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US-Behörde hält Importe für zu riskant

06.10.2003
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FDA

US-Behörde hält Importe für zu riskant

von Daniel Rücker, Eschborn

In den USA sind Versandhandel und Apothekenketten erlaubt. Das Land gilt deshalb vielen Liberalisierern als Vorbild. Dabei wird geflissentlich ignoriert, dass dort der freie Wettbewerb an der Staatsgrenze endet. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist beim Gesundheitsschutz weitaus rigider als Deutschland.

Während in Deutschland der Import von Arzneimitteln gefördert oder zumindest wohlwollend begleitet wird, ist er in den USA bislang verboten. Das gilt auch für den Versandhandel. Ausländischen Versendern bleibt der legale Zutritt zum US-Markt verwehrt.

Der Kongress hält dieses Verbot für nicht mehr zeitgemäß. Die Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) sieht dies anders. Aus Gründen des Verbraucherschutzes will sie unbedingt am Verbot festhalten.

Der Initiative des Kongresses, die Einfuhrbestimmungen für Medikamente zu lockern, erteil die FDA eine klare Absage. Dies würde viele Menschen ermutigen, „mit staatlicher Erlaubnis Arzneimittel zu kaufen, über die es keine staatliche Kontrolle gibt“, sagt FDA-Mitarbeiter William K. Hubbard in der „New York Times“ vom 30. September. Der Import von nicht ausreichend untersuchten Arzneimitteln sei „ein echtes und schweres Risiko für die öffentliche Gesundheit“, pflichtet ihm sein Kollege Mark B. McClell bei.

Die Behörde hatte im Sommer stichprobenhaft von US-Bürgern eingeführte ausländische Arzneimittel untersucht und dabei erhebliche Mängel festgestellt. Wegen der extrem hohen Arzneimittelpreise in den USA kaufen vor allem Senioren immer häufiger Medikamente bei Versandhändlern in Kanada oder Europa. Dort kosten sie oft weniger als die Hälfte.

Viele der eingeführten Arzneimittel seien in den USA nicht zugelassen. Andere Patienten hätten fälschlicherweise Tierarzneimittel gekauft, andere wiederum Medikamente, die in den USA wegen zu starker Nebenwirkungen vom Markt genommen wurden, zitiert die „New York Times“ aus dem FDA-Bericht. Ein weiteres Problem seien Medikamente, die zu wenig Wirkstoff enthielten.

Während die US-Pharmaindustrie die Sorgen der FDA nicht ganz uneigennützig teilt, werfen Kongressabgeordnete der Behörde vor, sie unterstütze die Pharmabranche. Die Behörde schütze die Industrie, nicht die Bevölkerung, so der republikanische Abgeordnete Gil Gutknecht. Er unterstützt die Kongress-Initiative zur Legalisierung von Arzneimittel-Importen. Top

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