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Trotz GMG optimistisch bleiben

26.05.2003
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Pharmacon Meran 2003

Trotz GMG optimistisch bleiben

von Hartmut Morck, Meran

Trotz der politisch und ökonomisch außerordentlich schwierigen Zeit konnte der Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), Johannes M. Metzger, knapp 700 Teilnehmer zum 41. Internationalen Fortbildungskurs für praktische und wissenschaftliche Pharmazie der BAK in Meran begrüßen. Sein Appell an die Apothekerinnen und Apotheker: „Optimistisch bleiben, unser Heilberuf ist unersetzbar.“

Mit knapp 700 Teilnehmern, darunter auch Apothekerinnen und Apotheker aus Italien, Österreich, Polen und der Schweiz, konnten die Verantwortlichen für Pharmacon Meran 2003 trotz der trüben Aussichten für die Apotheken mehr Teilnehmer begrüßen als im Vorjahr. Metzger interpretierte die hohe Teilnehmerzahl mit dem Willen der Kollegenschaft, trotz der systemverändernden Planungen der rot-grünen Regierung im Gesundheitswesen sich nicht beirren zu lassen und den Weg der Optimierung der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimittel weiter zu gehen.

Die deutsche Apothekerschaft befinde sich augenblicklich zwischen Bangen und Hoffen. Das Betragssatzsicherungsgesetz (BSSichG) treffe den Berufsstand seit Jahresbeginn in existenzbedrohender Weise. Es sei wieder einmal Beweis dafür, dass die Verantwortung für gesetzwidrige Milliardendefizite bei der Gesetzlichen Krankenversicherung auf die Leistungserbringer geschoben werde. Ob das Gesetz oder Teile des Gesetzes ausgesetzt würden, hinge in erster Linie von dem Verhalten der SPD-Abgeordneten ab, die ihren Protest gegen die ungerechtfertigte Überlastung der Apotheken artikuliert haben.

Die eigentliche Systemveränderung halte allerdings das Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz (GMG) vor. Es sei der Generalangriff auf den freien Heilberuf Apotheker. Es vernichte die inhabergeführte Individualapotheke, aber auch die Krankenhausapotheke in der jetzigen bewährten Form. Ziel der Regierung sei es, das Geschäft von Großunternehmen und ausländischen Unternehmen zu fördern, so die Analyse des BAK-Präsidenten. Er habe mehrmals die politisch Verantwortlichen nach dem Warum gefragt, allerdings nie eine Antwort bekommen.

Mit dem GMG stelle die Bundesregierung die Arzneimittelsicherheit für die Bevölkerung und den Verbraucherschutz hinter wirtschaftliche Partikularinteressen zum offenkundigen Schaden unseres Landes und seiner Bürger.

Am Fortschritt orientiert

Auf die hohe Teilnehmerzahl des Kongresses bezogen, fuhr Metzger in seiner Rede fort: „Unser Berufsstand nimmt seine Verantwortung wahr, wir sind nicht rückwärtsgewandt, wir sind ein dynamischer, am Fortschritt orientierter Beruf.“ Die Einführung der Pharmazeutischen Betreuung und des Qualitätsmanagementsystems seien Beweise dafür, dass der Berufsstand den Einsatz der Arzneimittel optimieren wolle. Die Gesundheitspolitik beschränke sich dagegen auf platte Kostendämpfung, die längst zu einem Qualitätsverfall geführt habe. Leider seien die Vorschläge der Apothekerschaft von der Politik nicht aufgenommen worden. Das GMG zerschlage die Verantwortung der freien Heilberufe und ersetze sie durch Bürokratie. Eine Ideologie, die dem einzelnen Bürger misstraut und nur dem Staatsapparat vertraut. Ein gefährlicher Weg nach Meinung Metzgers.

Dass Krankenkassen als Monopolnachfrager Einzelverträge schließen dürfen, habe mit solidarischem Wettbewerb nichts zu tun. „Sollte der Gesetzentwurf des GMG Gesetz werden, bangen wir um unsere Zukunft, um die Qualität der Versorgung und um den Schutz der Patienten, die als abhängige Verbraucher einem Wirtschaftsoligopol ausgesetzt werden.“

Als Hoffnung formulierte der BAK-Präsident das föderale Prinzip der Bundesrepublik Deutschland. Da durch das GMG auch Interessen der Länder berührt würden, müsse auch der Bundesrat diesem Gesetz zustimmen. „Die Hoffnung ist berechtigt, dass die Kräfte, denen das Wohl des Landes über Ideologien und über die einseitige Förderung von Einzelinteressen geht, das GMG in dieser Form verhindern werden. Wir fördern diese Kräfte, wir geben uns nicht auf, wir fühlen uns im Recht, weil wir damit auch und zuallererst die Interessen der Bürger wahren.“

Dass nicht nur in Deutschland das Gesundheitswesen vor Problemen steht, zeigten die Grußworte des Präsidenten der Apothekerkammer der Provinz Bozen, Dr. Maximin Liebl, der beklagte, die italienische Politik erkenne die Rolle des Apothekers in der Gesellschaft zu wenig an. Außerdem bezeichnete er die Regionalisierung im Gesundheitswesen als großes Problem in Italien. Top

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