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Therapie je nach Erscheinungsform

11.07.2005  00:00 Uhr

PHARMAZIE

Rosacea

Therapie je nach Erscheinungsform

von Hans Schulz, Bergkamen

Sie verläuft in Schüben, tritt häufig zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf und ereilt mehr Frauen als Männer: die Rosacea, auch Kupferfinne oder Couperose genannt. Eine stadiengerechte und konsequent durchgeführte Therapie verspricht schnelle und anhaltende Behandlungserfolge.

Der Fachausdruck Rosacea (lateinisch: rosaceus, rosenfarbig) beschreibt die sichtbaren Zeichen der chronisch-entzündlichen, nicht infektiösen Dermatose, die in Deutschland schätzungsweise 4,5 bis 5 Millionen Menschen betrifft.

In ihrem Erscheinungsbild ähnelt die Rosacea der Akne, der perioralen Dermatitis und anderen Affektionen des Haar-Talgdrüsen-Apparats. Während sich Akne jedoch im Talgdrüsenfollikel mit Komedonenbildung entwickelt und die periorale Dermatitis an Wollhaare gebunden ist, geht die Rosacea primär nicht mit follikulären Entzündungen einher. Die Entzündung ist zunächst im corialen Bindegewebe (Dermis) und an den Hautgefäßen lokalisiert. Erst in späteren Stadien greift sie auf die Haar-Talgdrüsen-Regionen über.

Die Ursache ist multifaktoriell

Verantwortlich für die Erkrankung sind unterschiedliche Faktoren wie Gefäßnervenlabilität und seborrhoische Konstitution. Triggermechanismen wie UV-Licht, physikalische Reize, hormonelle Faktoren, Kosmetika sowie übermäßiger Kaffee- und Alkoholgenuss führen bei entsprechend disponierten Personen zu abnormen Gefäßreaktionen in der Gesichtsmitte (T-Zone). Dabei treten zunächst Flush-artige Rötungen auf, später auch Teleangiektasien (erweiterte Hautgefäße) und lymphödematöse Schwellungen. Klinisch werden drei Schweregrade vom Erythem bis zur ausgedehnten Gewebewucherung unterschieden.

Bei der Rosacea erythematosa bilden sich in überwiegend großporiger Haut rezidivierende und später persistierende, bläulich verfärbte Gesichtserytheme (Erythema congestivum) sowie Teleangiektasien. Davon ist vor allem der Nasen- und Wangenbereich betroffen. Die Haut ist empfindlich, sticht, brennt und juckt. Bei schwach ausgeprägten Symptomen und während der erscheinungsfreien Intervalle empfiehlt sich eine prophylaktische Hautpflege mit gering rückfettenden Seifen sowie ausreichend Sonnenschutz.

Zusätzlich wirkt sich auch eine Gesichtshautmassage, bei der morgens und abends mit kreisenden Bewegungen unter leichtem Druck die T-Zone bearbeitet wird, positiv aus. Auch Umschläge oder eine Reinigung mit abgekochtem schwarzen Tee verhindern die Zunahme der entzündlichen Reaktion. Mittels Lasertechnologie (Argon-, gepulster Farbstofflaser) lassen sich störende Teleangiektasien erfolgreich beseitigen. Allerdings muss mit Rezidiven gerechnet werden.

Jede Reizung vermeiden

In jedem Falle sollten irritierend wirkende Syndets, alkoholische Tinkturen, Adstringentien, Schälmittel, der Genuss von starken Gewürzen, Alkohol und heißen Getränken gemieden werden. Externa, die kolloidalen Schwefel, Natriumbituminosulfonat, Salicylsäure, Hexachlorophen, Isopropanol oder Antibiotika enthalten, sind in den meisten Fällen wenig effektiv und haben zusätzliches Irritationspotenzial. Sie haben sich in der Therapie deshalb nicht bewährt.

Heute kommen 0,75- bis 2-prozentige Metronidazol- oder Ciclopiroxolamin-Zubereitungen zum Einsatz. Sie neutralisieren reaktive Sauerstoffspezies wie Wasserstoffperoxid und freie Radikale, die dermale Strukturproteine wie Elastin und Collagen angreifen. Die beiden Wirkstoffe besitzen zusätzlich antiinflammatorische, immunmodulierende und antiproliferative Eigenschaften. Bei trockener Haut sollte die Rezepturgrundlage Glycerol- und Wachsanteile enthalten, bei einer Seborrhö lipidfreie Gele wie Polyacrylat-Hydrogel. Glucocorticoide sind kontraindiziert, da sie eine periorale Dermatitis, eine Steroidrosacea oder Hautatrophien verursachen können.

Keine Narbenbildung

Bei der Rosacea papulosa und der Rosacea papulo-pustulosa entstehen auf persistierender, livider (fahler, bläulich verfärbter) Erythembasis mit Teleangiektasien Papeln, die unbehandelt tage- oder wochenlang bestehen bleiben. Einzelne oder gruppierte Papeln wandeln sich in Papulopusteln beziehungsweise Pusteln um. In ihrer Umgebung sind leichte Ödeme zu ertasten. Komedonen bilden sich nicht. Die Schübe heilen narbenlos ab.

In den Entzündungsprozess sind sekundär sowohl Talgdrüsen- als auch Vellushaarfollikel (Wollhaare) involviert. Das Substrat ist gekennzeichnet durch erweiterte Kapillaren mit perivaskulärem Rundzellinfiltrat, follikulären Papeln und Pusteln, manchmal begleitet von einer Spongiose (schwammig, poröse Struktur) der Follikelinfundibula.

Therapeutisch kommt neben der topischen Anwendung Metronidazol- oder Ciclopiroxolamin-haltiger Externa die orale Gabe des Antibiotikums Minocyclin-HCl in Betracht. Eine Niedrigdosierung von zweimal täglich 50 mg über einen Zeitraum von vier Tagen und anschließend einmal täglich 50 mg für zwei bis vier Wochen beziehungsweise eine weitere Reduktion auf 50 mg jeden zweiten Tag, ist fast immer rasch und ausreichend wirksam. Das lipophile Minocyclin zeigt in dieser geringen Dosierung selten phototoxische oder pigmentierungsauslösende Nebenwirkungen. In der Schwangerschaft sowie bei schweren Organ- und Stoffwechselstörungen ist es jedoch kontraindiziert.

Makrolidantibiotika wie Erythromycin, Roxithromycin und Clarithromycin sind zwar effektiv, für die Rosaceatherapie aber nicht zugelassen. Externe Gabe von Isotretinoin hat ausgeprägte antiinflammatorische Eigenschaften, vor allem gegen Papulopusteln. Nach längerer, eventuell intermittierender abendlicher Anwendung lässt die Hautirritation meist nach.

Orale Retinoide bei schwerer Rosacea

Bei schweren Krankheitsverläufen wie der Rosacea conglobata und der Rosacea hyperplastica entwickeln sich knotige, furunkulöse Infiltrate und entzündliche Plaques. Die Haut ist großporig und ödemähnlich wulstartig verdickt (Fibrose). Tiefreichende Läsionen hinterlassen dann auch Narben. Die glandulär-hyperplastische Variante mit Bindegewebsvermehrung und Talgdrüsenhypertrophie ist der Ausgangspunkt für die Bildung eines Rhinophyms, das meist nur bei Männern auftritt.

Bei diesen Schwerstformen finden orale Retinoide Einsatz. Isotretinoin wird in einer Tagesdosis von 0,2 bis 1,0 mg/kg Körpergewicht verordnet. Wegen der Teratogenität der Retinoide müssen Frauen im gebärfähigen Alter unbedingt auf eine sichere Verhütung achten. Das gilt für den Zeitraum von einem Monat vor Therapiebeginn bis zu einem Monat nach Behandlungsende. Weitere mögliche Nebenwirkungen der systemischen Retinoide wie Isotretinoin und Etretinat sind Stoffwechselstörungen, psoriasiforme Exantheme, follikuläre Pusteln, Paronychie (Nagelwallentzündung), Exsikkation und generalisierter Pruritus.

Rosacea kann ins Auge gehen

Nahezu jeder dritte Rosacea-Patient weist einen Befall der Augen, eine Ophthalmorosacea, auf. Häufig sind eine Blepharitis (Lidhaut- oder Lidrandentzündung) oder Konjunktivitis. Seltener kommen Iritis (Entzündung der Regenbogenhaut), Iridozyklitis (Regenbogenhautentzündung mit Beteiligung des Ziliarkörpers) oder Keratitis (Erkrankung der Hornhaut) vor. Eine Rosaceakeratitis kann infolge Hornhauttrübung zur Erblindung führen. Die orale Einnahme von Minocyclin kann in diesem Fall vor der Erblindung schützen.

Bei einer lupoiden oder granulomatösen Rosacea entwickeln sich auf dem Boden kongestiver Erytheme braunrötliche Papeln oder Knötchen mit lupoidem Infiltrat. Betroffen sind meist junge Erwachsene. Diaskopisch lassen sich gelblichbraune bis rötliche apfelgeleefarbene Herde mit Tendenz zur zentralen Nekrose nachweisen. Vermutlich ist das Krankheitsbild identisch mit dem Lupus miliaris disseminatus faciei.

Leichte Formen sprechen auf topische Gabe von Antibiotika wie Tetracyclin, Erythromycin, Clindamycin an. Peroral wirksam sind Minocyclin, beziehungsweise Antibiotika wie Doxycyclin, Erythromycin, Clindamycin. Bei schwerster Ausprägung ist Isotretinoin indiziert unter Berücksichtigung der oben beschriebenen Einschränkungen (initial: 0,2 bis 0,3 mg/kg KG, danach Dosisreduktion je nach Effektivität).

 

Anschrift des Verfassers:
Dr. Hans Schulz
Im alten Dorf 8
59192 Bergkamen
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