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Impfstatus in Offizinen unbefriedigend

14.05.2001
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Impfstatus in Offizinen unbefriedigend

von Elke Wolf, Wiesbaden

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen mitunter Welten, selbst wenn das Ideal leicht in die Tat umgesetzt werden könnte. So befindet sich beim Impfstatus von Apothekern und Medizinern einiges im Argen, hat eine Umfrage ergeben. "Wenn schon die Heilberufler ihre Vorbildfunktion nicht nutzen, braucht man sich nicht zu wundern, dass die erforderlichen Durchimpfungsraten nicht erreicht werden", kritisierte Dr. Margret Rothkopf-Ischebeck, von Chiron Behring kürzlich auf dem Internisten-Kongress in Wiesbaden.

Kinder können in Deutschland mit einer guten Durchimpfungsrate aufwarten. Dagegen fehlen oft die Auffrischungsimpfungen bei Jugendlichen und Erwachsenen, so dass der Impfstatus in höheren Altersgruppen immer stärker absinkt. Heilberufler bilden da keine Ausnahme. Der überwiegende Teil der Apotheker und Mediziner hält zwar zum eigenen Schutz Impfungen wie die gegen Influenza oder Hepatitis B für sinnvoll. Dennoch bestehen beim Apothekenleiter, seinem Personal, bei Ärzten und ihren Helferinnen erhebliche Impfdefizite, legen Daten einer Umfrage des Instituts für Markt- und Medizinstudien, Königswinter, in Zusammenarbeit mit der Bundesärztekammer und ZAPP, dem Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis der ABDA, nahe. Die Studie1 wurde letztes Jahr publiziert.

Das Infektionsrisiko wurde in den teilnehmenden 161 Arztpraxen und 188 Apotheken insgesamt als eher gering eingestuft. Der tatsächliche Impfstatus der Mediziner und Apotheker (Durchschnittsalter rund 50 Jahre) kommt dieser Einschätzung allerdings auch sehr nahe. Die Mediziner haben lediglich gegen Tetanus und Hepatitis B zu 70 bis 80 Prozent einen ausreichenden Impfschutz, gegen Poliomyelitis, Diphtherie und Influenza zu etwa der Hälfte und gegen Masern, Mumps und Röteln nur zu 14 bis 18 Prozent. Noch schlechter sieht es bei den Apothekern aus: Gegen Tetanus sind nur 63 Prozent geimpft. Bei allen anderen Impfungen liegt der Anteil der Pharmazeuten mit ausreichendem Impfschutz unter 42 Prozent. Gegen Hepatitis B sind beispielsweise nur 35 Prozent und gegen Influenza nur 16,4 Prozent der Apotheker geimpft.

Auf den Fragebögen sollten die teilnehmenden Ärzte und Apotheker auch angeben, welche Impfungen sie bei ihrem Personal für wünschenswert erachten, erklärte Rothkopf-Ischebeck. Fielen schon die Wunschvorstellungen meist niedriger als die erforderlichen Durchimpfungsraten aus, erreichte der tatsächliche Impfstatus der Angestellten erst recht nicht das gewünschte Niveau. Die Apotheker fordern für ihr Personal hauptsächlich Impfungen gegen Polio, Tetanus und Diphtherie (83 bis 95 Prozent). Der tatsächliche Impfstatus des Apothekenpersonals bleibt allerdings weit hinter den Forderungen der Chefs zurück. Im Mittel beträgt die Differenz zwischen der gewünschten Häufigkeit und dem tatsächlichen Impfstatus bei diesen wichtigen Impfungen 44 Prozentpunkte. Ähnlich ist die Situation bei Influenza und Hepatitis B. Auf eine Hepatitis-B-Impfung wird in Apotheken, in denen das Personal häufiger mit Blut in Kontakt kommt, zwar erheblich mehr Wert gelegt als in Apotheken, in den nie mit Blut gearbeitet wird. Aber obwohl sich 60 Prozent der Apothekenchefs die Impfung für ihre Angestellten wünschten, waren nur 13,2 Prozent des Personals tatsächlich geimpft.

Auch das Robert Koch-Institut in Berlin fand in einer Analyse über den Impfstatus der Bevölkerung, die gemeinsam mit dem Statistischen Bundesamt gemacht wurde, "erhebliche Impfdefizite selbst bei Beschäftigten im Gesundheitswesen. Sie können somit sich und ihre Patienten infizieren", erinnerte Rothkopf-Ischebeck.

Wirklich impfmüde?

Die viel zitierte Impfmüdigkeit der Bevölkerung ist vermutlich weniger stark ausgeprägt als gemeinhin angenommen, informierte die Referentin. Die Bundesbürger seien zu rund 95 Prozent impfwillig. Eine Umfrage von Chiron Behring zeigte, dass 83 Prozent von 1708 Befragten einer erneuten Impfung durchaus positiv gegenüberstehen. Allerdings waren 73 Prozent noch nie von ihrem Arzt auf Impfungen angesprochen worden.

Welche Einstellung müssen Heilberufler haben, um den Impfgedanken zu fördern? Rothkopf-Ischebeck: "Sie müssen selbst überzeugt sein, sie müssen dafür sprechen und selbst Erfahrung haben. Kurzum: Sie müssen believers, advocates und witnesses sein."

 

Literatur

Seibt, K., Schulz, M., Hensel, F. J., Meinungen und Einstellungen zum Thema Impfen bei niedergelassenen Ärzten, Offizinapothekern und ihrem Personal sowie aktueller Impfstatus dieser Gruppen. Gesundheitswesen 62 (2000) 376 - 382.

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