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Opposition wird auch 1997 ihrer Linie treu bleiben

Datum 30.12.1996  00:00 Uhr

- Politik

  Govi-Verlag

Opposition wird auch 1997 ihrer Linie treu bleiben

  In der Gesundheitspolitik werden sich die Regierungskoalition und die SPD auch 1997 unversöhnlich gegenüberstehen. Vergeblich appellierte Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer auf der letzten Sitzung des Bundesrates vor der politischen Weihnachtspause an die sozialdemokratische Mehrheit, sich seiner Reformpolitik nicht zu verweigern. Das vom Bundestag bereits gebilligte Erste Neuordnungsgesetz für die Gesetzliche Krankenversicherung wurde von der Länderkammer abgelehnt und an den Vermittlungsausschuß überwiesen.

In seiner Stellungnahme zum Entwurf eines zweiten GKV-Neuordnungsgesetzes übte der Bundesrat scharfe Kritik am gesundheitspolitischen Kurs der Bundesregierung. Durch ihn werde die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zu einer "Versicherung für Gesunde" umgebaut. Für die Sozialdemokraten warnte der hessische Regierungschef Hans Eichel vor der "verhängnisvollen Koppelung" von Beitragssatzanhebungen und Selbstbeteiligung. Eine flexibilisierte Leistungspflicht der Krankenkassen wirke sich zwangsläufig für die Patienten nachteilig aus. Zugleich setzte er sich für ein Globalbudget für alle Bereiche der medizinischen Versorgung ein.

Seehofer verteidigte in der Debatte beide Gesetzesinitiativen. Entgegen einer "Verunsicherungsstrategie" von Teilen der GKV würden weder die häusliche Krankenpflege noch andere Leistungen gestrichen. Kriterien zu Wirtschaftlichkeit und Qualität dürften den Leistungserbringern auch nicht einseitig von den Krankenkassen diktiert werden.

Abgelehnt wurden von den Ländern auch zwei bereits vom Bundestag verabschiedete Spargesetze. Einer verkürzten Lohnfortzahlung für Beamte im Krankheitsfall wurde vom Bundesratsplenum ebenso widersprochen wie einer Budgetierung der GKV-Verwaltungskosten. Lediglich die sechste Novelle zum Arzneimittelgesetz fand eine Mehrheit. Danach können jetzt Zulassungsanträge für derzeit fiktiv zugelassene Medikamente noch bis zum 31. Dezember 1999 zurückgezogen werden. Damit können die entsprechenden Präparate befristet über die Jahrtausendwende hinaus im Handel verbleiben.

PZ-Artikel von Jürgen Becker, Bonn
   

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