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Pharmazie im Zeichen der Globalisierung

04.09.2000
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-PolitikGovi-Verlag

FIP-KONGRESS

Pharmazie im Zeichen
der Globalisierung

von Hartmut Morck, Wien

Rund 2500 Apothekerinnen und Apotheker aus circa 50 Ländern versammelten sich in Wien anlässlich des 60. Internationalen Weltkongresses der Pharmazie der FIP (Fédération Internationale Pharmaceutique), um Erfahrungen und neue Erkenntnisse auszutauschen und Strategien für die Zukunft zu entwickeln.

Dr. Peter Kielgast, Präsident der FIP, betonte in seiner programmatischen Eröffnungsrede, dass die Apothekerinnen und Apotheker weltweit im Brennpunkt der Gesundheitspolitik stünden und immer kritischer beobachteten, dass im Arzneimittelbereich von vielen weitere Einsparpotenziale gesehen würden. Die Gesellschaft brauche aber die Kompetenz des Pharmazeuten und der pharmazeutischen Wissenschaften, um unabhängig und kritisch den Markt zu bewerten. Die Politik der FIP sei deshalb darauf gerichtet, den Bedarf an Pharmazeuten auch für die Zukunft deutlich zu machen. Kielgast nannte fünf wichtige Punkte, durch die dies erreicht werden soll:

  • Datenschutz und Sicherheit im Internet,
  • Überwachung der Gentechnologie,
  • Diagnostische Erkenntnisse besser in die Heilung einbinden,
  • Kosteneffizienz bei der Verordnung von Medikamenten und
  • aktive Umsetzung und Zusammenarbeit internationaler Allianzen der Gesundheitsberufe auf nationaler Ebene

Im Zusammenhang mit dem letzten Punkt konnte Kielgast auf neue Allianzen mit dem Weltverband der Ärzte und dem der Krankenschwestern hinweisen.

Hauptthema seiner Eröffnungsrede war die Globalisierung. Wie sehr dieses Thema inzwischen die Menschheit berühre, habe der Jahreswechsel 1999/2000 gezeigt, an dem weltweit gespannt auf den Crash der Computer gewartet wurde. Die elektronische Globalisierung bestimme inzwischen das Leben, während zur letzten Jahrtausendwende die Religionen daran dachten, die Welt zu erobern.

Die letzten 1000 Jahre hätten, so Kielgast, die Menschheit grundlegend verändert. Während zu Beginn des 2. Jahrtausend die Kindersterblichkeit noch bei 40 Prozent gelegen hätte, sei sie inzwischen in den zivilisierten Ländern auf unter zwei Prozent gesunken. Männer, die Anfang des letzten Jahrtausends die ersten 20 Jahre überlebten, hatten eine Lebenserwartung von 47 Jahren, Frauen von 44. Heute habe sich die Lebenserwartung für die Gesamtbevölkerung verdoppelt. Die Zivilisierung der Welt in den letzten 1000 Jahren habe vieles verändert, wovon auch die Pharmazie berührt sei: "Wir Pharmazeuten sind Teil eines wachsenden Marktes. Der Verbrauch an Arzneimitteln wird mit der Steigerung der Lebenserwartung weiter zunehmen. Das ist ein Naturgesetz."

Als Teil der Globalisierung sieht Kielgast auch das Internet, das sich allen Kontrollen und nationalen Gesetzen entziehe. Es sei deshalb Aufgabe der Pharmazeuten, im Sinne von Good Pharmacy Practice Richtlinien zu entwickeln, die die Qualität der pharmazeutischen Informationen im Internet definieren. Diese Richtlinien durchzusetzen sei dann nationale Aufgabe. Kielgast empfahl den 2500 Pharmazeutinnen und Pharmazeuten aus rund 50 Ländern, das Gesetz des Handelns in die Hand zu nehmen, bevor Nichtpharmazeuten bestimmen, wo es lang gehe. Auch bezüglich des E-Commerce mit Arzneimitteln, von ihm als E-Pharmacy bezeichnet, empfahl Kielgast, selbst aktiv zu werden. "Es ist besser, Pharmazeuten machen E-Pharmacy als Nichtpharmazeuten", so seine Begründung. Auch in diesem Bereich seien in erster Linie die Pharmazeuten in der Lage, Sicherheit und Qualität zu garantieren.

Als eine weitere Aufgabe der FIP im Rahmen der Globalisierung nannte Kielgast, die Unterschiede zwischen reichen und armen Ländern zu egalisieren. Es könne nicht hingenommen werden, dass in den Entwicklungsländern, wie zum Beispiel in einigen afrikanischen Staaten, aus Kostengründen eine nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse notwendige Therapie von Aids- oder Malariapatienten nicht vorgenommen werden könne. Hier sieht Kielgast eine wesentliche Aufgabe auch der Pharmazeuten, Aufklärung zu betreiben. Auch für den Pharmazeuten gelte die Regel: "Öffentliches Vertrauen ist der Schlüssel zum Erfolg in einer globalen Gesellschaft."

Ein Kongress in Wien ohne Walzer ist nicht vorstellbar. Um die Erwartungen der Teilnehmer nicht zu enttäuschen, zeigte der Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, Max Wellan, in der als Infotainement organisierten Eröffnungsveranstaltung mit der Moderatorin Joe Harriet, einer in Österreich TV-bekannten Künstlerin und Autorin, wie der Wiener Walzer getanzt wird. Wie in den letzten Jahren lud auch die ABDA am ersten Abend des Kongresses zu einem Empfang ins stilechte Schwarzenberg-Palais ein, um sich, wie der ABDA-Präsident Hans-Günter Friese betonte, mit den Kongressteilnehmer aus anderen Ländern fachlich auszutauschen.Top

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