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Apotheker wählen aus

06.08.2001  00:00 Uhr

MECKLENBURG-VORPOMMERN

Apotheker wählen aus

von Christiane Berg, Hamburg

Vertreterinnen und Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung- KV und der AOK Mecklenburg-Vorpommern, des BKK- und des IKK-Landesverbandes Nord sowie des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen e.V. (VdAK) und des AEV-Arbeiter-Ersatzkassen-Verbandes e.V., Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern, haben am 1. August 2001 eine Zielvereinbarung zur Steuerung der Arzneimittelversorgung bis Ende dieses Jahres abgeschlossen.

Die Partner dieser Vereinbarung versprechen sich eine bedarfsgerechte, wirtschaftliche Arzneimittelversorgung sowie eine deutliche Dämpfung des Ausgabenanstiegs bei Arznei- und Verbandmitteln, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung des Sozialministeriums, der Kassenärztlichen Vereinigung und der Krankenkassen Mecklenburg-Vorpommern. Gesenkt werden sollen laut Vereinbarung unter anderem die Durchschnittskosten je Generika-Verordnung. Der Wert je Generika-Verordnung im zweiten Halbjahr 2000 lag in Mecklenburg-Vorpommern bei 36,10 DM, im Bundesdurchschnitt bei 33,16 DM.

Substitution bei aut idem

Gleichermaßen auf Bundesdurchschnitt (6,7 Prozent) herabgefahren werden soll der Verordnungsanteil von Me-too-Arzneimitteln. Die Durchschnittskosten je Verordnung bei Me-too-Medikamenten von 119,28 DM sollen gesichert werden. Der Verordnungsanteil kontrovers diskutierter Arzneimittel (16,9 Prozent) soll stabil gehalten, die Durchschnittskosten je Verordnung dieser Präparate sollen auf 25,82 DM (Bundesdurchschnitt) gebracht werden. Angestrebt wird darüber hinaus die Erhöhung des Umsatzanteils reimportierter Arzneimittel auf fünf Prozent des Gesamtmarktes.

Eingebettet in die Zielvereinbarung ist die Aut-idem-Vereinbarung zur Auswahl preisgünstiger Arzneimittel, die im Juli zwischen Krankenkassen und dem Apothekerverband Mecklenburg-Vorpommern abgeschlossen wurde. Die KV will diese Vereinbarung, die auf die Akut-Versorgung und eng auf die bestehenden Lieferverträge zugeschnitten ist, mit entsprechenden Empfehlungen zur Einhaltung an ihre Vertragsärzte unterstützen. Bedenken gegen aut-idem äußern die Ärzte vor allem bei der Versorgung chronisch Kranker, da sie eine Schwächung der Compliance befürchten. Bei Nichteinhaltung der Zielvereinbarung sind keine Sanktionen vorgesehen.

Bunge für Positiv-Sanktionen

Die Verhandlungen haben unter Moderation der Sozialministerin Dr. Martina Bunge (PDS) stattgefunden, die die Abmachung begrüßt und Kassen und KV bei der Umsetzung der Vereinbarung unterstützen will. Auf bestreben der Sozialministerin sind bei Einhaltung der Zielvereinbarung "Positiv-Sanktionen" geplant. Kritisch hinsichtlich derartiger Bonusregelungen für die Ärzte zeigte sich der Geschäftsführer des Apothekerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Heinz Weiß, der als Vertreter des Verbandes bei der Schlusssitzung anwesend war. Derartige Regelungen seine unter ethischen Gesichtspunkten bedenklich.

Auch fehle zur Erlangung der festgelegten Ziele das nötige Handwerkszeug. Unter anderem seien die Kassen bislang nicht in der Lage gewesen, eine Liste der Me-too-Präparate zur Verfügung zu stellen. Werden die angestrebten Ziele konsequent umgesetzt, so komme es zu einer Kostendämpfung, die weit über die Ziele der entsprechenden Bundesvereinbarung zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung und den Spitzenverbänden der Krankenkassen hinausgeht, zeigte sich Weiß besorgt. Die Frage stelle sich, inwieweit eine qualitative Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln dann noch zu gewährleisten sei.

Durch die Zielvereinbarung angestrebte Einsparungen werden im hohen Maße davon abhängen, wie die Ärzteschaft die Vereinbarung umsetzt, bestätigten sowohl der Vorsitzende des Apothekerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Gerhard Behnsen, als auch der Präsident der Apothekerkammer Mecklenburg-Vorpommern, Wilhelm Soltau. Skeptisch zeigte sich Behnsen vor allem hinsichtlich der zeitnahen Lieferung von aussagekräftigen Verordnungsdaten durch die Krankenkassen. Nicht zuletzt aufgrund des bereits hohen Anteils an Generika-Verordnungen von 80 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern seien Prognosen zu Einspareffekten schwierig, betonte Soltau. Kassen, Ärzte und Apotheker, die sich gegenseitig informieren und beraten, wollen im dritten und vierten Quartal gemeinsam das Verordnungsgeschehen analysieren. Top

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