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Keine Synergie von Parathormon und Alendronat

29.03.2004  00:00 Uhr

Keine Synergie von Parathormon und Alendronat

von Anke Pfleger, Leipzig

Antiresorptive und osteoanabole Medikamente werden bei postmenopausalen Frauen mit Osteoporose erfolgreich angewandt. Ob Kombinationen der beiden Therapieoptionen auch zu einem potenzierten Therapieerfolg führen, diskutierten Experten auf dem Osteologie-Kongress 2004.

Teriparatid (Forsteo®) ist die verkürzte, rekombinante Form des humanen Parathormons (rhPTH 1-34), das zusammen mit Calcitonin und Vitamin D den Calciumspiegel im Körper reguliert. Die Substanz wirkt im Gegensatz zu den antiresorptiv wirkenden Bisphosphonaten (Alendronat, Risedronat) osteoanabol. Während diese den Knochenabbau hemmen, stimuliert Teriparatid die für die Knochenneubildung zuständigen osteoblastären Zellen und fördert somit die Neubildung von Knochen.

Da die Zunahme der Knochenmasse vom Verhältnis der Knochenabbaurate zur -aufbaurate abhängt, erscheint es viel versprechend, eine anabole Therapie mit einer antiresorptiven zu kombinieren. Für Parathormon wurde bereits gezeigt, dass die Kombination mit Estrogenen/Gestagenen zu einem eindrucksvollen Knochendichtezuwachs führen kann. Nachdem die Indikation Osteoporose für eine Estrogen/Gestagen-Behandlung mittlerweile auf Grund des Nebenwirkungsprofils eingeschränkt wurde, kommen für Teriparatid entweder Raloxifen oder Bisphosphonate infrage.

Anlässlich des Kongresses Osteologie 2004 stellte Privatdozent Dr. Stephan Scharla, Bad Reichenhall, die Ergebnisse einer kürzlich publizierten Arbeit vor, die den Effekt von Parathormon in Kombination mit Alendronat untersuchte. An der Studie nahmen 238 postmenopausalen Frauen mit Osteoporose teil, die randomisiert in drei Gruppen eingeteilt wurden. Sie erhielten für jeweils zwölf Monate entweder täglich subkutan 100 µg Parathormon 1-84, oral 10 mg Alendronat oder beide Therapeutika. Die biochemischen Marker für den Knochenaufbau und -abbau stiegen unter der Parathormontherapie als Zeichen eines stimulierten Knochenumbaus an, während unter Alendronat beide Marker erwartungsgemäß abfielen. Unter der Kombinationstherapie sank der biochemische Marker für den Knochenaufbau um 15,7 Prozent und der Knochenresorptionsmarker um etwa 50 Prozent.

Die Knochenmineraldichte an der Wirbelsäule nahm sowohl unter Parathormon als auch unter Alendronat zu, wobei der Gewinn in der Parathormongruppe größer war. Die Kombinationstherapie lag in ihrem Ergebnis zwischen den beiden Monotherapien, schnitt also im Vergleich zur alleinigen Parathormontherapie schlechter ab. Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede bei der trabekulären Knochendichte an der Wirbelsäule. Hier war die Dichtezunahme unter Parathormon etwa doppelt so groß wie unter Alendronat. Die Kombinationstherapie unterschied sich nicht von der Monotherapie mit Alendronat.

Ausgehend von diesen Befunden erscheine die gleichzeitige Gabe von Parathormon mit Alendronat nicht sinnvoll, da die osteoanabole Wirkung von Parathormon vermutlich durch die gleichzeitige starke Osteoklastenhemmung behindert wird, schlussfolgerte Scharla. Anders sehe es jedoch bei einer sequentiellen Therapie mit Teriparatid im Anschluss an eine antiresorptive Behandlung aus. Patientinnen, die auf eine antiresorptive Behandlung nicht oder nicht mehr ausreichend ansprechen, könnten durchaus von einer Teriparatideinnahme profitieren. Zu diesem Ergebnis kommt die Triple-A-Studie (Anabolic after Antiresorptives). Die Studie schloss 59 Frauen in der Postmenopause ein, die im Durchschnitt für 29 Monate eine antiresorptive Vortherapie mit Alendronat oder Raloxifen erhalten hatten. Alle Patientinnen erhielten danach unmittelbar einmal täglich eine subkutane Injektion von 20 µg Teriparatid.

Über einen Zeitraum von 18 Monaten wurden die Veränderungen der Knochenmineraldichte und Knochenstoffwechselmarker untersucht. In beiden Gruppen kam es unter Teriparatid zu einem Anstieg der Knochenumbaumarker. Dabei zeigte sich in der mit Raloxifen vortherapierten Gruppe ein signifikant höherer Anstieg der Knochenaufbaumarker, während die Marker für die Resorption in beiden Gruppen etwa gleich anstiegen. Des Weiteren kam es in beiden Gruppen zu einem Anstieg der Knochenmineraldichte, wobei auch dieser in der mit Raloxifen vortherapierten Gruppe stärker ausgeprägt war. Somit stelle die Therapie mit Teriperatid eine berechtigte Hoffnung für Frauen dar, die bereits eine erfolglose antiresorptive Behandlung erhalten haben, sagte Scharla. Top

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