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Die wenigsten Frauen sind im Alter ausreichend versorgt

25.03.2002
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FRAUENNETZWERK

Die wenigsten Frauen sind im Alter ausreichend versorgt

von Ulrike Wagner, Eschborn

Wie ist die Altersvorsorge für Frauen geregelt? Wie werden Kindererziehungszeiten angerechnet? Wie verhalten Frauen sich in Führungspositionen? Wie können berufserfahrene Apothekerinnen den angehenden Nachwuchs unterstützen? Antworten auf diese Fragen lieferte das Treffen des Frauennetzwerks "Frauenförderung in der Berufspolitik" am 19. März in Eschborn.

Sich als Frau mit Themen wie Rente auseinander zu setzen, ist out. Schließlich leben wir in einer Zeit, die Jugendlichkeit idealisiert. Wer will sich da schon mit dem Alter beschäftigen, dessen erste Zeichen frau entweder vertuscht oder ignoriert. "Dabei müssen Frauen immer häufiger für ihre eigenes Auskommen im Alter sorgen, weil sie sich nicht auf die Versorgung durch den Ehemann verlassen können", sagte Antonie Marqwardt, Vorstandsmitglied der Apothekerkammer Hamburg und Mitglied des Vorstands der Bundesapothekerkammer. Mit wie wenig Geld Frauen im Alter auskommen müssen, wenn sie nach der Kindererziehung nicht in die Berufstätigkeit zurückkehren, zeigte Hansjörg Mogwitz, stellvertretender Geschäftsführer und Justiziar der Apothekerkammer Niedersachsen.

Frauen kümmern sich wenig um ihre Altersversorgung: 30 Prozent der qualifizierten weiblichen Arbeitskräfte gehen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren dem Arbeitsmarkt verloren, 40 Prozent der weiblichen Beschäftigten arbeiten als Teilzeitangestellte, 75 Prozent der 30- bis 59-jährigen Frauen sind ohne ausreichendes Einkommen im Alter.

Dass Deutschland dabei besonders schlecht wegkommt, zeigt ein Vergleich mit den skandinavischen Ländern. Während dort mehr als 80 Prozent der verheirateten Frauen arbeiten, sind es in Deutschland weniger als 60 Prozent. Unzureichende Betreuungsangebote für Kinder hier zu Lande, vor allem für unter Dreijährige und Grundschulkinder, sind ein Grund für die Misere. Offensichtlich verlässt sich aber auch ein Großteil der Frauen noch immer auf die Versorgung durch ihren Partner. Damit sind die Frauen nicht gut beraten, denn "die zukünftigen Rentnerinnen werden schlechter dastehen als bisher", kommentierte Mogwitz die derzeitige Situation in Deutschland.

Die berufsständischen Versorgungswerke bieten im Vergleich zur Rentenversicherung prinzipiell eine gute Absicherung - vor allem dann, wenn die Frauen nach der Kinderbetreuung in ihren Beruf zurückkehren. Sie heben sich von der umlagefinanzierten Rentenversicherung durch das vorteilhaftere Prinzip der Kapitaldeckung ab, erklärte Mogwitz.

Die Mitgliedschaft in einem Versorgungswerk zahlt sich für Frauen besonders dann aus, wenn sie nach den Kindererziehungszeiten ihre Arbeit wieder aufnehmen - sei es auch nur für wenige Stunden pro Woche. In der gesetzlichen Rentenversicherung übernimmt der Staat die Beiträge während der Kindererziehungszeiten, für Mitglieder in den Versorgungswerken zahlt er diese Beträge nicht. Einzig die Versorgungswerke Niedersachsen und Westfalen-Lippe sind hier bislang in die Bresche gesprungen und rechnen einen Mindestbeitrag (zwei Zehntel des Höchstbeitrags) für Kinderbetreuungszeiten an.

In Rechenexempeln wird der Unterschied deutlich: Eine angestellte Apothekerin ist fünf Jahre berufstätig. Danach zieht sie drei Kinder groß (Kinderbetreuungszeit neun Jahre) und arbeitet anschließend als Teilzeitangestellte mit relativ geringem Einkommen. In der Apothekerversorgung Niedersachsen hat sie Anspruch auf 942 Euro, in der gesetzlichen Rentenversicherung erhielte dieselbe Frau 557 Euro, in anderen Apotheker-Versorgungswerken etwa 650 Euro.

Kehrt die Frau nicht zu ihrer Arbeit zurück, erhält sie nur sehr geringe Beträge, und in bestimmten Fällen wäre für sie die gesetzliche Rentenversicherung sogar günstiger als die Versorgungswerke. Die Frau mit drei Kindern hätte ohne Rückkehr in den Beruf im Versorgungswerk Niedersachsen einen Anspruch auf 334 Euro, in der gesetzlichen Rentenversicherung auf 340 Euro und in einem anderen Versorgungswerk ohne Anrechnung des Mindestbeitrags auf 187 Euro. Bei diesen Zahlen wird deutlich, wie wichtig es wäre, dass mehr Frauen nach der Kindererziehung in ihren Beruf zurückkehren.

Mentorinnen gesucht

Das MentorinnenNetzwerk für Frauen in naturwissenschaftlich-technischen Fächern an hessischen Universitäten und Fachhochschulen stellte Svetlana Gippert vom Hessischen Koordinierungsbüro in Frankfurt am Main vor. Fünf Mitarbeiterinnen arbeiten in dem Projekt des hessischen Wissenschaftsministeriums. Ziele sind mit einer spezifischen Betreuung von Studentinnen durch berufserfahrene Frauen, den Frauenanteil in attraktiven Positionen in Wirtschaft und Wissenschaft zu erhöhen, die Karrierechancen von Frauen zu verbessern und den Frauenanteil in naturwissenschaftlichen Berufen zu stärken.

Studentinnen der naturwissenschaftlichen Fachbereiche können sich für das Netzwerk bewerben. Nach bestimmten Kriterien wählen die Mitarbeiterinnen des Koordinierungsbüros dann geeignete Mentees aus. Möglichst passend zu deren Berufsvorstellungen werden sie dann mit den Mentorinnen in Kontakt gebracht. Die Zusammenarbeit der beiden Frauen soll sich über ein Jahr erstrecken, und beide sollen davon profitieren.

An der Universität Marburg kommen zum Beispiel 10 Prozent der Mentees aus dem Fachbereich Pharmazie. Bislang stehen dem MentorinnenNetzwerk jedoch keine Pharmazeutinnen als Mentorin zur Verfügung, erklärte Gippert.

Frauen führen anders

Was hindert Frauen daran, Führungspositionen wie die Apothekenleitung zu übernehmen oder sich in Kammern und Verbänden zu engagieren? Das war die Einstiegsfrage von Vera Naumann, Eckenweiler, zu ihrem Referat "Frauen in Führungspositionen". Karriere, so wie sie von den Männern vorgelebt wird, ist offensichtlich für Frauen wenig attraktiv, war ein Grund den Naumann und die Teilnehmerinnen erarbeiteten. Die Referentin zeigte Gestaltungsspielräume auf, die Frauen Führungspositionen schmackhaft machen könnten. Zudem gab sie Führungstipps für Frauen, die auf deren Verhalten in leitenden Positionen zugeschnitten sind. Top

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