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Der DAV schaltet auf grün

27.10.2003  00:00 Uhr

Der DAV schaltet auf grün

von Daniel Rücker, Bad Dürkheim

Der Deutschen Apothekerverband (DAV) hat seine Liebe zu Grün entdeckt. Eine parteipolitische Neuausrichtung ist damit allerdings nicht verbunden. Der Verband will vielmehr mit einem grünen Rezeptformular gewährleisten, dass Ärzte ihren Patienten weiterhin nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel verordnen.

Die DAV-Mitgliederversammlung beschloss am 28. Oktober in Bad Dürkheim einstimmig, das grüne Rezept weiter zu entwickeln. Dabei handelt es sich im Grundsatz um ein Privatrezept, dass in seiner Gestaltung dem GKV-Rezept recht ähnlich ist. Der Arzt kann damit seinem Patienten die Einnahme eines OTC-Arzneimittels empfehlen, allerdings muss der Patient das Präparat in der Apotheke selbst bezahlen.

Mit dem neuen Rezept will der DAV sicherstellen, dass die Patienten auch nach dem 1. April 2004 ihre benötigten nicht verschreibungspflichtigen Arzneimittel weiterhin einnehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt soll die Ausnahmeliste für erstattungsfähige OTC-Produkte erstellt worden sein. Damit fallen die meisten Selbstmedikationsarzneimittel für Erwachsene aus der Erstattungsfähigkeit.

Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes Hermann S. Keller rechnet fest damit, dass Ärzte und Pharmazeutische Industrie das grüne Rezept ebenfalls unterstützen. Erste Gespräche mit dem Bundesverband der Arzneimittelhersteller, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und auch der Bundesärztekammer seien viel versprechend verlaufen.

Barmer Service Apotheke

Auch in einem zweiten wegweisenden Projekt, dass der DAV in Bad Dürkheim auf den Weg brachte, spielt die Farbe grün eine Rolle. Sie ist die Erkennungsfarbe der Barmer Ersatzkasse, die mit dem DAV in dem kommenden Wochen den ersten bundesweiten Hausapotheken-Vertrag abschließen will. Die DAV-Mitgliederversammlung stimmte dem bereits abgestimmten Vertragsentwurf mit großer Mehrheit zu.

Keller und DAV-Vize Gerhard Reichert hoben die große Bedeutung des Vertrages hervor. Nachdem in einigen Bundesländern regionale Vereinbarungen zur Hausapotheke getroffen worden seien, habe der Barmer-Vertrag Pilotcharakter für die Bundesebene. Die Reaktionen anderer bundesweit operierender Krankenkassen lasse erwarten, dass der Vertrag bald Nachahmer finden werde.

Die Vereinbarung zwischen Barmer und DAV „zur Intensivierung der Kooperation bei der qualitätsorientierten Versorgung der Versicherten“, sieht die Einrichtung von Barmer Service Apotheken vor. Im Gegensatz zu anderen Verträgen der Apothekerverbände sind die Apotheken allerdings nicht automatisch im Boot. Sie benötigen eine Teilnahmeberechtigung. Vorher muss sich die Apotheke allerdings für diese Aufgabe qualifizieren.

Wie ABDA-Geschäftsführer Dr. Sebastian Schmitz ausführte, lassen sich die vertraglich vereinbarten Leistungen in zwei Kategorien einteilen: Serviceleistungen, die jede Barmer Service Apotheke unentgeltlich erbringen muss, und spezifische Betreuungsleistungen, die von der Krankenkassen gesondert vergütet werden.

Zu den Basisleistungen zählen unter anderem die Erstellung einer Medikationsliste, die bedarfsgerechte Versorgung der Patienten bis ans Krankenbett sowie Check-up-Leistungen wie die Bestimmung des Body-mass-Index oder des Blutzuckers. Für die individuelle Betreuung der eingeschriebenen Patienten muss die Barmer Service Apotheke jeweils einen festen Ansprechpartner benennen.

Mehr als nur Basisleistung

Die Basisleistungen werden ergänzt durch aufwändigere Betreuungsangebote der Apotheken. So erstellt der Apotheker für seinen Patienten einen Medikationsbericht, in dem alle Auffälligkeiten der Medikation unter qualitativen und ökonomischen Aspekten zusammengestellt werden. Diesen Bericht erhält der Arzt nach schriftlicher Einwilligung des Patienten. Außerdem ist eine intensive Zusammenarbeit bei Disease-Management-Programmen geplant. Die Barmer Service Apotheken sollen die Kasse bei der Rekrutierung von Patienten für die Chroniker-Programme unterstützen und sich an der Betreuung der eingeschriebenen Kranken beteiligen.

Ebenfalls Gegenstand des Vertrages ist eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit für die Barmer Service Apotheke sowie eine Unterstützung der Präventionsaktionen der Kasse „in einem angemessenen Umfang“ durch die teilnehmenden Apotheken.

Neben einer breiten Zustimmung zum Vertrag kam aus der Mitgliederversammlung aber auch Kritik am Verhalten der Barmer. In ihrem aktuellen Mitgliederheft wirbt die Kasse für den Bezug von Arzneimitteln über ausländische Internet-Apotheken. Schmitz sieht darin allerdings keinen Grund, den Vertrag scheitern zu lassen. Im Gegenteil: Die Veröffentlichung zeige, dass es nun höchste Zeit sei, auf die Kasse zuzugehen. Der Vertrag sei die Grundlage dafür, den Barmer-Funktionären zu beweisen, dass deutsche Apotheken mehr können als ausländische Versender. Top

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