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Probleme mit Kinderarzneimitteln

13.03.2000
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-PolitikGovi-Verlag

Probleme mit Kinderarzneimitteln

von Rainer Vollmer, Berlin

In Deutschland gibt es zu wenig für Kinder zugelassene Arzneimittel; bei den meisten Mitteln fehlen Angaben über Dosierungen bei Kindern, beklagte die Unionsabgeordnete Annette Widmann-Mauz im Bundestag. Sie forderte das Bundesgesundheitsministerium auf, Kinderarzneimittel zu fördern.

Die Parlamentarische Staatssekretärin des Ministeriums, Christa Nickels, hat ihrer Ansicht nach den Schuldigen gefunden zu haben: Die Pharmaindustrie würde die Eignung ihrer Medikamente für Kinder aus Kostengründen nicht prüfen; gleiches gelte für kindergerechte Zubereitungen. Allerdings musste sie auch zugestehen, dass im Arzneimittelgesetz hohe Hürden für die entsprechenden Prüfungen aufgebaut seien.

Nickels hatte jedoch auch Vorschläge zur Abhilfe: Das Arzneimittelgesetz könnte generell vorschreiben, dass Medikamente auch darauf hin geprüft werden müssen, ob sie für Kinder geeignet sind. Das Ministerium prüfe derzeit, ob es – wie in den USA – einen verlängerten Patentschutz auf Arzneimittel für Kinder geben soll, damit die anfallenden Entwicklungskosten kompensiert werden.

Weiterhin schlug sie vor, die Verordnung der EU-Kommission zu Orphan drugs durch Bestimmungen für Kinderarzneimittel zu ergänzen. Die EU-Verordnung überlasse es den nationalen Regierungen, bestimmte Fördermittel und Steuererleichterungen zur Verfügung zu stellen.

Ein staatliches Zentrum für Arzneimittelforschung an Kindern will das Ministerium allerdings nicht errichten, obwohl dieses von der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin gefordert werde. Nickels: Ein solches Zentrum ist weder wünschenswert noch machbar.Top

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