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Sachverständigenrat sieht noch Sparpotentiale

04.11.1996  00:00 Uhr

-Politik

  Govi-Verlag

Sachverständigenrat sieht noch Sparpotentiale

  Der Sachverständigenrat der Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen hat nach einjähriger Arbeit den ersten Teil seines neuen Gutachtens abgeschlossen. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen mögliche Konsequenzen der demographischen Entwicklung für das Gesundheitswesen sowie Wirtschaftlichkeitsreserven in der medizinischen Versorgung.

Erneut bekräftigen die Sachverständigen ihre frühere Kritik am Sachleistungsprinzip in der gesetzlichen Krankenversicherung. Ein funktionierendes Wettbewerbssystem im Gesundheitswesen setze Transparenz bei Preisen und Leistungen voraus. Fazit der Experten: Das bisher praktizierte System habe Wirtschaftlichkeitsreserven. Zugleich müssen die Gutachter jedoch einräumen, daß in Ländern mit Kostenerstattungsprinzip die Ausgabenentwicklung nicht automatisch günstiger verläuft. Überraschend stützt der Sachverständigenrat die These, daß ohne eine staatliche oder vergleichbare Vorgabe, etwa budgetierte Gesamtvergütungen, eine kostengünstige medizinische Versorgung kaum zu erreichen sei. Das zeige gerade der weitgehend privatwirtschaftlich organisierte Sektor der Versorgung mit Medikamenten.

Erwartungsgemäß konstatiert das Gremium weitere Sparmöglichkeiten bei der medizinischen Versorgung. Einen Schwerpunkt bildet dabei der diagnostisch-therapeutische Bereich. So seien wesentliche Teile gegenwärtig vorgenommener Röntgenuntersuchungen sowie präoperativer Routineuntersuchungen überflüssig. In Frage stellen die Wissenschaftler in ihrem Bericht an Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer auch den größten Teil bisher vorgenommener Arthroskopien und die Knochendichtemessung.

Im stationären Sektor lassen sich nach Ansicht der Expertengruppe Sparpotentiale durch eine autonome Investitionstätigkeit der Krankenhäuser mobilisieren. Auch bei den Betriebsausgaben sollten die Kliniken verstärkt selbst entscheiden können. Entgegen bisherigen Prognosen weniger dramatisch fallen nach Ansicht der Wissenschaftler die Folgen der demographischen Entwicklung für das Gesundheitswesen aus. Die altersspezifischen Ausgaben der medizinischen Versorgung für alte Menschen würden überschätzt. Notwendig sei eine langfristige, den anstehenden Veränderungen im Altersaufbau der Patienten angepaßte Gesundheits- und Sozialpolitik. Nur so ließen sich gesellschaftspolitische Konflikte vermeiden.

PZ-Artikel von Jürgen Becker, Bonn    

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