Pharmazeutische Zeitung online

Reine Logistik ist zu wenig

03.10.2005  00:00 Uhr
Versandapotheken

Reine Logistik ist zu wenig

von Daniel Rücker, Wiesbaden

Seit Januar 2004 dürfen deutsche Apotheken Arzneimittel versenden. Rund 1260 Apotheken haben eine Versanderlaubnis beantragt. Aber nur zehn bis 20 betreiben das Geschäft im großen Stil. Und auch von denen werden nicht alle die Gewinnzone erreichen.

Eine Lizenz zum Gelddrucken ist der Versandhandel mit Arzneimitteln bislang wirklich nicht: »Heute gibt es noch keine Versandapotheke, die allein mit dem Versandgeschäft profitabel ist«, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Versandapotheken, Dr. Thomas Kerckhoff, bei einer Veranstaltung von Managementforum in Wiesbaden. Kerckhoff rechnet damit, dass nur wenige Versender in absehbarer Zeit die »Todeszone« verlassen.

Im BVDVA haben sich eine Hand voll großer Apotheken zusammengeschlossen, von denen viele zuvor über viele Jahre Impfstoffe bundesweit versendet hatten. Ursprünglich wurde der Verband gegründet, um die Legalisierung des Versands voranzutreiben. Als Versandapotheke reüssieren können nach seiner Einschätzung ohnehin nur große Unternehmen. Damit meint er Versandapotheken mit mehr als 1000 Aussendungen pro Tag, 100 Mitarbeitern und einem Investitionsvolumen von mindestens 5 Millionen Euro. Erst ab dieser Größe könnten Versender Krankenkassen über die reine Logistik hinaus Zusatzangebote machen, sagte Kerckhoff.

Für den wirtschaftlichen Erfolg sei dies aber die Voraussetzung. Kerckhoff: »Reiner Versand ist kein Geschäftsmodell.« Entscheidend seien zusätzliche Dienstleistungen für Patienten, Krankenkassen oder die Industrie. Die müssten so gut sein, dass die Menschen bereit seien, dafür zu bezahlen. Heute gebe es unter den rund zehn industriellen Versandapotheken keine mehr, die allein auf Distribution setze. Dies könnten sich nur die rund 1200 »Nebenerwerbsversender« leisten.

Kerckhoff kritisiert, dass ausländische Versender Wettbewerbsvorteile gegenüber den deutschen Versendern hätten. So dürfe DocMorris Arzneimittel preiswerter anbieten als deutsche Versandapotheken. Der BVDVA-Chef hält mittelfristig eine Harmonisierung der Rahmenbedingungen für dringend notwendig. Kerckhoff als Lobbyist für einige große Versender befürwortet dabei grundsätzlich eine weitere Deregulierung. Allerdings sieht auch er Grenzen. Eine Abschaffung des Apothekenmonopols hält er zum Beispiel für indiskutabel.

Kontinuierlicher Anstieg

Bei allen Schwierigkeiten glaubt Kerckhoff dennoch an einen kontinuierlichen Anstieg des Versandumsatzes. Damit liegt er auf einer Linie mit Dr. Martin Schloh von Roland Berger. Der rechnet mit einem Versandanteil von 5 bis knapp 8 Prozent im Jahr 2010. Entscheidend für das Wachstum sei, in welcher Ausgestaltung die Elektronische Gesundheitskarte eingeführt wird. Erlaube sie die gezielte Steuerung von Patienten, dann werde der Versandhandel schneller zulegen, vermutet Schloh. Er räumte aber auch ein, dass der Zeitraum, bis der Versand diesen Anteil habe, nur schwer exakt vorherzusagen sei.

Wie Kerckhoff erwartet auch Schloh, dass Versandapotheken nur mit einem hochwertigen Leistungsangebot Erfolg haben können. Dazu gehören neben einem komfortablen Bestellsystem kurze Lieferzeiten, eine gute Erreichbarkeit, deutlich niedrigere OTC-Preise sowie ein anspruchsvolles Medikationsmanagement. Außerdem sei ein bekannter Name unverzichtbar. Abgesehen von den niedrigeren OTC-Preisen würden die Kriterien von den meisten Versendern nicht erfüllt. Top

© 2005 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa