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Industrie hält sich zurück

07.02.2005  00:00 Uhr
Arzneimittelpreise

Industrie hält sich zurück

von Daniel Rücker, Eschborn

Die Krankenkassen und das Bundesgesundheitsministerium können bis auf weiteres aufatmen. Der von ihnen befürchtete Ausgabenschub bei Arzneimitteln ist bislang im Rahmen geblieben. Den großen Pharmaunternehmen schadet es nicht.

Offensichtlich haben die Schreckensszenarien der Krankenkassen ihre Wirkung nicht verfehlt. Nachdem sie zum Jahresende 2004 vor einem deutlich zweistelligen Ausgabenzuwachs bei Arzneimitteln in diesem Jahr gewarnt haben, üben sich die Arzneimittelhersteller offensiv in Zurückhaltung. Sie beteuern, das Auslaufen des Preismoratoriums nicht für Erhöhungen genutzt zu haben.

Bereits im Januar hatten sich die großen Generika-Hersteller freiwillig verpflichtet, die Preise für ihre Produkte konstant zu lassen. Nach Angaben des Verbandes der forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) folgen die internationalen Konzerne diesem Vorbild mehrheitlich. Die Preise für patentgeschützte Arzneimittel seien »auf einem Tiefststand«, sagte VFA-Geschäftsführerin Cornelia Yzer. Zum 1. Februar seien lediglich 400 Artikel teurer geworden. Dem stünden 1600 Präparate gegenüber, deren Preis gesunken ist. Yzer: »Der Trend zu stabilen oder sogar sinkenden Arzneimittelpreisen, den wir schon im Januar beobachtet haben, setzt sich auch im Februar fort. Von einer Kostenexplosion oder Preistreiberei kann also keine Rede sein.«

Damit setze sich der Trend aus dem Januar fort. Im ersten Monat des Jahres habe es bereits mehr Preissenkungen als -erhöhungen gegeben. Im Vergleich zum Vorjahrmonat wird es dennoch einen deutlichen Preisanstieg geben. Wegen der Vorzieheffekte aus dem Dezember 2003 war der Umsatz im Januar 2004 dramatisch eingebrochen. Nachdem der Dezember 2004 nach Berechnungen der ABDA um fast 20 Prozent unter dem Vorjahresmonat lag, dürften die Ausgaben im Januar 2005 deutlich über dem Vorjahreswert liegen. Der VFA rechnet mit 14 bis 15 Prozent.

Für 2004 können sich die Kassen über deftige Einsparungen bei Arzneimitteln freuen. Nach Angaben der ABDA haben die Krankenkassen im vergangenen Jahr für Medikamente 20,11 Milliarden Euro bezahlt. Rund 2,5 Milliarden Euro weniger als 2003. Zu ähnlichen Zahlen kommt IMS-Health. Das Unternehmen hat ein Ausgabevolumen von 21 Milliarden Euro und einen Rückgang um 9,8 Prozent errechnet. Gäbe es nicht die Strukturkomponente, lägen die Einsparungen nach Berechnungen der ABDA sogar bei 3,8 Milliarden Euro. Trotz der weitgehend stabilen Arzneimittelpreise, rechnet auch der VFA damit, dass die Kassen in diesem Jahr mehr Geld für Arzneimittel ausgeben müssen. Schuld sind die Strukturkomponente und damit vor allem die patentgeschützten Arzneimittel sowie die Absenkung des Rabattes. Die Kassen koste dies 2,5 Milliarden Euro.

Schaut man auf die Ergebnisse der großen Pharmakonzerne, dann kommen sie trotz ihrer angeblich moderaten Preispolitik ganz gut über die Runden. In den vergangenen Wochen meldeten Sanofi-Aventis, Pfizer, Novartis und Roche Rekordgewinne. An der Spitze lag der Branchenprimus. Der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer erwirtschaftete 2004 sagenhafte 11 Milliarden Dollar Gewinn. Selbst Merck & Co konnte sich trotz der Vioxx-Affäre über einen Jahresgewinn von fast 6 Milliarden Euro freuen. Top

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