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Dienstleistungsunternehmen mit viel ehrenamtlichem Engagement

02.08.1999
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-PolitikGovi-Verlag

50 JAHRE APOTHEKERKAMMER HAMBURG

Dienstleistungsunternehmen mit viel ehrenamtlichem Engagement

von Christiane Berg, Hamburg

Im festlichen Rahmen und auf den Tag genau beging die Apothekerkammer Hamburg am 28. Juli 1999 ihr 50jähriges Bestehen als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Kammerpräsident Dr. Hans-Jochen Gelberg konnte unter den circa 200 Gästen zahlreiche "Männer und Frauen der ersten Stunde", aber auch Repräsentanten der Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales, der Ärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Zahnärztekammer, der Krankenkassen, der Handelskammer sowie der Apothekerkammern und -verbände benachbarter Bundesländer, des Bundesverbandes der Angestellten in Apotheken - BVA oder der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft begrüssen.

Die Apothekerkammer Hamburg verstehe sich als Dienstleistungsunternehmen. Die Institution könne ihr spezifisches Leistungsspektrum jedoch nur anbieten, da viele Kollegen und Kolleginnen sich ehrenamtlich in der berufsständischen Selbstverwaltung engagieren. Dank gebühre daher allen, die sich über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg in die Arbeit des Kammervorstandes, der Ausschüsse und Kommissionen sowie der Kammerversammlung eingebracht und die Kammer so mitgestaltet haben, sagte der Präsident.

Gelberg verwies auf die gute Kooperation und Zusammenarbeit mit der Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales, den benachbarten und befreundeten Kammern und Verbänden sowie mit den anderen Organisationen des Gesundheitswesens auf Landes- und Bundesebene. Besondere Erwähnung verdiene der Hamburger Apothekerverein, in dessen Haus die Kammer von Anfang an residiert.

Um das Gemeinwohl verdient gemacht

Die sehr offene und von gegenseitigem Respekt getragene Zusammenarbeit von Kammer und Behörde hob auch die Senatorin für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karin Roth, hervor. Selbstverwaltung bedeute nicht Selbstzweck. Sie trage nicht zuletzt auch zum Verbraucherschutz bei. Roth: "Ein grosser Teil Ihrer Aufgaben wird zwar von der Öffentlichkeit nicht immer wahrgenommen, er ist jedoch ein ganz wesentlicher Beitrag zur gesundheitlichen Versorgung". Die Kammer habe sich um öffentliche Belange und das Gemeinwohl verdient gemacht.

Ihr besonderer Dank ging an den Ehrenpräsidenten, Professor Dr. Ernst-Dietrich Ahlgrimm sowie den ehemaligen Geschäftsführer der Apothekerkammer Hamburg, Dr. Hans-Günther Helling, für die Unterstützung der Arbeit der Behörde auf dem "komplizierten Gebiet" der Behandlung und Substitution von Drogenabhängigen mit Methadon. Der Hamburger Methadonvertrag habe lange Zeit als richtungsweisend und einzigartig gegolten, der Hamburger Weg sei Maßstab für die bundesweite Entwicklung gewesen. Die Senatorin: "Sie haben dazu beigetragen, dass es gelungen ist".

Einmalig: Verdienste der Hamburger Kammerpräsidenten

Grüsse und Glückwünsche des Vorstandes und der Geschäftsführung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Eschborn, überbrachte ABDA-Präsident Hans-Günter Friese. Er verwies auf die Verdienste der Hamburger Kammerpräsidenten, die "einmalig und einzigartig" gewesen seien. Ihre berufspolitischen Aktivitäten hätten sich nicht nur auf die Hansestadt beschränkt. Jo von Fisenne (1945 bis 1951) als erster, Dr. Werner Klie (1951 bis 1971) als zweiter sowie Professor Dr. Ernst-Dietrich Ahlgrimm als dritter Kammerpräsident (1972 bis 1992) nach dem Krieg seien auch auf Bundes- beziehungsweise internationaler Ebene erfolgreich tätig gewesen.

Es sei die den Hanseaten eigene Weltoffenheit, die sie stets über den Tellerrand schauen und das Ganze im Blick haben lässt, so Friese, der ganz besonders auch das Engagement von Gelberg sowie des Geschäftsführers der Apothekerkammer Hamburg, Dr. Reinhard Hanpft, hervorhob. Die Zeichen der Zeit erkennend hätten sie zahlreiche Apotheker der Hansestadt bewegen können, an der Hamburger Asthma-Studie teilzunehmen. Vor kurzem fertiggestellt, habe diese Studie gezeigt, dass sich die Erfolge der Pharmazeutischen Betreuung belegen lassen.

Ein halbes Jahrhundert alt: Apothekerkammergesetz

50 Jahre Selbstverwaltung und Apothekerkammergesetz: Das bedeute eigenständig aufgebrachte Mittel von derzeit 1,5 Millionen DM pro Jahr, 12 Apotheker und Apothekerinnen, die auf ehrenamtlicher Basis den Vorstand bilden, sieben hauptamtliche Mitarbeiter in der Geschäftsstelle und rund 40 Fortbildungsveranstaltungen pro Jahr, so Friese, der auf die daraus resultierende finanzielle Entlastung des Staates verwies. Der ABDA-Präsident: "Wie Selbstverwaltung auf Landes- oder auf Ebene eines Stadtstaates hervorragend funktioniert, hat Hamburg in fünf Jahrzehnten beispielhaft vorgemacht".

Einen Blick zurück warf in seinem Grusswort auch der Vorsitzende des Hamburger Apothekervereins, Dr. Jörn Graue, und zeigte unter anderem die Ursprünge des Wortes "Kammer" auf. Dieses leite sich von lateinisch "camera" oder griechisch "kaméra" ab und habe schon bei den fränkischen Königen die Bedeutung "abgesondertes Gemach" gehabt. In die Kammer seien die Einkünfte der fürstlichen Güter geflossen, in ihr habe sich die Verwaltung des fürstlichen Vermögens konzentriert.

Im Laufe der Zeit seien den Kammern immer weitere Funktionen zugewachsen. Aus diesem Funktionszuwachs erkläre sich die große, über das Finanzwesen schließlich hinaus reichende Bedeutung des Wortes, das heute für "Volksvertretung", "Spruchkörper der Gerichtsbarkeit" und für "berufsständische, meist auf Zwangsmitgliedschaft bauende, mit Selbstverwaltungsrecht ausgestattete Organisationen zur Vertretung der Gesamtinteressen ihrer Angehörigen" stehe.

Dissertation schließt pharmaziehistorische Lücke

Erfreut zeigte sich Graue über die soeben eingereichte Dissertation des Kollegen Bernd Funke zum Thema "Entstehung und Entwicklung der pharmazeutischen Ausbildung in Hamburg bis hin zur Gründung des Institutes für Pharmazie". Hierdurch werde eine wichtige pharmaziehistorische Lücke geschlossen, betonte er.

Grüße und Glückwünsche der Hamburger Ärzteschaft überbrachte der Vizepräsident der Ärztekammer Hamburg, Dr. Bruno Schmolke. Auch er dankte für die gute Zusammenarbeit, wünschte sich jedoch für die Zukunft noch mehr Zeit für den Gedankenaustausch zwischen Arzt und Apotheker zum Wohle des Patienten.

Prinzip der Selbstverwaltung keine Selbstverständlichkeit

Die Kammer verkörpere und realisiere ein Prinzip, das erst die demokratische Staatsordnung nach dem Naziregime möglich gemacht hat, so Ahlgrimm in einem Schlusswort. Für seine Generation, deren Mitglieder als Kinder oder Jugendliche im 3. Reich aufwuchsen und den 2. Weltkrieg haben durchstehen müssen, sei selbst noch 1949 das Wort "Selbstverwaltung" geradezu eine Offenbarung gewesen.

"Für viele von uns ist dieser Begriff Motivation gewesen, neben der täglichen beruflichen Arbeit in der Kammer mitzuwirken und diese mit zu gestalten", so Ahlgrimm, der davor warnte, das Prinzip der Selbstverwaltung als Selbstverständlichkeit anzusehen. Der Trend zur Individualisierung und der Wunsch nach immer mehr materieller Wertschöpfung habe steigende, ideelles Mitmachen hingegen fallende Tendenz. Die Quote der engagierten Mitarbeiter schrumpfe. Dieses könne dem "kostbaren Besitz Selbstverwaltung" zur Gefahr werden.

Als Mahnung wiederholte Ahlgrimm das Motto einer der vergangenen evangelischen Kirchentage "In der Freiheit bestehen". Der Ehrenpräsident: "Stellen wir diese Aufforderung als Motiv über unser Freisein in der Selbstverwaltung. Dann wird auch in Zukunft eine unverzichtbare erfolgreiche Apothekerkammer Hamburg weiter existieren".Top

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