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Der Allergie-Check mit CAVE

19.06.2000
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-PharmazieGovi-Verlag

Der Allergie-Check mit CAVE

von Anke Freitag, Eschborn

Die Zahl der Allergiker und damit das Risiko allergischer Reaktionen auf Fertigarzneimittel nimmt zu. Die Allergen-Karenz darf bei der Auswahl von Arzneimitteln nicht mehr vernachlässigt werden. Bei der Abgabe von Fertigarzneimitteln unterstützt CAVE die Überprüfung des Allergierisikos. Liegt es vor, erhält der Anwender einen Warnhinweis.

Mit CAVE wurde ein erster Schritt zur EDV-Unterstützung einer patientenorientierten Pharmakotherapie entwickelt. CAVE gleicht die individuellen Merkmale eines Patienten, die bei der Arzneimitteltherapie zu beachten sind, mit den beim Fertigarzneimittel zu berücksichtigenden Anwendungsbeschränkungen ab. Liegt eine Übereinstimmung zwischen Patientenmerkmalen wie Alter, Allergie, Geschlecht oder chronischen Erkrankungen und den beim Fertigarzneimittel codierten Risiken vor, erfolgt eine Warnung mit Bewertung auf dem Bildschirm. Die Inhalte und Funktionalitäten von CAVE wurden bereits in einem Übersichtsartikel kurz dargestellt (siehe PZ 35/99 ab Seite 29).

In der mit diesem Beitrag beginnenden Serie werden die Dateninhalte der vier CAVE-Teilmodule "Alter", "Geschlecht", "Allergie" und "Befunde" genauer vorgestellt.

Allergien - ein wachsendes Problem

Die Zahl der Allergiker steigt immer weiter an. Mittlerweile reagiert bereits jeder vierte Einwohner in Deutschland allergisch auf ein oder mehrere Allergene. Allergische Reaktionen auf Arzneistoffe, Hilfsstoffe, Kosmetika und Pflanzen kommen immer häufiger vor. So treten bei 2 bis 6 Prozent der medikamentös behandelten Patienten Überempfindlichkeitsreaktionen auf die in Arzneimitteln enthaltenen Wirk- und/oder Hilfsstoffe auf. Bei der Arzneimitteltherapie ist etwa jede fünfte Nebenwirkung allergischer Natur.

Karenz ist wirksamste Maßnahme

Die Allergen-Karenz, die wirksamste Maßnahme zur Verhinderung allergischer Reaktionen, darf sich in der Regel nicht ausschließlich auf den allergieauslösenden Stoff beschränken. Chemisch eng verwandte Stoffe können auf Grund gleicher Strukturen ebenfalls eine allergische Reaktionen auslösen. Wegen der Vielzahl von Stoffbezeichnungen nach den verschiedensten Stoffkatalogen (zum Beispiel Arzneistoff-Bezeichnungs-VO, E-Nummer, INCI-Nomenklatur) und den schwierig zu beurteilenden verwandtschaftlichen Beziehungen der Stoffe untereinander, ist es nicht immer möglich, das Allergierisiko abzuschätzen, selbst wenn alle Daten vorliegen. Darüber hinaus werden im Allergiepass des Patienten Allergien häufig unter Sammelbegriffen, wie "Parabene" oder "Sulfite", dokumentiert, so dass in diesem Fall geprüft werden muss, ob einer der beim Fertigarzneimittel deklarierten Stoffe diese Allergie auslöst oder nicht.

Automatischer Allergie-Check mit CAVE

Mit dem CAVE-Teilmodul "Allergie" erhält die Apotheke ein Instrument, mit dem nach Codierung diagnostizierter Allergien auf Patientenseite die Abgabe von Arzneimitteln, Rezepturen und Kosmetika auf ein allergisches Risiko überprüft werden kann. Darunter fallen alle Arten von Stoffüberempfindlichkeiten, die immunologischer (allergischer) oder nicht immunologischer (pseudoallergischer) Natur sein können. CAVE warnt sowohl vor der Möglichkeit einer allergischen Reaktion als auch bei Vorliegen des selteneren Risikos einer Kreuzallergie.

Allergieauslösende Stoffe (zum Beispiel Penicilline, Cephalosporine), die chemisch eng verwandt sind und bei denen eine Gruppenallergie vorliegt, wurden zu einer Allergiegruppe zusammengefasst und erhielten einen entsprechenden "Allergienamen" (zum Beispiel Penicillinallergie, Cephalosporinallergie), der zur Codierung beim Patienten verwendet wird. Tritt zwischen Allergiegruppen eine Kreuzallergie auf, so wurden diese mit der Kreuzallergie verknüpft.

Codierung der Allergie beim Patienten

Zunächst werden die vorliegenden Allergien eines Patienten dokumentiert. Mit Hilfe von Patientendateien ist die Erfassungsarbeit nur einmal durchzuführen. Anschließend können bei jeder Fertigarzneimittelabgabe die gespeicherten Allergien automatisch in den CAVE-Check einbezogen werden. Apotheken, die derzeit noch keine Patientendaten erfassen oder einen hohen Anteil an Laufkundschaft besitzen, können Allergien kurzfristig speichern oder sich die bei einem Fertigarzneimittel hinterlegten Allergien anzeigen lassen.

Zur Codierung der Allergien in der Patientendokumentation stehen mehrere Kriterien zur Auswahl:

  • der allergieauslösende Stoff
  • das allergieauslösende Fertigarzneimittel
  • die Allergiebezeichnung (Synonymverzeichnis) oder
  • der ICD-Code (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems)

Da unterschiedliche Determinanten des Moleküls für die allergische Reaktion verantwortlich sein können, ist es möglich, einem Stoff mehrere Allergien zuzuordnen. Bei Salzen kann sowohl das Anion als auch das Kation zu allergischen Reaktionen führen.

Zwischen den Aminoglykosid-Antibiotika, wie zum Beispiel Neomycin, Kanamycin und Streptomycin, existiert wie zwischen den Penicillinen eine Gruppenallergie. Neomycin weist allerdings im Gegensatz zu den anderen Aminoglykosiden zusätzlich noch eine Kreuzallergie zu Bacitracin auf. Um den Sachverhalt der Gruppenallergie unter den Aminoglykosiden und der Kreuzallergie zwischen Bacitracin und Neomycin zu berücksichtigen, wurde Neomycin zwei Allergien zugeordnet. Für die anderen Aminoglykoside wie Streptomycin und Kanamycin reicht dagegen die Codierung einer Allergie aus, da keine Kreuzallergie mit Bacitracin besteht.

Die Beurteilung dieser meist sehr komplexen Sachverhalte ist in der Praxis häufig schwierig. Die Apotheke wird hier wesentlich durch CAVE unterstützt. Durch Einstieg in die Codierung der Allergie über den allergieauslösenden Stoff beziehungsweise das allergieauslösende Fertigarzneimittel kann die geschilderte Problematik ganz einfach umgangen werden. Dies bedeutet für die Praxis: Wenn man beim Patienten eine Allergiecodierung in der Patientendatei hinterlegen will, wählt man den entsprechenden allergieauslösenden Stoff oder das Fertigarzneimittel aus und wird so direkt zu allen zugeordneten Allergien geführt.

CAVE-Check "Allergie"

Nach Zuordnung der Allergien zu Patientendaten kann bei jeder Abgabe von Fertigarzneimitteln der CAVE-Check gestartet werden. Bei Rezepturen oder bei nicht in der ABDA-Datenbank dokumentierten Kosmetika können diese nach Eingabe der Inhaltsstoffe auf ein entsprechendes Risiko getestet werden. Unterstützt durch das ABDA-Datenbank-Modul „Pharmazeutische Stoffliste" findet man sofort die gebräuchlichen E-Nummern, Stoff-Synonyme und die INCI-Bezeichnung aus der Kosmetika-Verordnung.

Liegt ein Allergierisiko beim Patienten vor, erscheint der Warnhinweise "Allergie beachten" auf dem Bildschirm. In diesem Fall ist mit allergischen Reaktionen auf das angezeigte Fertigarzneimittel beziehungsweise den angezeigten Stoff zu rechnen. Eine Abgabe sollte deshalb vermieden und ein anderes Fertigarzneimittel ausgewählt werden.

Wird der Hinweis "Kreuzallergie beachten" angezeigt, treten nicht in jedem Fall allergische Reaktionen auf; es besteht aber die Gefahr einer Kreuzallergie. Der Patient sollte in diesem Fall auf das mögliche allergische Risiko aufmerksam gemacht werden. Die Beziehung zwischen den beiden Allergien wird im Check-Ergebnis dargestellt.

In Kombination mit der ABDA-Datenbank ermöglicht das CAVE-Modul zusätzlich hilfreiche Recherchen. Die Recherchefunktionen der ABDA-Datenbank im Fertigarzneimittel-Modul können um das Kriterium "Allergie" erweitert werden. Auf diese Weise lassen sich Allergierisiken schon während der Suche ausschließen. Fragestellungen wie "Ambroxol-Tropfen für einen Parabenallergiker" oder "Antibiotika-Augentropfen für eine Patientin mit einer Quecksilberallergie" können damit zuverlässig gelöst werden.

Nutzen für die Apotheke

Mit Hilfe von CAVE kann in Apotheken der Beratungsstandard gesichert sowie die pharmazeutische Betreuung effizient unterstützt werden. Bei Allergikern kann mit Hilfe von CAVE ein hohes Maß an Arzneimittelsicherheit geschaffen werden. In der Redaktion von ABDATA wurden chemische Wirkstoffe, Hilfsstoffe und Pflanzen auf allergische Reaktionen, Gruppenzugehörigkeit und Kreuzallergien überprüft und bei Vorliegen eines allergischen Potenzials aufgenommen. Damit kann auf ein Allergierisiko bei chemischen und pflanzlichen Fertigarzneimitteln sowie bei Körperpflegemitteln und Kosmetika getestet werden. Dies unterstützt und sichert eine qualitative Beratung auch in diesem Bereich.

ABDATA liefert die Daten zu CAVE an die Apotheken-Softwarehäuser, die diese in ihre Kassensysteme integrieren können. Das CAVE-Teilmodul "Allergie" wird bereits von einigen Softwarehäuser an Apotheken geliefert; das komplette CAVE-Modul kann ab dem dritten Quartal 2000 durch die Softwarehäuser den Apotheken zur Verfügung gestellt werden. Bei Rückfragen zu Umsetzungen und Terminen wenden Sie sich bitte an ihr Systemhaus. Ab September 2000 werden in den PHARMACON-ABDATA-Workshops sowie auf Symposien zu Pharmazeutischer Betreuung Seminare zum Thema CAVE angeboten.

Anschrift der Verfasserin:
Dr. Anke Freitag
ABDATA Pharma-Daten-Service
Carl-Mannich-Straße 26
65760 Eschborn

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