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BPI registriert keinen Boom bei Selbstmedikation

17.03.1997  00:00 Uhr

-Politik

  Govi-Verlag

BPI registriert keinen Boom bei Selbstmedikation

  Obwohl dem Selbstmedikationsmarkt seit Jahren beste Wachstumschancen gegeben werden, blieb der Zuwachs auch in diesem Jahr hinter den Erwartungen zurück. Vor allem das vierte Quartal 1996 sei unbefriedigend verlaufen, hieß es auf der Mitgliederversammlung der Fachabteilung Selbstmedikation des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie am 12. März in Frankfurt.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI) kauften die deutschen Verbraucher im vergangenen Jahr Selbstmedikationspräparate für 8,6 Milliarden DM. Das bedeutet ein Plus von 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei der Bereitschaft, Medikamente ohne Rezept zu kaufen, sei nach wie vor ein deutliches Ost-West-Gefälle zu verzeichnen, sagte Dr. Dagmar Walluf-Blume, Referat Selbstmedikation beim BPI. Die Westdeutschen gaben für selbstbezahlte Arzneimittel immerhin 7,3 Milliarden DM aus.

Hauptgrund für das geringe Marktwachstum ist nach Erkenntnissen des Verbandes der starke Umsatzrückgang im letzten Quartal 1996. Der Einbruch im GKV-Markt habe keine Kompensation im SM-Markt bewirkt, sondern zu einer geringeren Kundenzahl in den Apotheken geführt. Deshalb seien auch weniger SM-Präparate von den Kunden gekauft worden. Das Minus im vierten Quartal habe bei 4 Prozent gelegen, führte Walluf-Blume aus.

Inklusive der verordneten Packungen wurden 1996 16,75 Milliarden DM mit rezeptfreien Arzneimitteln umgesetzt. Das bedeutet ebenfalls ein Wachstum von 3 Prozent. Ein Mengenwachstum hat es im vergangenen Jahr nicht gegeben. Insgesamt wurden nach BPI-Angaben 1,052 Milliarden Packungen rezeptfreie Arzneimittel verkauft, soviel wie im Vorjahr.

Sie warnte davor, rezeptfreie Arzneimittel grundsätzlich aus der Erstattungsfähigkeit herauszunehmen. SM-Präparate seien mit einem durchschnittlichen Packungspreis von 12,60 DM rund 50 Prozent preiswerter als rezeptpflichtige Arzneimittel. Angesichts der prekären finanziellen Situation bei den Krankenkassen, sei ein völliger Ausschluß aus der Erstattungsfähigkeit nicht tragbar.

Walluf-Blume ließ keinen Zweifel daran, daß der BPI auch für Selbstmedikationspräparate am Vertriebsweg Apotheke festhalten will. Gegen die Konkurrenz der Drogeriemärkte müsse sich der Apotheker mit qualifizierter Beratung und gutem Marketing behaupten, sagte Walluf-Blume weiter. Beim Marketing wolle die Pharmazeutische Industrie die Apotheker in Zukunft noch stärker unterstützen.

Reform bringt Planungssicherheit

Zufrieden zeigte sich Peter Dewein, Mitglied der BPI-Geschäftsführung, über den jüngsten Richtungswechel bei der Gesundheitsreform. Statt einer rücksichtslosen Sparpolitik werde jetzt versucht, den Wachstumsmarkt Gesundheit zu sichern. Die neuen Zuzahlungsregelungen brächten dringend benötigtes Geld in das Gesundheitssystem. Die neuen Zuzahlungsregelungen seien so gut wie beschlossen. An eine neuerliche Abkehr von dieser Strategie glaubt Dewein nicht. Wichtig sei, daß die Reform jetzt zu einem Ende komme. Dies bringe die für alle Beteiligten notwendige Planungssicherheit.

Der BPI-Geschäftsführer rechnet nicht damit, daß der Wegfall des Arzneimittelbudgets zu höheren Arzneimittelausgaben führen wird. Die Richtgrößen werden hier die Rolle des Arzneimittelbudgets übernehmen. Der grundsätzliche Vorteil von Richtgrößen sei jedoch, daß das Morbiditätsrisiko wieder zu den Krankenkassen verlagert wird. Im Gegensatz zum statischen Arzneimittelbudget werden bei der Richtgrößenregelungen steigende Fallzahlen berücksichtigt.

PZ-Artikel von Daniel Rücker, Frankfurt
   

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