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Betrogene Hoffnung durch gefälschte Arzneimittel

10.03.1997
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-Politik

  Govi-Verlag

Betrogene Hoffnung durch gefälschte Arzneimittel

  Mindestens sieben Prozent der weltweit verkauften Arzneimittel sind gefälscht; 1993 soll damit ein Umsatz von rund acht Milliarden DM erzielt worden sein. Während in den Industrienationen die Qualitätssicherung durch Hersteller und Behörden in der Regel gut funktioniert, haben Geschäftemacher in Entwicklungsländern oft leichtes Spiel.

Ohne effiziente Arzneimittelaufsicht und -kontrolle können Medikamente mit zu wenig, fehlendem oder falschem Arzneistoff in den Markt gelangen. Ihr Anteil soll in einigen Ländern Afrikas bis zu 60 Prozent betragen. Grund genug für den German Pharma Health Fund (GPHF), das Thema beim 5. GPHF-Dialog-Forum am 27. Februar in Frankfurt aufzugreifen.

Von der betrogenen Hoffnung sprach der GPHF-Vorsitzende Dr. Reiner Welters, denn Arzneimittelfälschungen sind mehr als ein Kavaliersdelikt, sie sind Verbrechen, da sie bewußt eine Schädigung und sogar den Tod von Menschen in Kauf nehmen. Sie nutzen das Vertrauen der Kranken aus und schädigen wie alle Plagiate Marken und Unternehmen. Knappe finanzielle Ressourcen werden für unwirksame oder gefährliche Mittel ausgegeben. Auch in Europa könnten Versandhandel und Importe das Tor für Fälschungen öffnen, warnte der Moderator Dr. Hartmut Morck.

"Je schwieriger es ist, überhaupt ein Medikament zu bekommen, um so tragischer ist es, wenn es sich als Fälschung erweist. Je schwächer die Kontrollsysteme, um so häufiger und um so plumper sind die Fälschungen", erklärte Agathe Wehrli von der WHO. Die WHO setzt daher vor allem auf die Stärkung der Arzneimittelkontrollsysteme zum Beispiel durch Normen und Richtlinien für Herstellung, Kontrolle und Arzneimittelüberwachung sowie die Schulung des Personals in Arzneimittelbehörden.

Als Hilfsmittel vor Ort bezeichnet Welters ein Projekt des GPHF, das die Arzneimittelkontrolle in den Entwicklungsländern erleichtern soll. Dazu wurden einfache physikalische und chemische Reaktionen sowie dünnschichtchromatographische Methoden zusammengestellt, die die Identitätsprüfung von Arzneistoffen in Fertigarzneimitteln ermöglichen. Das „MiniLab" ist so konzipiert, daß auch angelerntes Personal nach einer Schulung die Analysen ausführen kann. Die Testphase beginnt im Herbst 1997 in Tansania und Namibia; weitere Stationen sind Ghana und Kamerun.

Auf Arzneimittelfälschungen und das GPHF-Projekt wird die Pharmazeutische Zeitung nach Ostern in einem Titelbeitrag eingehen.

PZ-Artikel von Brigitte M. Gensthaler
   

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