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Von der Krebs- zur Arthritistherapie

27.10.2003  00:00 Uhr

Von der Krebs- zur Arthritistherapie

von Conny Becker, Eschborn

Der monoklonale Antikörper Rituximab schnitt in einer Studie zur Langzeitbehandlung der rheumatoiden Arthritis viel versprechend ab. Nun soll sich die bisher zur Behandlung des Non-Hodgkin-Lymphoms zugelassene Substanz in der Phase III beweisen.

Rituximab (MabThera®) greift in die Immunantwort ein, indem es hochspezifisch an das CD20-Antigen bindet, das auf der Oberfläche von reifen B-Lymphozyten exprimiert wird. Der monoklonale chimäre Antikörper bewirkt zusätzlich eine komplementvermittelte Lyse und damit den Tod der B-Zellen, die in der Entzündungskaskade der rheumatoiden Arthritis eine zentrale Rolle spielen.

In einer placebokontrollierten Phase-II-Studie wurden 161 Patienten mit rheumatoider Arthritis 24 Wochen unterschiedlich medikamentös behandelt und weitere 24 Wochen nachbeobachtet. Die Patienten litten durchschnittlich 10,4 Jahre an aktiver Arthritis und hatten nicht oder nicht ausreichend auf andere Therapien angesprochen. Sie erhielten randomisiert entweder Rituximab allein (zwei Infusionen zu 1 g), in Kombination mit Cyclophosphamid (zwei Infusionen zu 750 mg) oder Methotrexat (MTX, 10 mg pro Woche) – oder Methotrexat allein. Die Rituximabinfusionen wurde jeweils in am ersten und 15. Tag verabreicht. Zudem bekam jede Gruppe während 17 Tagen Corticosteroide.

Nach 48 Wochen hatten sich die Symptome bei den Patienten, die Rituximab in Kombination mit MTX erhalten hatten, am deutlichsten verbessert: 65 Prozent erreichten die ACR-20-Marke (American College of Rheumatology), das heißt, klinische Symptome wie geschwollene, schmerzhafte Gelenke nahmen um 20 Prozent ab. Bei einem Drittel der Patienten besserte sich die Gelenksymptomatik um 50 Prozent, bei 15 Prozent um 70 Prozent.

MTX allein, was die „Placebo“-Medikation hinsichtlich Rituximab darstellte, lieferte deutlich schlechtere Resultate. Nur ein Fünftel der Patienten erfüllte die ACR-20-, 5 Prozent die ACR-50-Kriterien; bei keinem verbesserten sich die Symptome um 70 Prozent. Dagegen schnitt die alleinige Therapie mit Rituximab viel versprechend ab: 30 Prozent der Patienten erreichten die ACR-20-, 13 Prozent die ACR-50- und 8 Prozent die ACR-70-Zielmarke.

Mit Cyclophosphamid konnten die drei Zielmarken nur von 44, 22 beziehungsweise 10 Prozent erreicht werden. So erwies sich in der Studie die Kombination des Anti-CD20-Antikörpers mit MTX als die effektivste Therapie.

Dabei waren alle drei Behandlungen, die Rituximab enthielten, gut verträglich. Die überwiegend leichten bis mittelschweren Nebenwirkungen traten vor allem in den ersten 15 Tagen auf, verbunden mit der ersten Infusion des Antikörpers. Die Häufigkeit und Art der Nebenwirkungen waren mit denen unter MTX vergleichbar und nach 48 Wochen in allen Behandlungsgruppen gleichmäßig verteilt. Auch Infektionen traten nicht häufiger auf.

Derzeit laufen weitere Studien zu Rituximab, wie eine Phase-IIb-Studie mit Patienten, die ungenügend auf krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs) angesprochen hatten, sowie eine Phase-III-Studie mit Patienten, bei denen eine Anti-TNF-α-Behandlung nicht ausreichend wirksam war. Top

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