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Patientenscan vermeidet Medikationsfehler

07.03.2005
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PHARMAZIE

Universitätsklinikum Eppendorf

Patientenscan vermeidet Medikationsfehler

 

von Imme Schröder, Hamburg

Mit dem Projekt »Scan for Safety« startet das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) eine in Europa bislang einmalige Offensive zur Vermeidung von Medikationsfehlern. Die Krankenhausapotheke will mit der Maßnahme einen Beitrag zum Erneuerungsprozess des Klinikums leisten, der bis zum Jahr 2010 abgeschlossen sein soll.

»Geschätzte 7000 Patienten sterben in den USA jährlich an falschen Medikationen«, sagte Dr. Michael Baehr, Leiter der Krankenhausapotheke des UKE zum Hintergrund der Umstrukturierung. »Nach internationalen Studien stellen unerwünschte Wirkungen durch vermeidbare Medikationsfehler weltweit ein großes qualitatives Problem der Arzneimitteltherapie dar. Fehler entstehen hauptsächlich bei der Verordnung und der Verabreichung.« Zum Teil trügen auch unleserliche handschriftliche Verordnungen zur Herstellung und Abgabe falscher Präparate bei, häufige Fehler treten zudem bei der Applikation von Konzentraten anstatt verdünnter Lösungen auf.

Mit dem neuen System »Scan for Safety« soll die Arzneimitteltherapie künftig patientenindividuell fehlerfrei gesteuert und dokumentiert werden. Eine konsequente Erfassung aller Patienten über Barcodes bildet dabei die Grundlage: »Bei der Aufnahme in das Krankenhaus erhält jeder Patient ein Armband mit einem individuellen Strichcode. Dieser wird bei jeder Verordnung und Applikation gescannt«, erläuterte Baehr. Die ersten Patienten sind bereits mit den Armbändern ausgestattet und haben die ungewöhnliche Prozedur problemlos angenommen.

Eine weitere Neuerung ist die Ausstattung der Ärzte mit einem kabellosen, tragbaren Computer, über den die Verordnungen direkt an den Server der Krankenhausapotheke weitergegeben werden und damit die Verarbeitung aller patientenbezogenen Daten in einer elektronischen Akte ermöglicht wird. In der Apotheke sorgt ein in Deutschland erstmals installierter Roboter unter pharmazeutischer Aufsicht für eine patientenspezifische Verpackung, die so genannte »Unit Dose«. Alle verordneten Präparate verlassen so, weitgehend unabhängig von der Arzneimittelform, die Krankenhausapotheke. Auf der Verpackung befindet sich zur Qualitätssicherung ein Barcode, der das Arzneimittel eindeutig identifiziert.

Bei der Verteilung der Medikamente durch das Pflegepersonal werden wiederum die Verpackung und das Patientenarmband gescannt, so dass Doppelapplikationen oder vergessene Medikationen vermieden werden und jedes Medikament zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Dosierung verabreicht wird.

Die Patienten profitieren von »Scan for Safety«, da ihnen durch die Aufdrucke auf den individuellen Verpackungen wichtige Hinweise zu den Medikamenten, wie zum Beispiel Wirkstoff- und Arzneimittelbezeichnung oder Einnahmehinweise zugänglich gemacht werden.

Für die Ärzte birgt das neue System größere Sicherheit bei der täglichen Visite: Durch die elektronische Speicherung aller bereits verordneten Wirkstoffe werden dem Mediziner automatisch mögliche Neben- und Wechselwirkungen angezeigt, die unterschiedlich stark gewichtet sind. »Das Ganze funktioniert wie bei einem Navigationssystem und die Gefahr, dass schwere Wechselwirkungen automatisch weggedrückt werden, ist gering«, sagte Baehr.

Die Idee zu der fortschrittlichen Erneuerung hatte der Pharmazeut aus den USA aufgegriffen, dort ist das System bereits in verschiedenen Krankenhäusern über einen längeren Zeitraum in Betrieb.

In Hamburg läuft »Scan for Safety« zunächst in einer einjährigen Testphase auf vier Stationen, danach soll eine Erweiterung auf das gesamte Klinikum erfolgen. Die Investition von 2,5 Millionen Euro für den flächendeckenden Einsatz des Systems wird sich schnell rentieren. Errechnet wurden Prozesskosteneinsparungen von 2,7 Millionen Euro pro Jahr durch eine strenger standardisierte Therapie, Wegfall der Lagerung auf den Stationen und Automatisierung von Kommissionierarbeiten.

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