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Friese für Ausweitung von Aut idem

13.05.2002  00:00 Uhr

Friese für Ausweitung von Aut idem

von Thomas Bellartz, Berlin

Alles andere als blauäugig hatte Hans-Günter Friese, Präsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, an den Sitzungen des Runden Tischs im Gesundheitswesen teilgenommen. Das Ziel eines breiten Konsenses sei in der extrem heterogenen Gruppe von Beginn an unerreichbar gewesen. Von den hehren Zielen der Ministerin sei, so Friese, nichts geblieben. Beim Presseseminar der ABDA in Berlin beklagte der Westfale, dass sich die Geschäftsgrundlage am Runden Tisch schnell änderte: "Weg vom Konsens, hin zum Mehrheitsvotum mit Nennung der Minderheiten in Fußnoten."

Die Hoffnung der Apothekerschaft auf eine ausgewogene Diskussion der Vor- und Nachteile des Versandhandels mit Arzneimitteln sei bereits innerhalb der Arbeitsgruppe schnell zerschlagen worden. Friese: "Eine Auseinandersetzung mit den Argumenten der Apotheker fand nicht statt." Der ABDA-Präsident nutzte die Gelegenheit, um vor Journalisten der Wirtschafts- und Fachpresse noch einmal die Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate Revue passieren zu lassen.

Friese, gleichzeitig Präsident der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, ist der festen Überzeugung, dass es keinen sicheren Versandhandel mit Arzneimitteln geben kann. Gerade die hohen Anforderungen, die der Runde Tisch Ende April mit seiner Empfehlung für den Versandhandel definiert hätte, würden den Versandhandel unmöglich machen. Friese sorgt sich, dass sich die Befürworter des Versandhandels "nicht lange um diese Bedingungen scheren werden". Einige Krankenversicherer verstießen bereits bewusst gegen in Deutschland geltendes Recht und dies, so Friese, "mit einem selbst erklärten Stolz".

Daher seien die Apothekerinnen und Apotheker gleich zweifach in die Offensive gegangen. Einerseits mit der "Initiative Pro Apotheke" und zum anderen mit der Veröffentlichung eines Grundsatzpapiers zur zukünftigen Arzneimittelversorgung in Deutschland.

Rücken stärken und informieren

Die "Initiative Pro Apotheke" soll den Apotheken den Rücken stärken und die Verbraucher über die Gefahren des Versandhandels mit Arzneimitteln informieren. Nach ersten Zählungen wurden bereits deutlich mehr als eine Million Unterschriften gesammelt. Darüber freute sich Friese sichtlich. Man sei stolz darauf, eine der "größten Unterschriftenaktionen aller Zeiten in Deutschland" initiiert zu haben. Die Unterstützung gehe weit über die Erwartungen hinaus. Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli werde man die Unterschriften übergeben und rechtzeitig die Medien in Kenntnis setzen.

Der ABDA-Präsident lieferte den Journalistinnen und Journalisten viele Gründe, warum die Einführung des Versandhandels in Deutschland nicht geboten sei. So trage der Versandhandel mit "seiner System-sprengenden Wirkung" nicht zur Kostensenkung bei. Das zeigten Beispiele aus anderen Ländern. Und: Während die ABDA gemeinsam mit dem Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) eine ganzheitliche Änderung der Arzneimittelpreisverordnung vorgeschlagen habe, seien Versandhändler nur an einer Kommerzialisierung des Arzneimittelvertriebs interessiert.

Kein eindeutiges Urteil fällte Friese über Aut idem. Die Einführung der Substitution sei prinzipiell positiv gewesen. Doch die "Vielzahl von Bedingungen", an die die Substitution geknüpft sei, mache die praktische Anwendung oft zu schwer. Zudem sei es nach Äußerungen einiger Vertreter der Ärzteschaft und aus der Ärztepresse zu einer Verunsicherung in Politik wie Bevölkerung gekommen. Der ABDA-Präsident wollte allerdings die angesprochenen Personen nicht öffentlich nennen, um das gerade gelöschte Feuer nicht aufs Neue zu entfachen.

Friese sprach sich für ein "weitaus freieres Aut idem" aus, als dies bisher der Fall sei. Eine solche Regelung könne eine noch bessere Versorgung der Kunden ermöglichen "ohne die Arzneimittelsicherheit auch nur im Geringsten anzutasten".

Auf dem Weg zur Gesundheitskarte

Friese begrüßte, dass sich das Gesundheitsministerium mit den im "Aktionsforum Telematik im Gesundheitswesen" zusammengeschlossenen Spitzenorganisationen auf eine gemeinsame Einführung von Arzneimittelpass und elektronischem Rezept einigen konnte. Auch die vereinbarten Modellversuche, die dazu beitragen sollen, dass aus der Krankenversichertenkarte sukzessive eine Gesundheitskarte werde, seien sehr sinnvoll.

Neben dem Versandhandel bereitet dem ABDA-Präsidenten die anstehende Novellierung des Apothekengesetzes Kopfschmerzen. "Sozusagen in letzter Minute" sei eine Passage aufgenommen worden, die die Impfstoffe generell aus der Apothekenpflicht befreie. Friese warnte: "Wer bei so hoch sensiblen Produkten wie Impfstoffen meint, auf die Apothekenpflicht verzichten zu können, der kann es mit der Arzneimittelsicherheit nicht wirklich ernst meinen." Im Übrigen sei man schlecht beraten, die Apotheken aus diesem Thema auszublenden. Gemeinsam mit den Apotheken könnte die Politik beispielsweise eine groß angelegte Kampagne gegen die allseits beklagte Impfmüdigkeit auflegen.

Alle Vorschläge der ABDA zielten gemeinsam darauf ab, mit einer immer besseren Arzneimitteltherapie auch die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Wer wirklich Geld sparen wolle, der könne das mit der richtigen Arzneitherapie. Friese: "Verantwortlich begleitet vom Arzneimittelfachmann in der öffentlichen Apotheke." Top

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