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Angebot an Ärzte und Krankenkassen

14.06.1999
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-PolitikGovi-Verlag

GESUNDHEITSÖKONOMIE

Angebot an Ärzte und Krankenkassen

von Daniel Rücker, Düsseldorf

Bei knapper werdenden Ressourcen im Gesundheitswesen drängt sich bei Therapieentscheidungen verstärkt die Frage nach der Kosten-Nutzen-Relation in den Vordergrund. Arzneimittel werden dabei bisweilen zu Unrecht als Kostentreiber diskriminiert, denn in vielen Fällen ist die Arzneimitteltherapie die effizienteste Behandlungsform. Karl-Rudolf Mattenklotz, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein, fordert deshalb nicht am, sondern mit dem Arzneimittel zu sparen.

"Effiziente Arzneitherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Medizin", konstatierte Mattenklotz auf einem gesundheitsökonomischen Symposium der Apothekerkammern Nordrhein und Westfalen-Lippe am 10. Juni in Düsseldorf. Deshalb tragen Arzneimittel, wenn sie richtig eingesetzt werden, dazu bei, die finanziellen Ressourcen zu schonen.

Auch die Ärzte bestreiten nicht, daß bei der Arzneitherapie immer noch einiges im argen liegt. Auf dem Jahreskongreß der klinischen Pharmakologen in Berlin stellte Professor Dr. Jürgen Frölich fest, daß durch genauere Medikamentenverordnungen und eine bessere Ausbildung der Ärzte jährlich 10 000 Todesfälle und 250 000 Fälle schwerer Nebenwirkungen vermieden werden könnten.

Die Apotheker wollen hier ihre Heilberufskollegen unterstützen. Voraussetzung für eine optimale Arzneitherapie ist nach ihrer Einschätzung die Pharmazeutische Betreuung der Kranken. "Es reicht nicht mehr aus, rote und weiße Pillen zur Verfügung zu stellen. Die Apotheker müssen heute mehr leisten", stellte ABDA-Präsident Hans-Günter Friese auf dem Düsseldorfer Symposium fest. Doch leider stoße die Bereitschaft der Apotheker über die Pharmazeutische Betreuung stärker mit den Ärzten zusammenzuarbeiten, nicht immer auf offene Ohren. "Politik und Ärzte gehen zu selten auf unsere Angebote ein", kritisierte Friese.

Dabei hätten die Apotheker einiges anzubieten. Insgesamt 14 Studien laufen zur Zeit in Deutschland, um den ökonomischen und medizinischen Nutzen der Pharmazeutischen Betreuung zu dokumentieren.

Bereits abgeschlossen ist die Asthmastudie in Hamburg, deren Ergebnisse ABDA-Geschäftsführer Professor Dr. Rainer Braun in Düsseldorf vorstellte. Die von einem unabhängigen Institut ausgewertete Studie habe eindeutig gezeigt, daß Asthmapatienten sowohl medizinisch als auch in Bezug auf ihre Lebensqualität eindeutig davon profitieren, wenn Apotheker sie über den richtigen Einsatz der Medikamente aufklären, sie über die Krankheit allgemein informieren und zur Therapietreue motivieren.

Von der Pharmazeutischen Betreuung profitieren nicht nur der Patient, sondern auch die Krankenkassen und die Gesellschaft, bilanzierte Braun. Richtig betreute Patienten müssen seltener ins Krankenhaus eingewiesen werden und fehlen nicht so häufig am Arbeitsplatz. Hier werde mit dem Arzneimittel gespart. Die Ärzte profitieren ebenfalls, denn eine Verbesserung der Therapie steigert auch die Zufriedenheit der Patienten.

Trotzdem beobachten Ärzte die Pharmazeutische Betreuung oft mit Argwohn. Sie unterstellen den Apothekern, in ärztlichem Terrain zu wildern. Deshalb legte Dr. Leonhard Hansen, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, großen Wert darauf, daß Apotheker bei der Pharmazeutischen Betreuung eng mit den Ärzten zusammenarbeiten. Zudem unterstellt er, daß viele Apotheker auf ihre Aufgabe als Betreuer nicht ausreichend vorbereitet sind. Deshalb sollte dies zukünftig in der Apothekerausbildung stärker berücksichtigt werden.

Auch die Krankenkassen haben Vorbehalte. Sparen mit dem Arzneimittel sei schwer, weil nicht feststeht, wo die Kosten sinken. Solange es keiner Regierung gelinge, die Ausgaben im Krankenhaus tatsächlich zu reduzieren, bewirke ein Rückgang der Klinikeinweisungen real keine Kostensenkung, sagte der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen, Wolfgang Schmeinck. Die Pharmazeutische Betreuung könne nur in integrierten Versorgungssystemen zu einer realen Kostensenkung beitragen. "Mit dem Arzneimittel sparen kann man nur, wenn das Geld der Leistung folgt."

Trotzdem führt auch nach Schmeincks Einschätzung mittelfristig kein Weg an der Verbesserung der Arzneitherapie durch Pharmazeutische Betreuung vorbei. "Wir können Untersuchungen wie das Hamburger Asthmaprojekt nicht ignorieren. Da uns selbst nichts besseres einfällt, werden wir uns an solchen Studien beteiligen müssen."

Schmeinck ließ allerdings keinen Zweifel daran, daß auch weiterhin am Arzneimittel gespart wird. Schon das Benchmarking, wonach die drei KV-Bezirke mit den niedrigsten Arzneimittelausgaben als Maßstab für das Arzneimittelbudget genommen werden, werde zu Einsparungen am Arzneimittel führen.Top

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