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EU-Kommission will Selbstmedikation ausbauen

18.02.2002  00:00 Uhr

EU-Kommission will Selbstmedikation ausbauen

von Christian Lahm, Berlin

Die EU-Kommission kommt mit ihrer seit Jahren favorisierten arzt-gestützten Selbstmedikation in Deutschland kaum voran: Weder bei Ärzten noch bei Politikern findet das Thema sonderlichen Anklang. Die deutschen Selbstmedikations-Hersteller interessiert es zwar, in ihrem Verband gibt es aber unterschiedliche Meinungen dazu.

Das Modell impliziert die Diagnose und die Erstverordnung eines Arzneimittels durch den Arzt. Für die weitere Medikation soll der Patient dass direkt in die Apotheke gehen. Nach Brüsseler Vorstellungen sollen in den nächsten Jahren sogar chronische Erkrankungen wie Diabetes, Migräne oder Asthma im Wege der Selbstmedikation behandelt werden dürfen. Nähere Details zu den Grenzen der Selbstmedikation nennt die Kommission nicht. Voraussetzung sei aber ein klar definiertes und für den Patienten einfach zu behandelndes Krankheitsbild haben. Angesichts der vorgeschlagenen Indikationen eine nicht sehr aufschlussreiche Einschränkung.

EU-weit gibt es trotz der Möglichkeit, Fördergelder zu beantragen, bisher kaum praxisnahe Anwendungspläne. Das geht aus einer IMS-Health-Studie hervor. Einzige Ausnahme ist danach Großbritannien. Dort ist die arzt-gestützte Selbstmedikation als dritter Weg zwischen Selbstmedikation und klassischer Verordnung populär, weil dadurch weniger Kosten anfallen. Denn bei der Bezahlung britischer Ärzte spielt die Zahl der Patientenkontakte - und sei es nur zum Abholen eines neuen Rezeptes - im Gegensatz zu Deutschland eine erhebliche Rolle.

In der Frage, den deutschen OTC-Markt für Therapien gegen Diabetes- oder Asthma freizugeben, ist die Bonner Interessenvertretung der Selbstmedikations-Hersteller gespalten: Während die einen dies für deutsche Verhältnisse als "völlig irrational" einstufen, wird in der Verbandsspitze durchaus mit dem "Ansatz der EU-Kommission" sympathisiert.

Danach sollen für Diabetiker und Asthmatiker Präparate für die Folgeanwendung aus der Rezeptpflicht entlassen werden. Laut IMS-Health-Studie würde dies auch die Patientenvereinigung Deutscher Allergiker- und Asthmabund begrüßen: "Es wäre ein Mehr an Freiheit und Verantwortung". Top

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