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Intravenös statt peroral

13.05.2002
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PHARMAZIE

Bisphosphonate

Intravenös statt peroral

 

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Eine Spritze pro Jahr statt täglich eine Tabletten: Forscher prüften jetzt mit Erfolg die Wirksamkeit einer intravenösen Therapie mit Zoledronat bei Osteoporosepatienten.

Peroral applizierbare Bisphosphonate gelten als Standard in der Therapie der Osteoporose. Mit ihrer Hilfe gelingt es, die Knochenmineraldichte zu erhöhen und die Zahl der Frakturen zu reduzieren. Probleme machen jedoch die Langzeitcompliance der Patienten, gastrointestinale Unverträglichkeiten sowie die schlechte und variable Resorption der Arzneistoffe aus dem Gastrointestinaltrakt. Mittels intermittierender intravenöser Gabe lassen sich einige dieser Probleme beseitigen beziehungsweise abmildern. Bislang gibt es jedoch nur evidenzbasierte Daten zur Behandlung der malignen Hypercalciämie und des Morbus Paget sowie zur Reduktion von Skelettkomplikationen bei Patientinnen mit Brustkrebs oder multiplen Myelomen. Dagegen fehlt der Nachweis, dass intravenös applizierte Bisphosphonate bei Osteoporosepatienten die Knochenmineraldichte erhöhen.

Forscher untersuchten daher jetzt in einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie die Wirksamkeit von Zoledronat bei Osteoporosepatienten. Auf Grund seiner hohen Potenz werden nur geringe Dosierungen zur Hemmung der Knochenresorption benötigt und man kommt mit einem langen Dosierungsintervall aus. In der Phase-III-Studie erhielten insgesamt 351 postmenopausale Frauen mit nachgewiesener, geringer Knochenmineraldichte über den Zeitraum eines Jahres 5 unterschiedliche Dosisregime von Zoledronat: 0,25 mg, 0,5 mg oder 1 mg alle drei Monate, einmal jährlich 4 mg oder zweimal pro Jahr 2 mg. Als Beurteilungskriterium für den Therapieerfolg diente die gemessene lumbar-spinale Knochendichte.

In allen fünf Zoledronat-Gruppen wurden ähnliche Zunahmen der Knochendichte gemessen. Sie lagen um 4,3 bis 5,1 Prozent höher als unter Placebo. Die Werte für den Femuralhals lagen 3,1 bis 3,5 Prozent höher. Die biochemischen Marker einer Knochenresorption wurden signifikant reduziert. Die Patienten der Verumgruppe litten zwar häufiger unter Myalgien und Pyrexien, die Abbruchraten waren jedoch in der Placebo- und Verumgruppe ähnlich.

Mit der intravenösen Gabe von Zoledronat lässt sich in allen untersuchten Dosierungen und selbst mittels einer einmal jährlichen Gabe die Knochendichte in einem Ausmaß steigern, wie es sonst nur mit einer täglichen peroralen Gabe anderer Biphosphonate möglich ist. Mit Zoledronat steht also eine effektive und patientenfreundliche Behandlung der Osteoporose zur Verfügung. Noch fehlen allerdings weitere Nachweise in größeren Studien, insbesondere inwieweit sich hiermit die Frakturrate reduzieren lässt und wie es mit der Langzeitverträglichkeit aussieht.

Quellen:
Reid, I. R., et al., N. Engl. J. Med. 346 (2002) 653 - 661.
Solomon, C. G., N. Engl. J. Med. 346 (2002) 642.

© 2002 GOVI-Verlag
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