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Risiko-Check für Alter und Geschlecht

10.07.2000
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-PharmazieGovi-Verlag

CAVE

Risiko-Check für Alter
und Geschlecht

von Anke Freitag, Eschborn

Die Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Lebensqualität des Patienten stehen im Mittelpunkt jeder Arzneimitteltherapie. Dabei muss sich die Medikation auch an Alter und Geschlecht des Patienten orientieren. Je nach Alter kann eine zu hohe oder zu niedrige Wirkstoffstärke den Therapieerfolg gefährden. Auch in diesem Bereich unterstützt CAVE die Apotheke bei der Betreuung ihrer Patienten.

Für eine sichere Arzneimittelanwendung spielen nicht nur Allergien und chronische Erkrankungen, sondern auch die Überprüfung der Medikation auf geschlechtsspezifische Indikationen oder auf dem Alter angemessene Wirkstoffstärke oder Anwendungsformen eine wichtige Rolle. Bei Kindern sind beispielsweise Anwendungsbeschränkungen auf Grund des hohen Wirkstoffgehalts oder nicht ausreichender Therapieerfahrung zu beachten. Bei Erwachsenen führen Fertigarzneimittel mit einem zu geringem Wirkstoffgehalt zu unzureichenden Wirkstoffspiegeln.

CAVE-Teilmodul "Geschlecht"

Mit Hilfe dieses Teilmoduls werden Fertigarzneimittel detektiert, deren Anwendung auf Grund ihrer geschlechtspezifischen Anwendungsgebiete beim dokumentierten Patientengeschlecht untypisch wären. Für die Prüfung sind alle Fertigarzneimittel relevant, für die ausschließlich geschlechtsspezifische Indikationen (zum Beispiel Prostatahyperplasie oder Zyklusstörungen) gelten. Diesen Fertigarzneimitteln sind Indikationen mit einem Geschlechtsattribut "männlich" oder "weiblich" zugeordnet.

Bei der Abgabe von Fertigarzneimitteln überprüft CAVE anhand des in der Patientendatei hinterlegten Geschlechts, ob eine geschlechtsatypische Anwendung vorliegt. Dabei werden die beim Fertigarzneimittel zu jeder Indikation hinterlegten Geschlechtsattribute mit dem in der Patientendokumentation erfassten Geschlecht des Patienten abgeglichen. Sind die Einträge nicht identisch, wird folgende Warnung ausgegeben: "Keine Indikation bei Geschlecht ...". Zusätzlich zu dieser Information werden dem Anwender die Anwendungsgebiete des betroffenen Fertigarzneimittels angezeigt. Ein Hinweis erscheint immer dann, wenn bei der Abgabe an einen männlichen Patienten nur weibliche Geschlechtsattribute bei den Anwendungsgebieten beziehungsweise umgekehrt bei einer weiblichen Patientin nur männliche Geschlechtsattribute vorliegen. Handelt es sich bei nur einer der Indikationen des Fertigarzneimittels um eine geschlechtsunspezifische Erkrankung, erscheint nie eine Warnung.

Codierung des Geschlechts

Für jeden Patienten sollte generell das Geschlecht bei der Ersterfassung der persönlichen Daten in der Patientendokumentation hinterlegt werden, damit in jedem Fall eine Überprüfung stattfinden kann. Das Merkmal "nicht einzuordnen" ist für solche Patienten vorgesehen, denen weder das Geschlecht "männlich" noch das Geschlecht "weiblich" zugeordnet werden kann, zum Beispiel bei Intersexualität. Ist das Geschlecht anhand der vorliegenden Patientendaten nicht bekannt, sollte auch kein Eintrag erfolgen.

CAVE-Teilmodul "Alter"

Mit Hilfe dieses CAVE-Teilmoduls werden altersatypische Anwendungen von Arzneimitteln aufgedeckt. Dabei kann es sich um Ausschlusskriterien oder Einschränkungen der Anwendung eines Fertigarzneimittels handeln, die insbesondere bei Patienten unter 18 Jahren zu berücksichtigen sind. Darüber hinaus kann die unzweckmäßige Auswahl eines Medikamentes für ein Patientenalter, für das beim Fertigarzneimittel auf Grund einer ungeeigneten Wirkstoffstärke oder Darreichungsform keine Anwendung beschrieben ist, erkannt werden.

Kinder zwischen einem und sechs Jahren sollten Paracetamol-Zäpfchen mit einer Dosierung von 250 mg erhalten; damit ist eine Anwendung unter ein Jahr und über sechs Jahre nicht vorgesehen. Für die ungültigen Altersbereiche wird in diesem Falle vor einer "atypischen" Medikation gewarnt.

Grundsätzlich wird für die Prüfung auf altersabhängige Risiken bei CAVE der gesamte Altersbereich betrachtet. Im mittleren bis hohen Alter (über 18 Jahre) lassen sich jedoch Patientengruppen, für die ein Ausschlusskriterium oder eine Anwendungsbeschränkung relevant ist, weniger durch das konkrete Alter als vielmehr durch bestimmte physiologische Zustände voneinander unterscheiden (zum Beispiel "Frau im gebärfähigen Alter"). Auch die Angabe "kontraindiziert bei Patienten ab 65 Jahren" bezieht sich weniger auf das konkrete Patientenalter als vielmehr auf die physiologischen Merkmale eines älteren Patienten. Mit zunehmendem Alter verändert sich zum Beispiel das Verteilungsverhalten von Substanzen und die Nierenfunktion nimmt ab. Die Ausschlusskriterien oder Anwendungsbeschränkungen, die sich auf ein Patientenalter über 18 Jahre beziehen, werden deshalb nicht für den Check im Teilmodul "Alter" berücksichtigt, sondern vergleichbar mit den chronischen Erkrankungen speziell codiert und im CAVE-Teilmodul "Erkrankung" (Befunde) behandelt.

Für Patienten unter 18 Jahren mit altersbedingten physiologischen Zuständen (zum Beispiel Pubertät, Zahnungsperiode) werden dagegen Altersbereiche hinterlegt. So erfolgt zum Beispiel die Umrechnung von Gewichtsangaben in Altersbereiche anhand eines Somatogramms.

In der Apotheke werden Geburtsdatum und Geschlecht bei der Erstfassung der persönlichen Kundendaten aufgenommen. Während des CAVE-Checks erfolgt die Berechnung des aktuellen Patientenalters automatisch auf der Basis des hinterlegten Geburtsdatums und des aktuellen Tagesdatums. Daran schließt sich ein Abgleich zwischen den beim Fertigarzneimittel hinterlegten ungültigen Altersbereichen und dem errechneten Patientenalter an. Liegt das Patientenalter in einem ungültigen Bereich, erfolgt eine Warnung auf dem Bildschirm.

Warnhinweise

Bei einer Anwendungsbeschränkung bezüglich des Patientenalters, erscheinen verschiedene Warnhinweise auf dem Bildschirm. Der Hinweis "Keine Anwendung" erscheint quer durch alle Altersbereiche, wenn sich eine Abgabe des Fertigarzneimittels verbietet. Ein Fertigarzneimittel sollte nur dann für die Therapie in Betracht kommen, wenn eine lebensbedrohliche Indikation vorliegt, die die Anwendung des Fertigarzneimittels zwingend erfordert und Alternativen nicht vorhanden sind oder das Risiko der Anwendung zum Beispiel durch engmaschige Überwachung in der Klinik kontrolliert werden kann.

Erscheint "Anwendungsbeschränkung", darf das Fertigarzneimittel nur beschränkt oder nur unter besonderen Voraussetzungen oder Bedingungen eingesetzt werden. Dies sind beispielsweise bestimmte Vorsichtsmaßnahmen wie Patienten- und/oder Therapiekontrollen, strengste Indikationsstellung oder besondere Nutzen-Risiko-Abwägung.

Unter "atypische Medikation" werden alle Altersbereiche aufgeführt, bei denen sich die Anwendung eines Fertigarzneimittels zwar nicht grundsätzlich verbietet, eine Applikation aber auf Grund der Wirkstoffstärke oder Darreichungsform nicht angemessen wäre (zum Beispiel große Kapseln bei Kleinkindern, Säuglingssuppositorien bei Erwachsenen). In einem solchen Fall stehen wirkstoffgleiche Präparate in besser geeigneter Stärke oder Darreichungsform zur Verfügung.

Zusätzlich kann ein erläuternder Text zur Meldung angezeigt werden. In diesem Text wird beschrieben, warum das Fertigarzneimittel im gewünschten Altersbereich nicht zur Anwendung geeignet ist. Es kann sich entweder um fertigarzneimittelspezifische (zum Beispiel "ungeeignete Wirkstoffstärke/Darreichungsform/Applikation") oder stoffspezifische Gründe (zum Beispiel "nur bei vitaler Indikation und bei stationärer ärztlicher Kontrolle", "mangels Therapieerfahrung") handeln. Weiterhin können Hinweise bezüglich zusätzlicher erforderlicher Maßnahmen (zum Beispiel "Dosierung exakt beachten") enthalten sein.

CAVE-Recherche

Eine Erweiterung der Recherchemöglichkeit im Fertigarzneimittel-Modul der ABDA-Datenbank ist mit Hilfe von CAVE ebenfalls möglich. So kann schon bei der Suche nach geeigneten Fertigarzneimitteln ein bestimmtes Patientenalter berücksichtigt werden. Fragestellungen wie ein geeignetes Antitussivum für Kinder von sechs Jahren oder aber eine geeignete Acetylcystein-Darreichungsform für ein Kind von drei Jahren lassen sich zuverlässig lösen.

Durch die Überprüfung der Medikation anhand von individuellen Patientenmerkmalen kann die Arzneimitteltherapie für den Patienten optimiert und die Arzneimittelsicherheit erhöht werden. Durch CAVE wird eine effiziente und individuelle Patientenbetreuung in der Apotheke ermöglicht, die letztendlich wesentlich zur Kundenbindung beiträgt. Da der CAVE-Check automatisch abläuft, erfordert er keinen zusätzlichen Zeitaufwand und kann problemlos in den Routinebetrieb der Apotheke integriert werden.

Seit April 2000 werden für alle CAVE-Bereiche die Daten regelmäßig von ABDATA ausgeliefert. Änderungen werden wie bei der ABDA-Datenbank jeden Monat an die Softwarehäuser versandt. Bei Rückfragen zu Umsetzungen und Terminen sollten sich die Apotheken bitte an ihr Systemhaus wenden. Ab September 2000 werden CAVE-Schulungen anlässlich von PHARMACON und Symposien zur Pharmazeutischen Betreuung angeboten.

Anschrift der Verfasserin:
Dr. Anke Freitag,
ABDATA Pharma-Daten-Service,
Carl-Mannich-Straße 26,
65760 Eschborn
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