Pharmazeutische Zeitung online

Umsetzung der Pharmazeutischen Betreuung in die Praxis

16.06.2003
Datenschutz bei der PZ
Zertifikatsfortbildung Asthma

Umsetzung der Pharmazeutischen Betreuung in die Praxis

von Sonja Weinzierl, München und Jens Schneider, Augsburg

Die Bayerische Landesapothekerkammer führte eine Studie durch, ob und in welchem Ausmaß die „Pharmazeutische Betreuung von Asthmapatienten“ in die Praxis umgesetzt wird. Es zeigte sich, dass für die breite Umsetzung gesetzliche Rahmenbedingungen sowie Versorgungsverträge mit den Krankenkassen unabdingbare Voraussetzung sind.

Studien zur Pharmazeutischen Betreuung von Asthmapatienten zeigen die Effektivität der pharmazeutischen Dienstleistungen (1). Basierend auf diesen Erfahrungen wurde im Jahr 2000 von der Bundesapothekerkammer die Zertifikatsfortbildung "Pharmazeutische Betreuung von Asthmapatienten" etabliert, die mittlerweile bundesweit von den Landesapothekerkammern angeboten wird. Die Bayerische Landesapothekerkammer führte im April/Mai 2003 eine Studie durch, um bei Teilnehmern der Zertifikatsfortbildung Asthma zu evaluieren, ob und in welchem Ausmaß die Pharmazeutische Betreuung in die Praxis umgesetzt wird.

Ziele der Fortbildung

Durch eine intensive Zusammenarbeit zwischen Patient, Apotheker und Arzt sollen sich im Rahmen der Pharmazeutischen Betreuung nachweisbar folgende Ergebnisse erzielen lassen:

  • Verbesserung der Compliance des Patienten, Verbesserung der Kenntnisse des Patienten über die Erkrankung und die sachgerechte Anwendung von Arzneimitteln,
  • Optimierung des Selbstmanagements des Patienten,
  • Verbesserung der Lebensqualität des Patienten und Optimierung der Arzneimitteltherapie.

Die Aufgabe des Apothekers in der Pharmazeutischen Betreuung von Asthmapatienten ist es, den Patienten über Art, Einnahme und Wirkweise der Medikamente sowie die Erkrankung zu informieren und ihn zum Selbstmanagement anzuregen. Eine regelmäßige Überprüfung der Inhalationstechnik in der Apotheke kann die Wirksamkeit und Verträglichkeit der abgegebenen inhalativen Asthmamedikamente deutlich verbessern. Zur Lösung arzneimittel- und gesundheitsbezogener Probleme werden in Zusammenarbeit mit Patient und Arzt Strategien entwickelt.

Um den Apotheker in der Wahrnehmung dieser Aufgaben zu unterstützen und eine Qualität der Betreuung auf hohem Niveau zu erreichen, wurde ein entsprechendes, umfangreiches Fortbildungsprogramm erarbeitet (2). Das Konzept wurde sowohl vom Vorstand des Bundesverbandes der deutschen Pneumologen als auch von der Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer sehr positiv aufgenommen und jeweils einstimmig verabschiedet. Besonderer Wert wurde auf die Praxisnähe der Fortbildung gelegt: So werden neben den theoretischen Grundlagen zur Physiologie, Pathophysiologie und Pharmakotherapie praktisch relevante Kenntnisse vermittelt, unter anderem die Pharmazeutische Betreuung von Asthmapatienten und Kommunikation in der Apotheke. Als Referenten sind unter anderem Apotheker, Pneumologen und Psychologen eingebunden. Dies verdeutlicht die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die eine Voraussetzung für die effektive Versorgung von Asthmapatienten ist. Der vorgeschlagene minimale zeitliche Umfang der Fortbildung beträgt 9,5 Stunden (in Bayern dauert die Fortbildung 2,5 Tage). Im Anschluss daran ist eine sechsmonatige Betreuung von mindestens einem Asthmapatienten inklusive der Bearbeitung eines Betreuungsprotokolls vorgesehen. Von einigen Apothekerkammern wie auch in Bayern wird zusätzlich eine abschließende schriftliche Prüfung verlangt.

Methodik

Alle Teilnehmer der Zertifikatsfortbildung "Pharmazeutische Betreuung von Asthmapatienten“ des Jahres 2002 erhielten sechs Monate nach der Fortbildungsveranstaltung einen vierseitigen Fragebogen (3). Insgesamt wurden 126 Apotheker befragt. Der Evaluationsbogen umfasste 17 Fragen:

  • vier strukturelle (Größe und Lage der Apotheke, Kundenfrequenz/Tag, Stammkundschaft in Prozent und Asthmapatienten in Anzahl/Monat, Patientendatei)
  • zwei nach Veränderungen in der Apotheke (Mitarbeiterschulung, pharmazeutische Veränderungen)
  • neun zur Pharmazeutischen Betreuung (Umsetzung, Anzahl pharmazeutisch betreuter Asthmapatienten, involvierte Berufsgruppen, Motivation der Patienten, Angebot an Schulungsmaßnahmen, Dokumentation, Annahme durch Ärzte, Annahme durch Patienten, Probleme bei der Umsetzung)
  • zwei zur Zertifikatsfortbildung (Bewertung des Nutzens, fehlende Lerninhalte).

Die statistische Auswertung erfolgte in Durchschnittswerten in Bezug auf den Rücklauf der Fragebögen beziehungsweise bei kombinierten Fragen auf die jeweiligen Subgruppen.

Ergebnisse

Die Response-Rate lag vier Wochen nach Aussendung der Fragebögen bei 42 Prozent (53 von 126). Die Teilergebnisse werden im Folgenden in Bezug auf die Struktur der Apotheke, Veränderungen in der Apotheke, Umsetzung der Pharmazeutischen Beratung und Bewertung der Zertifikatsfortbildung "Pharmazeutische Betreuung von Asthmapatienten“ beschrieben.

  • Struktur der Apotheke

41,5 Prozent der Teilnehmer an der Zertifikatsfortbildung arbeiten in Stadt-, 58,5 Prozent in Landapotheken. Die Kundenfrequenz/Tag lag bei 250 Patienten/Tag (Spanne: 70 bis 2000): 69,9 Prozent der Patienten sind Stammkundschaft (Spanne: 30 Prozent bis 95 Prozent), im Durchschnitt suchen 98 Asthmapatienten/Monat (Spanne 10 bis 500) die Apotheke auf. Eine Patientendatei ist in 69,8 Prozent der Apotheken vorhanden.

  • Veränderungen in der Apotheke

56,6 Prozent der Teilnehmer der Zertifikatsfortbildung Asthma haben im Anschluss daran eine Mitarbeiterschulung durchgeführt. Die Umsetzung des Erlernten in der Praxis nach Besuch der Fortbildung ist in Abbildung 1 wiedergegeben (Mehrfachnennungen möglich). Gründe, warum keine Pharmazeutische Betreuung im engeren Sinne durchgeführt wurde, sind in Abbildung 2 aufgezeigt (Mehrfachnennungen waren möglich).

  • Umsetzung der Pharmazeutische Betreuung

In neun von 53 Apotheken, also in 17 Prozent, wurden seit dem Besuch der Zertifikatsfortbildung Asthmapatienten pharmazeutisch betreut. Die folgenden Durchschnittswerte beziehen sich auf diese sieben Apotheken. Es wurden durchschnittlich 4,4 Patienten pharmazeutisch betreut. Diese Pharmazeutische Betreuung führten durchschnittlich zwei Approbierte und zwei PTAs durch.

Die Maßnahmen, die zur Kundenmotivation ergriffen wurden, sind in Abbildung 3 dargestellt. Auf die Frage, welche Schulungs- und Betreuungsmaßnahmen nun angeboten werden, gaben 100 Prozent Inhalationstechnik, 77,8 Prozent Peak-Flow-Messung, 88,9 Prozent Asthma-Tagebuch und 66,7 Prozent Medikationsprofil an. 33,3 Prozent dokumentierten die geleistete Pharmazeutische Betreuung mittels EDV-Programm. Die Annahme der Pharmazeutischen Betreuung war seitens der Patienten durchweg positiv (22 Prozent sehr gut, 78 Prozent gut), seitens der Ärzte eher zurückhaltend (55 Prozent mittel, 45 Prozent schlecht).

  • Bewertung der Pharmazeutische Betreuung

Probleme bei der Umsetzung der Pharmazeutischen Betreuung (Mehrfachnennungen möglich) Die folgenden Angaben beziehen sich auf alle 48 Fragebögen (drop-out: 5 von 53), bei denen die Frage beantwortet war. Die Beurteilung der Fortbildung zeigt Abbildung 4.

Diskussion

Der Nutzen der Zertifikatsfortbildung für die Umsetzung der Pharmazeutischen Betreuung in die Praxis wurde von 80 Prozent der Teilnehmer als „sehr gut und gut“ bezeichnet. Die umfassende Pharmazeutische Betreuung mit Dokumentation der personenbezogenen und gesundheitsrelevanten Daten sowie der Medikation (verordnete Arzneimittel und Selbstmedikation), der erreichten Werte in einem Asthma-Tagebuch, der gehaltene Schulungen, der arzneimittelbezogene Probleme und deren Lösungen wurde von 17 Prozent der Teilnehmer seit dem Besuch der Zertifikatsfortbildung Asthmapatienten durchgeführt. Dieses Ergebnis und die Aussage, dass die Honorarfrage für die teilweise zeitintensive Pharmazeutische Betreuung ein wichtiges Argument gegen den breiten Einsatz der pharmazeutischen Dienstleistung spielt, bekräftigt die Notwendigkeit von Verträgen mit Krankenkassen zur Honorierung der Pharmazeutischen Betreuung. Kleine Schritte in Richtung Pharmazeutische Betreuung mit aktivem Angebot an Beratungsleistungen bei Patienten mit entsprechender Medikation, intensiven Anwenderschulungen mit Demonstrationsmaterial und fachliche Kommunikation mit Ärzten wurden von der großen Mehrheit der Teilnehmer unternommen. Dies zeigt eine deutliche Verhaltensänderung, die vermutlich zu einer Steigerung der Arzneimittelsicherheit und der Effektivität sowie Effizienz der Arzneimitteltherapie und somit zur Verbesserung der Lebensqualität des Patienten führt. Aufgrund des vielfachen Wunsches wird für Absolventen der Zertifikatsfortbildung Asthma am 19.7.2003 im CJD Asthmazentrum Berchtesgaden ein Auffrischungskurs angeboten. Dabei stehen neben der Vermittlung des aktuellen wissenschaftlichen Standes und der Bewertung neuer Antiasthmatika sowie der Beurteilung der Kombinationspräparate die Vorstellung von Patienten im Mittelpunkt. Ein Auffrischungskurs in Nordbayern mit Patientenvorstellungen ist ebenso in Planung.

Zusammenfassung

Die Zertifikatsfortbildung "Pharmazeutische Betreuung von Asthmapatienten" ist geeignet, den Teilnehmern die Pharmazeutische Betreuung als ein Konzept der Zukunft zu vermitteln und die Mehrheit der Teilnehmer zu kleinen, aber sehr wichtigen Schritten in Richtung Pharmazeutische Betreuung in der Praxis zu animieren. Für die breite Umsetzung der Pharmazeutischen Betreuung in die Praxis sind gesetzliche Rahmenbedingungen sowie Versorgungsverträge mit den Krankenkassen unabdingbare Voraussetzung.

 

Referenzen

  1. Asthmastudie belegt Effizienz der Pharmazeutischen Betreuung. Pharmazeutische Zeitung 1999:37).
  2. Curriculum Pharmazeutische Betreuung von Asthmapatienten, Bundesapothekerkammer 2002
  3. Fragebogen Umsetzung der Pharmazeutischen Betreuung von Asthma-Patienten in die Praxis, Bayerische Landesapothekerkammer 2003
Top

© 2003 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa