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Parecoxib senkt den Morphinverbrauch

13.05.2002  00:00 Uhr

Parecoxib senkt den Morphinverbrauch

von Stephanie Czajka, Berlin

Oft erhalten frisch operierte Patienten ein Schmerzmittel kurz nach der Narkose, noch bevor sie schlucken oder essen können. Seit kurzem gibt es ein parenteral applizierbares Antirheumatikum. Parecoxib (Dynastat®) wirkt selektiv auf die Cyclooxygenase-2.

Parecoxib wurde zur Kurzzeit-Behandlung postoperativer Schmerzen zugelassen. Studien hatten gezeigt, dass der Arzneistoff nach orthopädischen, kardiologischen, gynäkologischen oder oralchirurgischen Eingriffen wirksam ist, berichteten Wissenschaftler auf einer Pressekonferenz in Berlin. Eine Multicenter-Studie an über 400 Herzpatienten belegte zum Beispiel, dass Parecoxib nach Bypass-Operationen im Vergleich zu Placebo signifikant den Morphinverbrauch senkt und schwerste Schmerzen vermindert. Die Patienten der Verumgruppe fühlten sich deutlich besser und wurden früher nach Hause entlassen, berichtete Dr. Elisabeth Ott vom Universitätsklinikum Großhadern in München.

Bei Patienten, die Kniegelenksprothesen erhielten, wirkte Parecoxib besser als eine geringe Dosis Morphin (4 mg i.v.). Patienten mit neuen Hüftgelenken verbrauchten unter Parecoxib rund ein Drittel weniger Morphin als unter Placebo. Nach gynäkologischen Eingriffen verlängerte Parecoxib die Zeit bis zur nächsten Schmerzmittelgabe vergleichbar gut wie 30 mg intravenös verabreichtes Ketorolac, ein in Deutschland nicht zugelassenes nicht-steroidales Antirheumatikum. Auch bei Patienten, denen man Backenzähne gezogen hatte, wirkten 40 mg Parecoxib intravenös oder intramuskulär ebenso wie 60 mg Ketorolac (i.m.).

Die häufigsten Nebenwirkungen unter Parecoxib sind Übelkeit, Erbrechen und Juckreiz. In der von Ott vorgestellten Studie an Herzpatienten traten schwere Nebenwirkungen wie eine Verschlechterung von Nierenfunktion und Gehirndurchblutung häufiger auf als unter Placebo. Mehr Patienten erlitten einen Herzinfarkt oder starben. Statistisch signifikant schlechter war allerdings nur die Wundheilungsrate. Ott sprach sich dennoch dafür aus, vor der breiteren Anwendung an Risikopatienten wie Bypass-Operierten weitere Studien abzuwarten.

Nicht gegeben werden sollte Parecoxib unter anderem Patienten mit gastrointestinalen Blutungen oder entzündlichen Darmerkrankungen. Vorsicht ist zudem bei eingeschränkter Nieren-, Herz- oder Leberfunktion geboten. Bei gesunden Probanden beeinflusste Parecoxib die Thrombozytenaggregation dagegen nicht.

Parecoxib ist ein Prodrug, das entwickelt wurde um die Wasserlöslichkeit des eigentlichen Wirkstoffes Valdecoxib zu verbessern. Parecoxib wird im Körper durch die Cytochrom-P450-Isoenzyme CYP3A4 und CYP2C9 unter Abspaltung einer Propionsäure in Valdecoxib umgewandelt, erklärte Professor Dr. Gerd Geißlinger, klinischer Pharmakologe an der Universität Frankfurt. Nach intravenöser Gabe dauert es zwischen 30 und 60 Minuten bis maximale Valdecoxib-Spiegel erreicht werden. Bei intramuskulärer Gabe werden maximale Wirkspiegel nach ein bis drei Stunden erreicht. Der erste wahrnehmbare Effekt tritt nach 7 bis 13 Minuten ein. Die Halbwertszeit beträgt acht bis zehn Stunden, die Selektivität für die Cyclooxygenase-2 liegt deutlich über der von Celecoxib.

Parecoxib kann intravenös oder intramuskulär gespritzt werden. Die empfohlene Dosis liegt bei 40 mg, anschließend kann alle sechs bis acht Stunden bis zu maximal 80 mg pro Tag nachdosiert werden. Ältere Patienten, die weniger als 50 kg wiegen, sollten zunächst nur die Hälfte der Dosis erhalten.

Parecoxib beeinflusst die Wirkung von niedrigdosierter Acetylsalicylsäure, von Heparin, Glibenclamid, Propofol, Midazolam oder Fentanyl nicht. Vorsicht ist unter anderem geboten bei gleichzeitiger Therapie mit Ketoconazol, Warfarin, Diuretika oder Lithium. Top

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