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03.03.1997  00:00 Uhr

-Politik

Govi-Verlag

Festakt für Klaus Stürzbecher auf dem Petersberg


Mit einem Festakt ist Klaus Stürzbecher, Ehrenpräsident der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände nach 16jähriger Amtszeit als ABDA-Präsident offiziell aus seinem Amt verabschiedet worden. Über 240 Gäste aus Politik, Verbänden, Industrie und den Hochschulen kamen am 26. Februar auf den Bonner Petersberg, um Stürzbechers Verdienste zu würdigen.

"In seiner 16jährigen Amtszeit bei der ABDA hat Klaus Stürzbecher die deutsche Pharmazie auf dem Weg ins nächste Jahrtausend ein ganz gehöriges Stück nach vorne gebracht", erinnert sein Nachfolger Hans-Günter Friese. Dafür sind ihm die Apothekerinnen und Apotheker, insbesondere die 34 Mitgliedsorganisationen der ABDA, zu tiefem Dank verpflichtet. Unter der Federführung von Stürzbecher war die ABDA 1993 mit dem ABDA-Konzept "Zur Verbesserung der Arzneimittelversorgung - mehr Verantwortung für die Apotheker" angetreten, den Beruf des Pharmazeuten weiterzuentwickeln.

In Zeiten knapper Mittel werden alle Neuerungen daran gemessen, ob sie einen konkreten Nutzen für die Gesellschaft, für das Gesundheitswesen und für den Patienten haben, so Friese in seiner Laudatio. "Das ABDA-Konzept trägt den Charme, ein solches Nutzen-Konzept zu sein". Schließlich verharre der Berufsstand nicht in Besitzständen, sondern orientiere sich ständig an der Zukunft und den neuen Herausforderungen. Das deutsche Gesundheitswesen braucht nach Friese mehr pharmazeutische Kompetenz und Transparenz. Letztere aber nicht nur bei den Kosten, sondern auch in der pharmazeutischen Qualität.

Berufspolitische Karriere

1973 wählten die Berliner Apothekerinnen und Apotheker Klaus Stürzbecher zum Vorsitzenden des Berliner Apothekerverbandes. Nur zwei Jahre später, 1975, kandidierte er auf Drängen des damaligen Kammerpräsidenten Günter Drost für dieses Amt, in das er mit großer Mehrheit gewählt wurde. Sechs Jahre lang übte er beide Ämter in Personalunion aus. "So war Klaus Stürzbecher schon damals in Berlin gelebtes Beispiel für den ABDA-Gedanken", sagte Friese. "Eine einheitliche Vertretung aller Apothekerinnen und Apotheker mit einer Stimme". Vor allem aber wußte er um die gestaltende Kraft der Selbstverwaltung, die den freien Berufen in unserem föderativen, freiheitlichen Gemeinwesen große Chancen einräumt, wie dies auch wiederholt von den Politikern betont wird.

Aufgrund seiner umfassenden berufspolitischen Erfahrungen war Klaus Stürzbecher 1981 der ideale Kandidat für das Amt des ABDA-Vizepräsidenten. Nur wenige Monate später übernahm er nach dem tragischen Tod von Dr. Rolf Martin dessen Amt als Präsident der ABDA. Daß er bei seinem Engagement für die Aufrechterhaltung eines hochqualifizierten Berufsbildes nie die wirtschaftlichen Interessen aus den Augen verlor, kennzeichnet nach Frieses Worten die Person Klaus Stürzbechers. Die 16 Jahre seiner Amtsführung fielen in eine politisch hochbrisante Zeit. Knapper werdende Ressourcen gaben Anlaß zu immer neuen Sparmaßnahmen, die die Apotheker bis zur äußersten wirtschaftlichen Bedrohung tangierten. In ungezählten Verhandlungen, Podiumsdiskussionen und Interviews habe Stürzbecher immer wieder seine Fähigkeit zum Ausgleich bewiesen.

Friese hob besonders hervor, daß Stürzbecher mit "pharmazeutischem Selbstbewußtsein" die massiven Bedrohungen des Berufs - Versandhandel von Arzneimitteln, Forderung nach ärztlichem Dispensierrecht, Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbots - verhindert habe. Nicht durch bloßes Nein-Sagen, sondern durch Überzeugen.

"Kanzler der Apotheker"

"Als Kanzler der Apotheker haben Sie, Herr Stürzbecher, länger das Heft in der Hand gehabt als je ein Bundeskanzler". Mit diesen Worten überbrachte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Dr. Sabine Bergmann-Pohl, die Grüße von Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer, der kurzfristig absagen mußte. Sie und ihr Haus hätten Stürzbechers fairen Stil der politischen Auseinandersetzung hoch geschätzt.

Für Bergmann-Pohl stelle sich die Zusammenarbeit mit Klaus Stürzbecher als ein "Wechselbad der Gefühle" dar: ein großer Strauß rote Rosen zum Amtsantritt in Berlin, Transparente und ein Pfeifkonzert auf dem Deutschen Apothekertag 1991 in München und später wieder versöhnender Beifall nach anderen Reden vor der Apothekerschaft. Sie persönlich habe ihm hoch angerechnet, daß er eine andere Meinung nicht gleich als Kriegserklärung verstanden habe. Es sei eine schwierige Aufgabe, der Präsident eines Interessenverbandes zu sein. Genauso schwierig sei es, den Erfolg zu messen. "Sie, Herr Stürzbecher, können zufrieden auf den Abschnitt zurückblicken. Sie waren erfolgreich, weil sie dem Gemeinwohl gedient haben."

Den Festvortrag der Veranstaltung hielt Professor Dr. Hartmut Derendorf von der University of Florida.

PZ-Artikel von Gisela Stieve, Petersberg bei Bonn

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