimittelhersteller haben überrascht auf die Ankündigung des Londoner Gesundheitsministeriums reagiert, innerhalb der nächsten fünf Jahre bis zu 50 bislang verschreibungspflichtige Arzneimittel aus der Rezeptpflicht zu entlassen.

Im Gespräch sind sogar Indikationen wie koronare Herzkrankheiten und arterielle Hypertonie. Großbritannien gilt schon heute als "Weltmeister in Sachen Switching". Die Zulassungsbehörde Medicines Control Agency (MCA), die solche Statusänderungen für national zugelassene Arzneimittel absegnen muss, rühmt sich, die Bearbeitungszeiten für entsprechende Anträge in den vergangenen Jahren auf sechs bis acht Monate halbiert zu haben.

Wie der stellvertretende Gesundheitsminister Lord Hunt vor Journalisten in London ankündigte, gehe es nicht darum, die Verschreibungskosten des National Health Service (NHS) zu drücken. "Vielmehr geht es uns darum, Patienten den Zugang zu Arzneimitteln zu erleichtern." Neu aus der Verschreibungspflicht entlassene Medikamente seien nach wie vor auch auf ärztlichem Rezept erhältlich. Die Patienten sollen aber die Wahl zwischen Rezept und freiem Erwerb haben, sagte Hunt. Das erspare dem Hausarzt wertvolle Zeit, die er mit anderen Aufgaben zum Wohle des Patienten nutzen könne. Parallel dazu prüft das Gesundheitsministerium derzeit, speziell ausgebildeten Praxishelferinnen und Krankenschwestern eine limitierte Verschreibungsbefugnis einzuräumen.

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre wurden in Großbritannien nach Angaben der Association of British Pharmaceutical Industry (ABPI) rund 50 vormals verschreibungspflichtige Arzneimittel freigegeben. dabei handelte es sich überwiegend um Arzneimittel zur Behandlung leichterer Leiden, wie Kopf- und Zahnschmerzen, Heuschnupfen, Husten und Erkältung. Mit einiger Sorge wird das Ansinnen verfolgt, weitere Indikationen aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Für ABPI-Direktor Trevor Jones besteht die Gefahr des Arzneimittelmissbrauchs. So würden etwa würden bei Antibiotika schneller neue Resistenzen geschaffen. Top

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