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Neue Hoffnung im Kampf gegen Malaria

18.02.2002
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PHARMAZIE

Neue Hoffnung im Kampf gegen Malaria

von Ulrich Brunner, Eschborn

Eine Forschergruppe aus dem südfranzösischen Montpellier hat nach eigenen Angaben eine wirksame Substanz gegen Malariaerreger gefunden. Der Arzneistoff G25 hat einen völlig neuen Wirkmechanismus und sprach bei infizierten Affen vergleichbar gut an wie Chloroquin und Fansidar.

Resistenzen und der stetig wachsende Verbreitungsgrad machen Malaria zu einem riesigen Problem. Pro Jahr erkranken weltweit 300 bis 500 Millionen Menschen, mehr als 90 Prozent davon im tropischen Afrika. Zwischen 1,5 Millionen und 2,7 Millionen Todesfälle gehen jährlich auf das Konto der Parasiten. Seit Jahren suchen Forschergruppen daher fieberhaft nach neuen Therapieansätzen, um die Malariaepidemie einzudämmen. Von einem neuen vielversprechenden Kandidaten berichten jetzt Henri J. Vial und sein Team von der Universität in Montpellier in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science. Sie fanden eine Substanz, die die Phospholipid-Synthese der von Parasiten befallenen Erythrozyten blockiert.

Malariaerreger verbringen einen Teil ihres Lebenszyklus in roten Blutkörperchen. Für ihre weitere Entwicklung sind sie dort auf die Biosynthese von Phospholipiden als Membranbausteine angewiesen. Die Wissenschaftler beobachteten, dass in befallenen Erythrozyten vor allem die Konzentration des Phospholipids Phosphatidylcholin ansteigt.

Das Team aus Frankreich suchte daher gezielt nach einem Wirkstoff, der die Synthese von Phosphatidylcholin (PC) blockiert. Im Zellversuch legte G25 gezielt die PC-Synthese lahm, beeinflusste aber nicht den Phospholipid-Stoffwechsel in gesunden Blutkörperchen. G25 wirkte also besonders gut gegen solche Parasiten, bei denen die PC-Synthese auf vollen Touren lief, berichten die Forscher. Nicht befallene Erythrozyten wurden dagegen weitestgehend verschont. Vermutlich würde ein für die PC-Synthese wichtiger Transporter der Aminosäure Cholin blockiert, erklären die Autoren den Wirkungsmechanismus.

Im Zellversuch eliminierte G25 Plasmodium-falciparum-Stämme mit Resistenzen gegen Chloroquin, Quinin, Mefloquin und Pyrimethamin. Auch bei den anschließenden Experimenten mit malariainfizierten Affen schnitt G25 erfolgreich ab. Die Versuchstiere, die mit Plasmodium falciparum oder vivax infiziert waren, erhielten über acht Tage zweimal täglich eine intramuskuläre Injektion mit 0,2 mg G25 pro kg Körpergewicht. Der neue Arzneistoff sprach bereits nach vier Tagen an und war im Test genauso erfolgreich wie Quinin und Fansidar. Der Behandlungserfolg hielt auch 60 Tage nach Therapieende an.

"Die In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen belegen, dass aus G25 eine neue Klasse von Antimalaria-Medikamenten entwickelt werden kann, die bereits in sehr niedrigen Dosen ausgesprochen wirksam ist", folgern Vial und seine Kollegen. Im Gegensatz zu den bereits verfügbaren Arzneistoffen, die in den Hämoglobin-Metabolismus oder die DNA-Synthese eingreifen, verhindere die neue Substanz die explosionsartige Vermehrung der Parasiten in den Erythrozyten. Dieser Schritt im Wachstumszyklus der Krankheitserreger, bei dem bis zu 70 Prozent aller roten Blutkörperchen absterben können, wird für die meisten klinischen Symptome verantwortlich gemacht.

"Dies sieht nach einer Wunderdroge aus", interpretiert Geoffrey Pasvol vom Imperial College in London die Versuchsreihe. Er warnt jedoch vor allzu viel Optimismus. Schließlich seien die Forschungsarbeiten mit G25 noch in einem sehr frühen Stadium.

Auch Michael Gottleib, Parasitologe am National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda im US-Bundesstaat Maryland, mahnt zu Zurückhaltung. "Es fehlen noch umfangreiche Daten zur Toxizität, bevor sicher ist, ob G25 sich tatsächlich als Malariamedikament eignet". Vial hofft allerdings, schon in zwei Jahren eine peroral applizierbare Nachfolgesubstanz gefunden zu haben.

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